Rassismus in Hollywood: Wenn Schwarz und Weiss sich lieben, zittern die Filmbosse
Aktualisiert

Rassismus in HollywoodWenn Schwarz und Weiss sich lieben, zittern die Filmbosse

Im neuen Star-Trek-Film geht es zur Sache: Captain Kirk und Lieutenant Uhura haben miteinander Sex. Ist damit eines der hartnäckigsten Hollywood-Tabus überwunden, dasjenige nämlich, dass es keinen Sex zwischen Schwarz und Weiss geben darf?

von
Oliver Baroni

Die sogenannte «Generation Y» der 15- bis 25-Jährigen, so schreibt «USA Today»-Kolumnistin Sharon Jayson, habe keine Probleme mit gemischtrassigen Beziehungen. Diverse Studien würden belegen, dass junge Amerikaner toleranter und offener als vorangegangene Generationen seien. Und doch gibt es Anzeichen dafür, dass Vorbehalte gegenüber gemischtrassigen Beziehungen in Film und TV auch heute noch Bestand haben – wenn auch in leicht abgeänderter Form.

Look, but don't touch

Anno 1968 legte Petula Clark während eines Musikduetts locker ihre Hand um den Arm von Harry Belafonte. Nicht gerade eine Darstellung grafischer Sexualität, würde man meinen. Und doch war der US-Autohersteller Chrysler als Hauptsponsor der TV-Sendung so beunruhigt, dass er in der Folge seine Unterstützung zu kündigen drohte.

Viel zu lange galt ein ungeschriebenes Gesetz bei gemischtrassigen Paar-Besetzungen in Hollywood: «Look but don't touch» – anschauen ja, anfassen nein! Obwohl es seit den Fünfzigerjahren immer mehr schwarze Stars gab, wurden diese nie in romantische Rollen mit einem weissen Partner gecastet. Harry Belafonte spielte nie in einer romantischen Komödie mit Marilyn Monroe, Lena Horne nie gemeinsam in einem Musical mit Gene Kelly.

Im TV-Himmel galten dieselben Gebote. Selbst Latinos waren in Intimszenen ein Stolperstein: CBS-Programmleiter stritten sich, ob der Kubaner Desi Arnaz den Ehemann von Lucille Ball in der Comedy-Serie «I Love Lucy» spielen sollte. Das war umso verwunderlicher, als dass Arnaz und Ball im richtigen Leben bereits seit zehn Jahren verheiratet waren.

Der Grund für diese Haltung ist offensichtlich. «Es ist Rassismus», so Autor Charles Taylor auf salon.com, «ganz einfach. Vielleicht ist eine solche Haltung verbunden mit der Angst eines Geschäftführers, das Publikum könnte wegen einer schwarz-weissen Paarung befremdet werden. Doch eine Entscheidung, die rassistischen Ressentiments nachgibt, ist selbst als rassistisch zu bezeichnen.»

Die neue Selbstverständlichkeit

Im Verlauf der Sechzigerjahre schienen sich – allmählich – die Werte zu verändern. Gross war der Schock des «Star Trek»-Publikums 1966, als Captain Kirk – ein weisser Mann – und Lieutenant Uhura – eine schwarze Frau – sich küssten, nachdem sie im All von einem fremden Virus willenlos gemacht wurden (im aktuellen «Star Trek»-Film werden Kirk und Uhura auch wieder intim - 20 Minuten Online berichtete). Im 1967er Kinofilm «Guess Who's Coming to Dinner» war das brave Mittelschicht-Ehepaar Katharine Hepburn und Spencer Tracy mit einer Tochter konfrontiert, die ihnen ihren afroamerikanischen Ehemann Sidney Poitier vorstellte.

Anfangs der Neunzigerjahre schien das Tabu tatsächlich überwunden. In «The Bodyguard» (1992) geht es um vieles - sexuelle Anziehung, Liebe und auch um äussere Umstände, die eine Beziehung zwischen einem Megastar und ihrem gutaussenden Leibwächter letztendlich unmöglich machen. Nur nicht darum, dass Whitney Houston und Kevin Costner verschiedene Hautfarben haben. In «The Lost World: Jurassic Park» (1997) wird die Tatsache, dass Jeff Goldblum eine schwarze Tochter hat, gar nicht thematisiert. Es wird als Selbstverständlichkeit dargestellt.

Den Spiess umgekehrt

2005 war der alte Dünkel bei der romantischen Komödie «Hitch» wieder aktuell - trotz aller bisherigen Fortschritte. Eine weisse Frau als Schwarm von Will Smith sei zu kontrovers, argumentierten die Filmproduzenten, die wohl bereits ihre fetten Gewinne dahinschmelzen sahen. Eine afroamerikanische Frau hingegen würde den Streifen automatisch als «black film» definieren, was ein bedeutend kleineres Kinopublikum bedeutete. Man einigte sich auf Eva Mendes, eine wunderschöne karamellfarbene Latina, welche Weiss wie Schwarz gleichermassen ansprechen würde.

Inzwischen kommt der Publikumswiderstand gegenüber gemischtrassigen Filmpaaren von der schwarzen Bevölkerung Amerikas. Genauer: von afroamerikanischen Frauen. Letztere protestierten, Denzel Washington habe sie betrogen, als er in «He Got Game» (1998) mit Milla Jovovich ins Bett ging. Interessanterweise störte es niemanden, als Washington 1991 in «Mississippi Masala» mit Bollywoodstar Sarita Choudhury sexy Liebesszenen hatte.

«ER»-Schauspieler Eriq LaSalle störte sich daran, dass die einzige funktionierende Beziehung, die sein Charakter im Verlauf der Serie hatte, ausgerechnet mit einer weissen Ärztin war: «Wenn das einzige Mal, dass man eine ausgewogene Beziehung zeigt, ausgerechnet in einer gemischtrassigen Beziehung ist, dann verkündet dies eine Message – ob bewusst oder unbewusst – bei der mir gar nicht wohl ist.»

Wohl nicht umsonst wurden beim 2005er Remake von «Guess Who's Coming to Dinner» die Rollen umgekehrt: Der afroamerikanische Vater (gespielt von Bernie Mac) hat grosse Mühe damit, dass seine Tochter (Zoe Soldana) einen weissen Ehemann (Ashton Kutcher) hat. Das ergibt unterhaltsame Comedy – und auch eine akkurate Gradmessung der Rassenbefindlichkeit Amerikas.

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