Aktualisiert 30.11.2011 18:42

Carnage

Wenn sich Eltern wie Kinder streiten

Kleiner Film, grosses Kino: Die brillante Echtzeit-Gesellschaftskomödie von Roman Polanski wartet mit schauspielerischen Bestleistungen auf.

Wenn Könner am Werk sind, dann lässt sich selbst mit ­geringsten Mitteln und auf kleinstem Raum bestes Kino erschaffen. Roman Polanskis kurzweilige Verfilmung eines Vier-Personen-Theaterstücks von Yasmina Reza, das nota­bene am 2. Dezember 2006 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt wurde, funktioniert gar noch besser als auf der Bühne. Die Ausgangsidee spricht insbesondere Eltern aus der Seele: Zwei Jungs ­streiten sich beim Spielen, ­wobei einer dem anderen zwei Zähne ausschlägt. Die Eltern des ­«Opfers», Penelope und Michael (Jodie Foster/John C. Reilly) haben die Eltern des «Übeltäters», Nancy und Alan (Kate Winslet/Christoph Waltz), eingeladen, um den Vorfall wie vernünftige Menschen zu klären. Was als friedlicher Austausch über Zivili­sation, Gewalt und die Grenzen der Verantwortlichkeit ­beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem Streit voller ­Widersprüche und grotesker Vorurteile. Schliesslich platzt die dünne Haut der bürger­lichen Kultiviertheit: Vier Erwachsene verlieren die Fassung, vergessen ihre Kinderstube, missachten Anstandsregeln und geben zu er­kennen, dass sie insgeheim einen «Gott des Gemetzels» anbeten.

Roman Polanskis präzis beobachtende Inszenierung in Echtzeit sorgt für eine Nähe und Dramatik, der man sich nur schwer entziehen kann. Der klar begrenzte Handlungsspielraum einer (in Frankreich nachgebauten) New Yorker Wohnung verstärkt die beklemmende Atmosphäre. Die handverlesene Rollenbesetzung macht sich bezahlt: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz («Inglourious ­Basterds») und John C. Reilly ­(«Cyrus») sind allesamt Könner ihres Faches. Da sitzt jeder Dialog – und trotz ernster ­Thematik ist man mehr am ­Lachen als am Weinen. Ein «Reduce to the max»-Movie par excellence.

(20 Minuten)

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