Aktualisiert 13.07.2014 14:44

Konzert im Wembley

Wenn sich Eminem den Ritterschlag selbst gibt

Eigentlich wollte der US-Rapper im Hyde Park spielen, doch dort war er nicht erwünscht. Deshalb füllte Eminem eben zweimal das Wembley-Stadion in London. 20 Minuten war vor Ort.

von
Monika Rufener

Ein zweimal gefülltes Wembley-Stadion, eine reduzierte Show, ein Gastauftritt von Dr. Dre und ekstatische 80'000 Zuschauer: Eminem zeigt dieses Wochendende in London, dass Slim Shady so was von back ist.

Doch beginnen wir von vorn. Eminem, der Hip-Hop-Star der Nullerjahre schlechthin, wollte ursprünglich im ehrwürdigen Londoner Hyde Park mit dem britischen Publikum seine Rückkehr feiern. Doch das Hyde-Park-Gremium machte dem 41-Jährigen mit der Begründung, die Texte des Rappers seien zu anstössig, einen Strich durch die Rechnung. Die Absage stachelte Slim Shady erst recht zu einem Gegenbeweis an, sein Ziel: Gleich zweimal hintereinander das über 80'000 Menschen fassende Wembley-Stadion zu füllen - und dies sei vorweg gesagt: Er schaffte es auch.

Am Freitagabend wurden bereits um 17 Uhr die Türen des Wembley-Stadions geöffnet, das Publikum tröpfelte, meist schon ziemlich angetrunken, aber wohlgeordnet ins Stadion. Nach zwei Vor-Acts stürmte der 41-Jährigen dann mit grauem Hoodie und kurzen schwarzen Trainershorts die Bühne und gab zu Beginn gleich einige seiner neusten Songs des im Jahr 2013 erschienen Album «The Marshall Mathers LP 2» zum besten.

Dr. Dre gibt Marshall die Ehre

Eminem hatte das Publikum von Beginn an in der Tasche und angelte sich souverän von einer Hit-Liane zur nächsten. Die Bühnenshow war äusserst reduziert, so, wie man es sich schon fast nicht mehr gewohnt ist. Doch mehr brauchte Eminem auch gar nicht. Eine aufwändige Bühnenshow hätte ob der Bühnenpräsenz und des Hitfeuerwerks des Rappers wohl nur zur totalen Überreizung des Publikums geführt.

Auf der relativ kleinen Bühne standen lediglich knapp eine Handvoll Leute: eine Sängerin, ein Backup-MC und natürlich Marshall Mathers. Doch eine Person traute sich die kleine Runde zu stören. Eminem-Entdecker und Ziehvater Dr. Dre gesellte sich schon früh für ein paar Songs zu der kleinen Gruppe, was die Zuschauer mit lautem Gekreische und Mitrappen goutierte.

Nach zwei Stunden Konzert ging das Publikum nicht weniger betrunken und wohl geordnet als zu Beginn, dafür umso euphorischer, auf den Heimweg. Obwohl es nach dem Konzert einige Reklamationen wegen der schlechten Soundqualität im Wembley gab: Mit dem Auftritt im ausverkauften Londoner Stadion hat es Eminem nicht nur dem Hyde-Park-Gremium, sondern auch über 80'000 Zuschauern und wahrscheinlich der ganzen Welt gezeigt, was für ein hervorragender Künstler er ist.

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