Aktualisiert 18.04.2014 13:43

Absurde GesetzeWenn sich für Frauen das Arbeiten nicht lohnt

Mütter, die mehr arbeiten wollen, haben am Ende oft weniger Geld in der Tasche. Eine Studie kommt zum Schluss, dass sich die Kantone zu wenig um dieses Problem kümmern.

von
Camilla Alabor
Würde Sie gerne mehr arbeiten? In vielen Fällen lohnt sich das für Frauen nicht  weil der Mehrverdienst von den höheren Steuern wieder aufgefressen wird.

Würde Sie gerne mehr arbeiten? In vielen Fällen lohnt sich das für Frauen nicht weil der Mehrverdienst von den höheren Steuern wieder aufgefressen wird.

In der Schweiz arbeiten im Vergleich zum Ausland relativ wenige Mütter. Und diejenigen, die es tun, arbeiten meist nur Teilzeit. Mit ein Grund dafür ist, dass es sich für sie oft nicht lohnt, ihr Pensum aufzustocken: Wenn die Frauen mehr verdienen, haben sie am Schluss nicht selten weniger Geld in der Tasche. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Steuern höher ausfallen als der zusätzlich verdiente Lohn, oder wenn die Krippen- und Krankenkassenverbilligungen wegfallen.

Die Kantone hätten die Möglichkeit, mit der Revision der Steuer- oder Sozialgesetze solchen Ungleichheiten ein Ende zu setzen. Nur geschieht das selten. Das zeigt eine Studie des Schweizer Nationalfonds, die vom Luzerner Politikwissenschaftler Andreas Balthasar geleitet wurde. Er hat untersucht, wie oft die kantonalen Verwaltungen Studien zu Rate ziehen, die Forschende zu diesem Thema publiziert haben.

«Wirtschaftlich problematisch»

Das Ergebnis: Nur gerade bei sieben von 60 untersuchten Gesetzesänderungen konsultierten die Verantwortlichen externe Gutachter. Und lediglich in der Hälfte der Fälle stützten sie sich auf wissenschaftliche Studien, die zeigen, welche Arbeitsanreize eine Gesetzesänderung zur Folge hat. «Das ist nicht nur aus gleichstellungspolitischer Sicht problematisch, sondern macht auch wirtschaftlich und demografisch keinen Sinn», kommentiert Balthasar den Befund.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Masseneinwanderungsinitiative – und der voraussichtlichen Begrenzung ausländischer Arbeitskräfte – müssten die Kantone ein Interesse daran haben, das vorhandene Potenzial an inländischen Fachkräften auszuschöpfen. Der Politikwissenschaftler kommt zum Schluss: «Die Kantone achten zu wenig darauf, dass es sich für Frauen lohnt arbeiten zu gehen.»

Nicht das Spezialgebiet der Gleichstellungsbüros

Warum aber besteht das Problem, das seit Jahren beklagt wird, heute noch immer? Laut Balthasar liegt es nicht nur daran, dass bei Gesetzesrevisionen zu wenig Gleichstellungsexperten mitreden. Sondern es fehle bei den Gleichstellungsbüros auch an Leuten, die sich mit Steuergesetzen auskennen würden. «Sie befassen sich eher mit Fragen zur Lohngleichheit oder sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz.» Dazu komme, dass die Kantone im Moment sparen müssten – «die Gleichstellungsbüros fallen dem Spardruck oft als Erstes zum Opfer».

Der Präsident der Finanzdirektorenkonferenz, Peter Hegglin, ist hingegen der Meinung, die Kantone hätten bereits viel unternommen, damit Frauen Beruf und Familie besser unter einen Hut bringen können. «Auch im Bereich der Gleichstellung haben wir einiges erreicht.» So verdienten Männer und Frauen, die für den Kanton arbeiteten, schon lange genau gleich viel; und auch die Karrieremöglichkeiten seien für beide Geschlechter dieselben.

Politiker haben das letzte Wort

Bei den Kantonen sei das Bewusstsein dafür, dass es weitere Schritte brauche, durchaus vorhanden, so Hegglin. «Doch am Ende entscheiden die Politiker und nicht die Verwaltungen über die Revision der Gesetze.» Zudem sei es schwierig, bei einer Revision die Auswirkung für jede Familienkonstellation zu berechnen und damit allen Familienformen gerecht zu werden. Generelle Massnahmen hält Hegglin nicht für angebracht: «Jeder Kanton muss für sich entscheiden, welche weiteren Schritte nötig sind.»

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