Julie Gayet : Wenn sie nur Hollandes grösstes Problem wäre

Aktualisiert

Julie Gayet Wenn sie nur Hollandes grösstes Problem wäre

Alle Welt redet über die Affäre des französischen Präsidenten mit der Schauspielerin Julie Gayet. Schwanger soll sie auch noch sein. François Hollande aber hat ganz andere Sorgen.

von
Ann Guenter

Der französische Präsident hat viele Probleme. Erst flog seine Affäre mit der Schauspielerin Julie Gayet vor der ganzen Grande Nation auf. Dann beendete er seine langjährige Beziehung mit Valérie Trierweiler. Und jetzt soll Gayet auch noch schwanger sein von François Hollande. Zumindest wenn man dem Gerücht glaubt, das über Twitter von der Newsseite «Le Réel» verbreitet wurde. Das Portal hat den Tweet mittlerweile gelöscht und erklärt, dass der Twitter-Account gehackt worden sei.

Doch die Gerüchte überschlagen sich weiter: Im vierten Monat soll die Schauspielerin sein, heisst es. Da nützt es wenig, dass Gayet selbst bereits vor zwei Wochen eine Schwangerschaft dementierte.

Hollande hüllt sich in Schweigen. Eigentlich hat er ja auch wirklich andere Probleme, ganz echte und reale. Kein Präsident war so unbeliebt wie er – und das immerhin seit 1958. Daran ist nicht zuletzt die siechende Wirtschaft Schuld.

Staat ist «verfettet»

Zu François Hollandes Verteidigung muss man sagen: Die französische Volkswirtschaft kränkelt bereits seit Jahren, nicht erst seit der sozalistische Präsident am Ruder ist. Die Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkte diese Negativtendenz noch – so weit, dass manche Frankreich bereits als «neuen kranken Mann Europas» bezeichnen. Auch Frank Baaser, Direktor des deutsch-französischen Instituts Ludwigsburg, benutzt das Wort «besorgniserregend», wenn es um Frankreichs Wirtschaft geht.

Die grossen Problemfelder unseres Nachbarn: Frankreichs Unternehmen sind mit ihren hohen Arbeitskosten wenig wettbewerbsfähig. Dass Hollande seine Wahlversprechen einhielt und Firmen mit hohen Steuern belegte, machte die Sache nicht besser. Dazu wird mehr importiert als exportiert. So können keine neue Stellen geschaffen werden. Die von der Regierung angepriesenen Arbeitsbeschaffungsprogramme bekämpfen Symptome, ohne Strukturprobleme anzugehen.

«Die Unternehmen müssen wettbewerbsfähiger werden und der verfettete Staat abspecken. Das weiss Hollande auch. Und doch hat er einige heilige Kühe bisher nicht zu schlachten gewagt», sagt Frankreich-Experte Baasner. Dazu gehörten die grosszügige Arbeitslosenvorsorge und das komfortable Krankenversicherungssystem, das jährlich ein Defizit von zehn Milliarden Euro aufweist.

«Pudding» macht seinem Namen alle Ehre

Da es so nicht weitergehen kann, gibt sich Sozialist Hollande neuerdings marktorientiert. Der «Pudding», wie ihn seine Landsleute auch nennen, machte damit seinem Namen alle Ehre. Denn jetzt will er Unternehmen wieder von Abgaben befreien und sie so um bis 30 Milliarden Euro entlasten. «Ich bin gespannt, wie Hollande das schaffen will, denn irgendwo muss dieses Geld dann ja auch wieder eingespart werden», so Baasner.

Alles aber macht Monsieur Le Président nicht falsch. Mit seiner Rentenreform hat er die Beitragsjahre erhöhen können, ohne dass der nationale Zorn ihn traf. Und auch die Territorialreform, die bereits Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy angegangen hatte, setzt er fort. In diesem Zusammenhang spricht Experte Baasner von «exzessivem Zentralismus der Franzosen» – und von einer überfälligen Gebietsreform. 36'681 Kommunen, die ungeheure Verwaltungskosten generieren und jede wirtschaftsregionale Dynamik lähmen. Eine Zusammenlegung dürfte die Gebietsentwicklung entscheidend modernisieren. «Und ein paar Bürgermeister weniger, das dürfte sich nur wohltuend auf die aufgeblähten Kosten auswirken.»

«Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass»

«Die Richtung, die Hollande mit seinen Reformen und Reförmchen einschlägt, stimmt grundsätzlich. Und auch die Franzosen haben begriffen, dass es Veränderungen im Land braucht», resümiert Baasner. Wieso aber geht Hollande dann so zögerlich vor, wieso gibt er angesichts des anhaltenden Rückgangs der Wettbewerbsfähigkeit und gedämpfter Wachstumsaussichten nicht noch mehr Gas?

«Hauruck-Reformen etwa bei der Arbeitslosenvorsorge oder Krankenversicherung wagt er nicht durchzusetzen», sagt Baasner. «Denn dann riskiert er das, was er bislang vermeiden konnte: nämlich dass das Land von lähmenden Streikfronten erfasst wird.»

Kein Wunder, kommt der ohnehin zaudernde Hollande mit seinem Programm nur im Schneckentempo voran: Seine Landsleute wollen Reformen nur dann, wenn diese sie selbst möglichst wenig betreffen. Oder, wie Frankreich-Experte Baasner es ausdrückt: «Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.»

Kein französisches Hartz IV

Ein geheimes Treffen zwischen dem deutschen Arbeitsmarktreformer Peter Hartz und dem französischen Präsidenten irritiert Frankreich. Der Élysée-Palast bestätigte jetzt ein «informelles Gespräch» der beiden Männer vor zwei Monaten. Hartz sei aber kein Berater Hollandes und solle dies auch nicht werden, stellte das Präsidialamt klar. Es widersprach damit Informationen wonach der frühere VW-Personalvorstand Hartz Präsident Hollande wie früher SPD-Kanzler Gerhard Schröder bei Sozialreformen beraten solle.

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