Aktualisiert 11.11.2011 18:43

Der Geldgeber bestimmt

Wenn Stadien ihre Namen verlieren

Davor graut jedem traditionsbewussten Fan: Die Heimstätte seines Vereins trägt plötzlich den Namen des Sponsors. Nun muss der legendäre St. James' Park in Newcastle dranglauben.

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Volksparkstadion, Westfalenstadion, Neckarstadion - immer mehr altehrwürdige Fussballstadien erhalten von heute auf morgen völlig neue Namen. Es sind die Namen von Sponsoren, die tief in die Taschen greifen um ihre Marke in jeder Liveübertragung zu hören und in jedem Matchbericht zu lesen.

Die neueste Umbenennung kommt aus England: Newcastle United wird nach 119 Jahren nicht mehr im St. James' Park spielen. Die Arena im Herzen Newcastles trägt ab sofort den Namen «Sports Direct Arena». Damit erhält erstmals ein bestehendes Stadion eines englischen Top-Klubs einen Sponsorennamen.

Für den englischen Traditionsverein kam die neue Bezeichnung aber keineswegs überraschend. Bereits in der Saison 2009/2010 hat Mike Ashley, Klub-Besitzer von Newcastle United, dem Stadion für kurze Zeit einen anderen Namen verpasst. Der St. James Park hiess während einer Spielzeit «sportsdirect.com@StJames'Park». Ashley ist Besitzer der Firma «Sports Direct».

Köder für neue Geldgeber

Der erneute Namenswechsel sei wiederum eine temporäre Massnahme – bis ein neuer Interessent und Geldgeber gefunden sei, wie der «Kickers» schreibt. Das Ziel soll sein, anderen Unternehmen einen Sponsorendeal inklusive eines neuen Stadionnamens schmackhaft zu machen. Was 2009/2010 scheiterte, soll nun endlich klappen. Und nach dem verheissungsvollen Start in die Meisterschaft – Newcastle steht auf dem dritten Rang der Premier League – stehen die Chancen gut. Eine erneute Rückbenennung ist nicht geplant.

Während man sich in der Premier League schwer tut, ist der Verkauf von Namensrechten bei Stadien in der Bundesliga enorm verbreitet. Heute tragen nur noch vier Stadien ihren ursprünglichen Namen: Das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern, das Weserstadion in Bremen, das Olympiastadion in Berlin und die Rhein-Neckar-Arena in Hoffenheim bilden die absolute Ausnahme in Deutschland. Neu gehen die Fans in die «Imtech Arena» (Hamburg), den «Signal Iduna Park» (Dortmund) oder die «Mercedes-Benz Arena» (Stuttgart). In der zweiten Bundesliga haben sich zwei äusserst kuriose Namen durchgesetzt: Die «Schauinsland-Reisen-Arena» in Duisburg und die «Trolli

Arena» der Spielvereinigung Greuther Fürth muten zum Lachen an. Auch Österreich hält munter mit. In Ried gibt es eine «Keine-Sorgen-Arena» und in Innsbruck gehen die Fans wöchentlich in das «Tirol Milch Stadion» am Tivoli.

Union Berlin wehrt sich gegen den Trend

Während viele Klubs in Deutschland ihre Stadionnamen verscherbeln und damit ihre Identität ein Stück weit verlieren, kämpft Union Berlin für sein Zuhause. Die Klubleitung dachte erst an einen Verkauf des Namens, um den Umbau des Stadions zu finanzieren. Die «Alte Försterei» soll nun aber den 1920 ausgesuchten Namen behalten. Dirk Zingler, Präsident von Union, hat dies gegenüber «Spiegel Online» bestätigt. «Das ist die Alte Försterei, und die wird nie die Hakle-Feucht-Arena sein.»

Der Tabellensiebte der zweiten Bundesliga setzt aber ab dem 1. Dezember noch einen drauf. Unter Klubchef Zingler verkauft Union Aktien - die Fans sollen davon profitieren. Bald können die Anhänger Teilhaber des Vereins werden. Damit will man den Bau der neuen Tribüne finanzieren. Mehr nicht. Jedes Mitglied kann maximal zehn Aktien erwerben. Damit soll verhindert werden, dass einzelne Investoren einen Grossteil der Anteile horten.

Sechs der zwölf Eishockey-Stadien umbenannt

In der Schweiz gibt es auch immer mehr Vereine, die den Stadionnamen einem Sponsor verkaufen. Angefangen hat es mit dem «Stade de Suisse» in Bern. Danach folgte die «AFG-Arena» in St. Gallen. Und diesem Jahr stiessen mit Luzern und Thun zwei weitere Stadien dazu. Der FCL spielt seit dem Neubau seiner Spielstätte nicht mehr in der Allmend, sondern in der «swissporarena». Auch der FC Thun hat den Neubau dazu genutzt, den Namen seines Stadions zu ändern. Die Berner Oberländer spielen seit diesem Sommer in der «Arena Thun». Auch im Eishockey hat ein solcher Wandel Einzug gehalten. Mit Fribourg, Kloten, Davos, Zug, Bern und den Lakers haben sechs der zwölf Teams der National League den Namen ihrer Spielstätten «verkauft».

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