Basel: «Wenn Stau Menschenleben rettet, muss man ihn in Kauf nehmen»
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Basel«Wenn Stau Menschenleben rettet, muss man ihn in Kauf nehmen»

Nach dem tödlichen Velo-Unfall beim Luzernerring in Basel wurden Lösungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit überprüft. Jetzt ist eine da – doch die Regierung zögert.  

von
Vanessa Travasci
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Pro Velo beider Basel verlangt eine sofortige velofreundliche Behebung der Fehlplanung an der Kreuzung Luzernerring/Burgfelderstrasse in Basel. Letztes Jahr verstarb an besagter Stelle eine 50-jährige Velofahrerin nach Zusammenprall mit einem Lastwagen. 

Pro Velo beider Basel verlangt eine sofortige velofreundliche Behebung der Fehlplanung an der Kreuzung Luzernerring/Burgfelderstrasse in Basel. Letztes Jahr verstarb an besagter Stelle eine 50-jährige Velofahrerin nach Zusammenprall mit einem Lastwagen. 

Pro Velo Beider-Basel
Direkt nach dem tödlichen Verkehrsunfall forderte der Basler Velo-Verband umgehend Verbesserung und schrieb die zuständigen Departementsvorsteherinnen Esther Keller und Stephanie Eymann direkt an.

Direkt nach dem tödlichen Verkehrsunfall forderte der Basler Velo-Verband umgehend Verbesserung und schrieb die zuständigen Departementsvorsteherinnen Esther Keller und Stephanie Eymann direkt an.

20min/Steve Last
Der Kanton wollte aber keine Sofortmassnahmen ergreifen, sondern liess ein externes Verkehrsgutachten erstellen. Hier sieht man unten links den Fahrradstreifen. Gegenüber der Kreuzung, rechts im Bild, verschwindet dieser und eine Bushaltestelle folgt. 

Der Kanton wollte aber keine Sofortmassnahmen ergreifen, sondern liess ein externes Verkehrsgutachten erstellen. Hier sieht man unten links den Fahrradstreifen. Gegenüber der Kreuzung, rechts im Bild, verschwindet dieser und eine Bushaltestelle folgt. 

google maps

Darum gehts

Die Kreuzung Luzernerring/Burgfelderstrasse und dessen mangelnde Sicherheit für Fahrradfahrer wird von Pro Velo beider Basel schon lange kritisiert. Im April 2021 starb eine 50-Jährige Velofahrerin an besagter Stelle bei einem Zusammenstoss mit einem Lastwagen. An der Kreuzung änderte sich seither nichts. Nun verlangte der Verband in einem offenen Brief an die Regierung mit entsprechender Medienmitteilung vom Montag dieser Woche, eine sofortige Behebung der Fehlplanung an besagter Kreuzung. «Schon seit Jahren nehmen die Basler Behörden da Unfälle in Kauf. Seit Jahren waren wir immer wieder deswegen im Gespräch. Nach vielen Abklärungen fordern wir Handeln», sagt Geschäftsführer Roland Chrétien von Pro Velo beider Basel gegenüber 20 Minuten. 

Der Vorschlag des Verbands für die Interessen der Velofahrenden ist die «Vorzugsvariante». Diese sieht einen  durchgehenden rechten Streifen für Fahrradfahrer, Busse und Rechtsabbiegende vor. Dies in Fahrtrichtung zur Flughafenstrasse, denn genau da liegt das Problem. Nach dem Lichtsignal hört der Fahrradstreifen einfach auf. Velofahrerinnen und Velofahrer, welche geradeaus fahren, müssen sich auf der anderen Seite der Kreuzung  mit Motorfahrzeugen in der gleichen Spur einreihen und werden so teils abgedrängt. Schon mehrmals sei es so zu Verkehrsunfällen gekommen. Im letzten Jahr endete einer tödlich. 

Hat die Regierung Angst vor Stau? 

«Bereits im April 2021 verlangten wir umgehend Verbesserung, wie ein durchgehender Velostreifen und sichere Aufstellflächen für Velos vor den Ampeln», so Chrétien. Die Regierung hätte keine Sofortmassnahmen ergreifen wollen, sondern zunächst ein externes Verkehrsgutachten erstellen lassen. Dieses ist nun seit März 2022 da – und der Vorschlag von Pro Velo beider Basel sei theoretisch möglich. 

«Warum die Regierung noch immer zuwartet ist schwierig zu sagen», sagt der Geschäftsführer von Pro Velo. Beim externen Gutachten habe sich gezeigt, dass sich die bereits existierende Verkehrsüberlastung für den motovisierten Verkehr zuspitzen würde, sprich, es zu mehr Stau und Wartezeiten kommen kann, wenn der rechte Fahrstreifen unter anderem für Velofahrende reserviert wird.

«Es gab in der Vergangenheit eine bereits ähnliche Situation im Gundeli. Der dort erwartete Verkehrszusammenbruch blieb aus. Auch hätten die Menschen jetzt Zeit, sich an eine neue Verkehrsordnung beim Luzernerring zu gewöhnen, da seit Corona noch immer weniger Verkehr auf den Strassen ist», entgegnet Chrétien von Pro Velo. In dessen Medienmitteilung heisst es zum Schluss:  «Stau zu Spitzenzeiten, der Menschenleben rettet, wäre aber in Kauf zu nehmen. Die Behörden müssen handeln, bevor weitere Unfälle passieren.»  

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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