Hilfe für Erziehende: Wenn Teenies die Eltern in den Wahnsinn treiben
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Hilfe für ErziehendeWenn Teenies die Eltern in den Wahnsinn treiben

Pro Juventute und der Eltern Club Schweiz wollen mit einer Kampagne auf die Probleme von Eltern mit ihren pubertierenden Kindern aufmerksam machen.

von
aeg

Die Pubertät ist nicht nur für Teenager eine Herausforderung. Auch Eltern gelangen bei der Erziehung oft an ihre Grenzen. Mit einer schweizweiten Kampagne greifen Pro Juventute und der Eltern Club Schweiz das Tabuthema Überorderung auf und zeigen, wo Eltern Hilfe finden können.

Leistungsdruck, Jugendverschuldung oder Cyber-Belästigung: Bei der Erziehung ihrer Teenager seien Eltern heute mit neuen Problemen konfrontiert, die sie nicht aus der eigenen Jugend kennen, heisst es in einer Mitteilung von Pro Juventute vom Mittwoch. Dass Eltern dabei an ihren Grenzen gelangten, sei aber in der Schweiz ein Tabuthema.

Erfahrungen im ersten Jahr des Eltern Clubs Schweiz zeigten, dass Eltern sich oft scheuten, über ihre Unsicherheiten zu reden, stellt Stephan Oetiker, Präsident der Pro Juventute und des Elternclubs Schweiz, fest. Während frisch gebackene Eltern sich nicht schämten, Hilfe zu holen, wenn etwa das Baby die ganze Nacht schreit, seien Erziehungsprobleme von Kindern in der Pubertät ein Tabuthema.

Tabus aufbrechen

Die nationale Kampagne zur Pubertät soll dieses Tabu aufbrechen. Ziel sei, die Bevölkerung für die Herausforderungen von Eltern zu sensibilisieren und Eltern aufzuzeigen, wo sie Hilfe finden, heisst es in der Mitteilung. Pro Juventute wirbt dabei für das eigene Angebot des Eltern Clubs Schweiz.

Videoclips, Inserate, eine Facebook-Aktion sowie die Onlineplattform informieren Eltern über die Unterstützungsservices. Per Telefon erhalten Eltern zudem in der ganzen Schweiz dreisprachig rund um die Uhr Beratung. Fachartikel und Blog-Beiträge thematisieren die Erziehung in der Pubertät mit all ihren Tücken und zeigen Ideen auf, wie Eltern mit diesen umgehen können.

Laut Daniela Melone, Leiterin Beratung beim Eltern Club Schweiz, besteht heute in der Schweiz zunehmend die Tendenz, die perfekte Familie darstellen zu müssen. Das sei bedenklich. Es sei daher dringend nötig, dass die Bevölkerung für die Bedürfnisse von Eltern sensibilisiert werde.

Eltern nicht allein lassen

Viele Eltern gelangten an die Elternberatung, weil ihr Teenager Cyber-Mobbing ausgesetzt sei oder gar Suizidgedanken habe und sie nicht wüssten, wie sie helfen können. In der Schweiz befassten sich jährlich rund 100'000 Jugendliche ernsthaft mit Gedanken an die Selbstötung.

Neu seien aber auch Noten- und Leistungsdruck, Jugendverschuldung, Cyber-Belästigung wie Grooming (das gezielte Ansprechen von Personen im Internet mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte), die steigende Zahl von ADHS-Diagnosen oder Depressionen von Jugendlichen. Solche Probleme seien von Eltern oft nicht alleine zu bewältigen.

Appell an Arbeitgeber

Mit der Kampagene appellieren Pro Juventute und der Elternclub auch an die Arbeitgeber, ihre Mitarbeitenden im Elternsein zu unterstützen. Unternehmen seien auf gute Arbeitskräfte angewiesen, sagt Oetiker. Beruf und Familienleben unter einen Hut zu bringen, fordere von Eltern aber oft viel Energie.

«Kommen Herausforderungen in der Pubertät der Kinder dazu, ist das für Arbeitnehmer energieaufreibend.» Firmen, die in solchen Situationen unterstützend zur Seite stehen, leisteten einen unschätzbaren Beitrag an die betriebliche Gesundheit und damit an die Produktivität ihrer Mitarbeitenden. (aeg/sda)

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