Häusliche Gewalt: Wenn Tore fallen, wirds gefährlich
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Häusliche GewaltWenn Tore fallen, wirds gefährlich

Während Fussball-Endrunden nehmen die Fälle häuslicher Gewalt dramatisch zu. Das zeigt eine Studie aus England. Auch der Spielausgang fällt ins Gewicht – allerdings anders als erwartet.

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kri
Was wäre der Sport ohne Emotionen? Doch manchmal brennen den Fans auf dem Sofa die Sicherungen durch. (Symbolbild: Colourbox)

Was wäre der Sport ohne Emotionen? Doch manchmal brennen den Fans auf dem Sofa die Sicherungen durch. (Symbolbild: Colourbox)

Dass an Weihnachten und Silvester in Wohnzimmern häufig die Fetzen fliegen, ist bekannt. Doch offenbar gilt dasselbe auch für andere Zeiten, in denen die Emotionen hochkochen: Fussball-Endrunden. Nach der WM 2006 veröffentlichte das britische Innenministerium eine Studie, wonach während den England-Spielen die Fälle häuslicher Gewalt stark anstiegen.

Doch der Bericht hatte einen Schönheitsfehler: Er untersuchte nicht, wie sich der Ausgang eines Spiels auswirkt. Ein Professor und eine BBC-Journalistin haben sich die Zahlen noch einmal angeschaut – und Erstaunliches zu Tage gefördert.

Sieg oder Niederlage spielt keine Rolle

Professor Allan Brimicombe und BBC-Journalistin Rebecca Cafe besorgten sich für ihre Studie die Polizeidaten während der WM 2010 in Südafrika. Nach der deutlichen 1:4-Niederlage der Engländer gegen die Deutschen im Achtelfinal fanden sie erwartungsgemäss einen markanten Anstieg der (gemeldeten) Fälle häuslicher Gewalt von 31,5 Prozent.

Seltsamerweise hatte der 1:0-Sieg gegen Slowenien in der Gruppenphase aber ebenfalls zu einem Anstieg geführt: + 27,7 Prozent. Offenbar können sich auch vermeintlich positive Emotionen – die Freude über einen Sieg – in Gewalt entladen.

Alkohol verstärkt den Effekt

Die nächste Überraschung: Die beiden Unentschieden gegen die USA und Algerien hinterliessen in den Statistiken kaum Spuren. «Man hätte sich vorstellen können, dass Unentschieden zu Frustrationen führen, die am Partner ausgelassen werden; vielleicht werden Psychologen bestätigen, dass sie hingegen die Emotionen abtöten und zu Apathie führen», schreiben Brimicombe und Cafe.

Wie schon das britische Innenministerium 2006 feststellte, sind es nicht die Sportanlässe an sich, welche die Gewalt hervorrufen: «Die Aufregung, die Enttäuschung und das Adrenalin können bestehende Spannungen in einer Beziehung verstärken», hiess es dort. Schnell seien Nerven und Kontrolle verloren – vor allem wenn zusätzlich Alkohol im Spiel ist.

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