Aktualisiert 23.09.2011 15:09

Geparkte Anrufe Wenn uns das «bitte warten» krank macht

Von den 1,45 Jahren, die ein Mensch angeblich während seines Lebens telefoniert, verbringt er satte 140 Tage in einer Warteschleife. Das geht nicht spurlos an uns vorüber, wie eine britische Umfrage jetzt aufdeckte.

von
rre

Arme Call-Center-Angestellte: Ein deutscher Radiosender drehte den Spiess um und schickte die ahungslose Dame auf Verbindungs- und Warteschleifen-Reise. <br>(Quelle: YouTube.com/Hit Radio FFH)

Gibt es während eines Telefonats etwas Schlimmeres als «bitte warten»-Ansagen, grässliche Midi-Arrangements von Beethovens «Für Elise» oder nervtötendes Schlagergeträller? Kaum! Trotzdem erdulden wir das auditive Martyrium tapfer und ausdauernd.

Dass solche zeitraubenden Momente weitaus mehr sind als nur störend, will jetzt der britische Mobilfunkanbieter Giffgaff mittels Befragung von 2054 Erwachsenen herausgefunden haben. Dabei zeigte sich, dass uns das Ausharren in einer Telefon-Warteschleife schon nach sechs Minuten krank machen kann. Im Rahmen der Analyse kam man zum Schluss, dass Anrufer in solchen Momenten einem besonders hohem Mass an Stress ausgeliefert sind und der Blutdruck bedrohlich steigt. Die in Grossbritannien durchgeführte Analyse zeigte ausserdem, dass sich alleine während des vergangenen Monats mehr als die Hälfte aller Briten über das Warten in einer Call-Center-Leitung ärgerte.

Panflöte des Grauens

Ganze 64 Prozent beklagten sich insbesondere über das für Warteschleifen typische Gedudel, das den Kunden doch eigentlich unterhalten oder – gerade bei Reklamationsanfragen – besänftigen sollte. Als absoluter Supergau dürfen in diesem Zusammenhang Panflöten-Arrangements genannt werden, gefolgt von klassischer Musik und Naturgeräuschen. Vier von fünf Wartenden waren von der akustischen Untermalung derart genervt, dass sie sofort auflegten.

Dem britischen Mediziner Roger Henderson sind Stress-Symptome, die mit dem Warten in Call-Center-Leitungen verbunden sind, bekannt. Neben dem bereits erwähnten Bluthochdruck führt der Stress-Experte ausserdem Symptome wie Herzrasen, das Schwitzen der Handinnenflächen, sowie Kopfschmerzen auf das Ausharren am Telefon zurück.

«Wir leben in einer Welt, in der Zeit für viele Menschen das Wertvollste überhaupt ist», erläutert Henderson im Gespräch mit dem britischen Online-Dienst «dailymail.co.uk».

Wie belastend sich das In-Geduld-Üben auf die Befragten auswirkt, spiegelte sich auch in der Umfrage wider. So bekundete ein Drittel, sich während des Wartens in einer Call-Center-Schleife gestresst zu fühlen. Ganze 19 Prozent werden sogar richtig wütend und 16 Prozent fühlen sich vom Kundendienst der kontaktierten Firma nicht wertgeschätzt.

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