Playoff-Joker: Wenn Verteidiger Weber stürmt
Aktualisiert

Playoff-JokerWenn Verteidiger Weber stürmt

Yannick Weber hat in 49 NHL-Partien ein Tor erzielt, in 4 Playoffspielen hingegen bereits zwei Mal getroffen. Der Verteidiger ist Headcoach Jacques Martins Joker – und das im Sturm.

von
Jürg Federer
USA

Die Vorzeichen für ein Comeback im playoffverrückten Montreal standen schlecht für den Schweizer Verteidiger Yannick Weber. Seit genau einem Monat wurde der Schweizer in der Abwehr der Montreal Canadiens nicht mehr eingesetzt, nach Transfers von zwei defensiv spielenden Abwehrspielern und der Rückkehr von Starverteidiger Jaroslav Spacek war für Weber kein Platz mehr im Team der Montreal Canadiens. Acht Partien der Regular Season endeten für Weber da, wo die Saison für ihn begonnen hat: Auf der Pressetribüne, als sogenannter «healthy scratch», ein gesunder Spieler, der in Meisterschaftsspielen nicht eingesetzt wird.

«Als healthy scratch trainiert man natürlich mit dem Team mit aber man ist auch bei den Übungseinheiten nicht Teil der traditionellen Verteidigerpaare», erklärt Weber. «Es gibt auch im Training das spielende Roster, das wie in den Meisterschaftspartien aufgestellt wird und das wird durch die healthy scratches ergänzt.» Zum Saisonabschluss, als die Playoffqualifikation der Montreal Canadiens sichergestellt war, durfte Weber noch zwei Mal für die Montreal Canadiens antreten. Headcoach Jacques Martin setzte den Schweizer im vierten Sturm ein, einer Position, die Weber in seinem ganzen Leben erst zwei Mal gespielt hatte – im November des letzten Jahres: «Ich wusste damals wirklich nicht, was ich tun sollte», so Weber zu einer Spielposition, die er in seinem ganzen Leben nur aus der verteidigenden Rolle kannte.

Headcoach Martin: «Ich wusste, dass mir Weber von Nutzen ist. Spätestens nachdem ich Yannick zum Saisonabschluss noch einmal im Sturm spielen sah, war mir klar, dass ich ihn über kurz oder lang werde brauchen können.» Als sich Montreal-Stürmer Andrei Kostitsyn im ersten Playoffspiel gegen die Boston Bruins verletzt hat, sah Martin die Chance, Weber im dritten Sturm der Montreal Canadiens einzusetzen. «Es war ein spezieller Auftrag für mich», gibt Weber zu. «Ich habe erst am Spieltag erfahren, dass mich der Headcoach im Sturm einsetzen will. Doch wenn man für ein Playoffspiel von dieser Bedeutung ein Aufgebot erhält, dann stellt man keine Fragen und erfüllt den Auftrag.»

«Eine grossartige Leistung»

Weber spielte während gut zehn Minuten an der Seite von Lars Eller und Tom Pyatt und er spielte von Beginn weg sehr gut. Webers physische Präsenz fehlte in den bisherigen 49 NHL-Partien seiner Karriere oftmals. Nicht so in dieser Partie. Er teilte kernige Checks aus und erfüllte den Auftrag der dritten Linie, den Gegner mit aufsässigem Forechecking früh zu stören, mit grossem Engagement und zur Zufriedenheit des Coaches. Mehr hat der Übungsleiter von Weber nicht erwartet. Wer seit einem Monat nicht mehr zum Stammkader des Teams gehört und dann während nur zehn Minuten als Ergänzungsstürmer eingesetzt wird, tut alles richtig, wenn er nicht auffällt. Doch Weber lieferte dem Coach mehr. In der 18. Spielminute des zweiten Drittels erzielte er das letzte und den Sieg sichernde Tor zum 3:1-Erfolg für die Montreal Canadiens und zur 2:0-Führung in der Serie der beiden ewigen Rivalen Boston und Montreal.

Im vierten Playoffspiel seiner dreijährigen NHL-Kariere hat Yannick Weber bereits sein 2. Tor erzielt, zuvor hat er in 49 Spielen als Verteidiger nur ein Mal getroffen. Das hat auch Jacques Martin nicht erwartet. Er rühmt die Leistung von Weber in allen Tönen: «Weber hat eine grossartige Leistung gezeigt. Sehen Sie, ich habe gewusst, dass ich Yannick im Verlauf der Saison noch werde brauchen können. Einfach nicht in der Verteidigung», gibt Martin zu, «die Verteidigung ist im Moment bei uns zu gut besetzt. Aber im Sturm hat er uns am Samstag wirklich grossartig geholfen.» Yannick Weber hat sich vom Reservespieler zum Playoffjoker der Montreal Canadiens gemausert und dabei hat er seinen Coach nicht nur überzeugt sondern positiv überrascht.

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