Entscheid zur ID-Pflicht - «Wenn wir die gewalttätigen Fans fernhalten können, ist das Ziel erreicht»
Publiziert

Entscheid zur ID-Pflicht«Wenn wir die gewalttätigen Fans fernhalten können, ist das Ziel erreicht»

Die ID-Pflicht soll ab nächster Saison eingeführt werden, das hat die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) entschieden. Paul Winiker, Mitglied der KKJPD, nimmt gegenüber 20 Minuten Stellung.

von
Nils Hänggi
Adrian Hunziker

Die Ausschreitungen nach dem Zürcher Derby schreckten auf.

20 Minuten

Darum gehts

  • Die ID-Pflicht soll ab nächster Saison für Ruhe in der Super League sorgen

  • Paul Winiker, Mitglied der KKJPD, erklärt, weshalb man diesen Entscheid fällte.

  • Der Luzerner Regierungsrat ist überzeugt, dass so die Gewalt aus den Stadien verschwindet.

Wie kam es zu diesem Entscheid?

Diese Massnahme ist bereits im revidierten Hooligan-Konkordat enthalten. Die jüngsten Vorfälle haben gezeigt, dass die Gewaltproblematik rund um die Fussballspiele nach wie vor ungelöst ist. Die KKJPD hat diesen Vorschlag der kantonalen Polizeidirektoren einstimmig zuhanden der Bewilligungsbehörden verabschiedet.

Betrifft dieser auch die Challenge League?

Nein, es geht hier ab der Saison 2022/2023 um die Spiele der Super League.

Was hat das für Folgen? Werden so nicht die Kurven aus den Stadien gedrängt?

Wenn wir die gewalttätigen Fans fernhalten können, ist das Ziel erreicht.

Paul Winiker, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements des Kantons Luzern und Präsident der Arbeitsgruppe Bewilligungsbehörde für Clubs der Swiss Football League der KKJPD.

Paul Winiker, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements des Kantons Luzern und Präsident der Arbeitsgruppe Bewilligungsbehörde für Clubs der Swiss Football League der KKJPD.

Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern

Wird das Ausschreitungen wie beim Zürcher Derby verhindern?

Prognosen machen wir keine. Diese Massnahme soll dazu dienen, Gewalttaten im Stadion zu verhindern respektive die Ermittlung zu verbessern. Und sie wirkt andererseits präventiv, weil man kontrollieren kann, dass keine Leute mit Stadion- oder Rayonverbot ins Stadion kommen.

Wieso schliesst man nicht einfach die Gästesektoren?

Diese von der Liga ins Spiel gebrachte Variante «Schliessung der Gästesektoren» liegt im Ermessen des Verbandes und kann von diesem bei Bedarf beschlossen werden.

Clubs sträubten sich zuletzt gegen personalisierte Tickets. Hoffen Sie dennoch auf Unterstützung?

Wir wissen von dieser ablehnenden Haltung und haben deshalb eine Task Force unter der Leitung des KKJPD-Sekretariats eingesetzt, in der alle Anspruchsgruppen vertreten sind.

Sind Sie mit den Clubs in Kontakt? Wussten diese, dass Sie diesen Entscheid planen?

Über die Task Force, ja. Und wir stehen in engem Kontakt zur Swiss Football League.

Die Clubs sagen vorerst nichts

20 Minuten fragte Super-League-Clubs wegen der Einführung der ID-Pflicht an. Aber weder der FC Basel, YB, GC, FC Zürich, FC Luzern noch der FC St. Gallen wollten sich zur aktuellen Thematik äussern.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football, sagt gegenüber bluewin: «Wir wollen sichere Spiele, wir wollen sichere Stadien. Wir wollen, dass Familien und Kinder ohne Probleme in die Stadien kommen können. Falls wir dort zusätzliche Lösungen finden müssen, dann ist es wichtig, diese zusammen anzugehen.»

Der Basler SP-Grossrat und frühere Fan-Arbeiter Thomas Gander glaubt derweil, dass die ID-Pflicht auf den FC Basel nicht zutrifft, da die Stadt Basel nicht dem Konkordat beigetreten sei. (hua)

Die Fans werden wütend sein. Gibt es jetzt nicht noch mehr Ausschreitungen?

Von welchen Fans sprechen Sie? Als Fussballfreund bin ich an vielen Spielen des FCL und sehe in der Mehrzahl friedliche, ausgelassene und kreative Leute.

Oder provokant gefragt: Braucht es dieses Tal der möglichen Ausschreitungen, um nachher Ruhe zu haben?

Ich sage es nochmal: Wenn die unverbesserlichen, gewaltbereiten Leute zu Hause bleiben, haben wir unser Ziel erreicht. Und die wirklich Fussballbegeisterten können friedliche Spiele geniessen.

Angenommen, die Fans versammeln sich dann einfach vor den Stadien – was dann?

Zur Polizeitaktik in solchen Fällen kann und darf ich nichts sagen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

19 Kommentare