16.10.2020 20:45

Bodenseefischerei«Wenn wir nichts unternehmen, droht der Berufsstand auszusterben»

Die Berufsfischer beim Bodensee sind unter Druck. Die Bevollmächtigten für die Bodenseefischerei zeigen sich besorgt. Um die Zukunftsaussichten zu verbessern, wurden neue Regelungen beschlossen.

von
Michel Eggimann
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Die Berufsfischer auf dem Bodensee haben derzeit einen schweren Stand.

Die Berufsfischer auf dem Bodensee haben derzeit einen schweren Stand.

imago images/Arnulf Hettrich
2019 fischten sie mit einer Gesamtmenge von 208 Tonnen so wenig wie noch nie seit Beginn der Statistikführung 1910.

2019 fischten sie mit einer Gesamtmenge von 208 Tonnen so wenig wie noch nie seit Beginn der Statistikführung 1910.

Getty Images/iStockphoto
Michael Kugler, der Fischereisachverständige des Kantons St. Gallen in der Bodenseefischerei, sagt: «Die Berufsfischer sind stark unter Druck. Sie bewegen sich derzeit in einem ökonomischen Grenzbereich.»

Michael Kugler, der Fischereisachverständige des Kantons St. Gallen in der Bodenseefischerei, sagt: «Die Berufsfischer sind stark unter Druck. Sie bewegen sich derzeit in einem ökonomischen Grenzbereich.»

imago/CHROMORANGE

Darum gehts

  • Der Berufsstand der Fischer am Bodensee droht auszusterben.

  • Die Gesamtfangmenge 2019 im Bodensee war so tief wie noch nie seit Zählbeginn 1910.

  • Die Fischer sollen nun dank neuen Regelungen gestärkt werden.

  • Auch Tiergruppen hatten als Konkurrenz für die Fischer Einfluss auf die Fangmenge.

Das Fangjahr 2019 ist mit einer Gesamtfangmenge von lediglich 208 Tonnen für die Berufsfischer des Bodensee-Obersees das schlechteste Fangjahr seit Beginn der Statistikführung 1910. Deshalb läuten bei den Bevollmächtigten der Bodenseefischerei die Alarmglocken. Michael Kugler, der Fischereisachverständige des Kantons St. Gallen in der Bodenseefischerei, sagt: «Die Berufsfischer sind stark unter Druck. Sie bewegen sich derzeit in einem ökonomischen Grenzbereich.» Jeder Betrieb müsse selbst entscheiden, ob er sich von der Fischerei zurückziehen muss oder weitermachen kann, meint Kugler weiter.

In den letzten Jahren war jedenfalls ein Rückgang zu beobachten. 2016 waren noch über 100 Berufsfischer am Bodensee aktiv, 2018 beantragten lediglich 79 ein Fischereipatent, momentan legen nur noch 65 ihre Netze aus, so Zahlen der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF). Trotz des Rückgangs der Fangerträge soll für die verbleibenden Fischerfamilien noch eine ausreichende Existenzgrundlage gegeben sein. Kugler führt aus: «Wenn wir nichts unternehmen, droht der Berufsstand auszusterben.»

Selbstständigkeit der Fischer wird gefördert

Die Bevollmächtigten der Bodenseeanrainerstaaten beschlossen auf der diesjährigen IBKF, die Wirtschaftlichkeit in den verbliebenen Fischereibetrieben zu stärken. Sie kamen überein, dass die Fischer bestimmte Netztypen eigenverantwortlich wählen dürfen. Dadurch sinke der Aufwand pro Fischer, und die Wirtschaftlichkeit eines Fangtages könne gesteigert werden. Auch kam man dem Wunsch der Berufsfischer nach, bestimmte Netztypen über einen längeren Zeitraum am Boden zu verankern. Diese Massnahme ermöglicht den Fischern, insbesondere in den stürmischen Frühjahrsmonaten das Einholen der Netze effizienter zu gestalten.

Zusätzlich gibt es Neuerungen bei der Aus- und Fortbildung. Kugler erklärt: «Wir haben ein Problem der Überalterung. Wir wollen in Zukunft vermehrt junge Leute für den Beruf begeistern. Dafür beschlossen wir Änderungen bei den Patenten. Diese sollen einfacher erhältlich sein.» Die Zuteilung von Fanggeräten an junge Menschen in der Ausbildung zum Fischwirt und zum Fischwirtschaftsmeister werde ausserdem verbessert. Dadurch soll angesichts der Überalterung des Berufsfischerstandes ein Anreiz für die Aufnahme und Ausbildung von Betriebsnachfolgern geschaffen werden.

Konkurrenz für die Fischer

Das schlechte Fangjahr ist auch auf andere Tiergruppen beim Bodensee zurückzuführen. Der Bestand an Kormoranen am See wächst laut der IBKF stetig – mittlerweile seien Schwärme von über 1000 im Verbund jagenden Vögeln keine Seltenheit. Dadurch stiegen auch die Fischentnahmen der Kormorane aus dem Bodensee und den Zuflüssen. Sie werden derzeit auf deutlich über 300 Tonnen jährlich beziffert – zum Vergleich: Die Berufsfischer verzeichneten letztes Jahr eine Fangmenge von 208 Tonnen aus dem Bodensee.

Dieser Aspekt habe nicht nur Auswirkungen auf die Ertragslage, sondern auch auf die Bestandssituation gefährdeter Fischarten. Die Bevollmächtigten fordern daher ein wirksames internationales Kormoranmanagement rund um den See. «Auch die Fischer müssen sich zum Schutz der gefährdeten Fischarten an Bestimmungen halten», meint Kugler. Dabei gehe es etwa um Regelungen für die Nutzung der Netze. Beispielsweise Eglis und Hechte dürfen während der Fortpflanzungszeit nicht gestört werden.

Seeforellen gehören zu den gefährdeten Fischarten im Bodensee.

Sorge bereitet der IBKF auch die aus dem Schwarzmeergebiet stammende Quagga-Muschel, die sich seit 2016 im gesamten Bodensee explosionsartig ausbreitet. Durch ihre Filtrationstätigkeit reduziert sie die Planktonverfügbarkeit im See und damit die Nahrungsgrundlage der Fische.

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47 Kommentare
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Housi

17.10.2020, 11:14

Das wäre ein kleines Problem!!

Anabanana88

17.10.2020, 10:46

Das ist so wenn man Tiere ausbeutet. Fische sind dazu da im See/Meer zu sein und kein Hobby oder Beruf. Seid erfinderisch und kreiert einen neuen Beruf....wie wärs mit Plastikfischer? Dies haben wir bitternötig. Weg von Ausbeutung und unterdrückung zurück zu unserem wahren Wesen....

Dani B.

17.10.2020, 10:39

dann brauchen wir wieder Phosphate in den Waschmitteln