Aktualisiert 28.02.2012 15:24

US-Wahlkampf

Wenn zwei sich streiten, freut sich Ron Paul

Obwohl weit abgeschlagen, könnte Ron Paul in den Vorwahlen der Republikaner zum Königsmacher aufsteigen. Seine Gegner hetzen schon zum nächsten Termin, da sammelt er legal weiter Stimmen.

von
kri
Ron Paul agiert unter dem Radar von Rick Santorum und Mitt Romney. Im Bild die Präsidentschaftsdebatte vom 22. Februar 2012 in Arizona.

Ron Paul agiert unter dem Radar von Rick Santorum und Mitt Romney. Im Bild die Präsidentschaftsdebatte vom 22. Februar 2012 in Arizona.

Die republikanischen Vorwahlen für die US-Präsidentschaftswahl scheinen momentan auf einen Zweikampf hinaus zu laufen: Ex-Gouverneur Mitt Romney, der ewige Favorit auf Zeit, gegen den erzkonservativen Ex-Senator Rick Santorum. Auf dem abgeschlagenen dritten Platz dümpelt der abgehalfterte Ex-Speaker Newt Gingrich herum. Noch weniger Aussichten auf die Nominierung hat laut Umfragen der vierte im Bund, Ron Paul. Doch dieser arbeitet unter dem Radar der anderen emsig an einer Hintertür-Strategie: Auf informellem Weg mehr Delegiertenstimmen für den Parteitag im August einzusammeln, als ihm proportional zustehen.

Der 76-jährige Abgeordnete aus Texas grast hierzu jene Staaten ab, die ihre Vorwahl bereits bestritten haben und nach dem endlos komplizierten Caucus-System wählen. Das sind zum jetzigen Zeitpunkt Iowa, Nevada, Colorado, Minnesota und Maine. Später werden weitere hinzukommen. Dort kann die Bevölkerung keine Direktstimmen für ihren Lieblingskandidaten abgeben, sondern wählt für jeden Wahlkreis Delegierte. Diese bestimmen später auf Bezirks- und Bundestaatsebene wiederum Delegierte, die im August an den nationalen Parteitag entsandt werden und den Herausforderer Barack Obamas küren.

Aus dem Verlierer wird der Gewinner

Ron Paul kennt die Schwachstellen des Caucus-Systems genau und kann sich zudem auf ein professionelles und hoch motiviertes Wahlkampfteam verlassen. Während die anderen Kandidaten aufeinander eindreschen, leisten seine Anhänger Überzeugungsarbeit bei den Delegierten, denn diese sind oft nicht an den arithmetischen Gewinner einer Vorwahl gebunden.

Ron Paul läuft aus CNN-Interview davon

Ob seine Strategie im grossen Stil aufgeht, ist offen. Laut dem britischen «Guardian» hat Paul zum Beispiel in einem Wahlkreis in Colorado sämtliche 13 Delegierte für sich gewinnen können – obwohl er dort an der Vorwahl am 7. Februar deutlich hinter Rick Santorum zurückgeblieben war. In einem anderen Wahlkreis schnappte er sich alle fünf Delegierte, obwohl er nur auf Platz drei hinter Santorum und Romney lag.

Auf diese Art und Weise genügend Stimmen für die Nomination einzusammeln, ist komplett aussichtslos. Die grossen Staaten, die am meisten Delegierte an den Parteitag entsenden, verteilen diese direkt nach dem Majorz- oder Proporzprinzip. So vermag ein Kandidat üblicherweise frühzeitig das absolute Mehr der insgesamt 2286 Delegiertenstimmen auf sich zu vereinen. Doch 2012 ist das Rennen derart offen, dass am Schluss keiner der vier Kandidaten auf die nötige Anzahl kommen könnte. Dann müssten sich zwei Lager zusammenschliessen und sich auf einen Kandidaten verständigen.

Paul könnte Wahl 2012 seinen Stempel aufdrücken

Zu wenig Stimmen für sich selbst, aber genügend zusätzliche für einen anderen, um das absolute Mehr zu erreichen: In dieser Situation könnte Paul zum Königsmacher werden und im Gegenzug einen wichtigen Posten für sich beanspruchen. Oder – was wahrscheinlicher ist – seine Stimmen von konkreten politischen Zugeständnissen abhängig machen. Und diese könnten es angesichts seiner unorthodoxen Ansichten in der Aussen-, Steuer- und Geldpolitik in sich haben. Damit hätte der Querdenker und einzige Kandidat der ehemaligen 8er-Gruppe, der nie oben auf schwamm, dem Rennen doch noch seinen Sempel aufgedrückt.

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