Aktualisiert 23.09.2009 17:33

Atheisten vs. Christen«Wens stört, der soll doch wegschauen!»

Im Talkback zum Verbot des Plakates der Schweizer Freidenker-Vereinigung mit der Aufschrift «Gott existiert wahrscheinlich nicht» duellieren sich Gläubige und Atheisten. Maulkörbe oder freie Meinungsäusserung, darüber wird hitzig diskutiert.

von
fvo

Viele christliche User fühlen sich mit dem Spruch angegriffen, während die Atheisten argumentieren, dass für sie die Plakate der Christen genau so provokativ seien. «Das mit Gott, Allah und Co. ist eine Riesenlüge», meint User Alain, weshalb er seinerseits Plakate mit Bibelzitaten gar nicht gerne sieht. Und auch Dänu findet Aussagen wie «An Gott glauben ist besser, als den Menschen zu vertrauen» verletzend. Zudem verurteilen die Bibelplakate pauschal alle Nicht- und Andersgläubigen, so User Thomas Widmer. «Sind diese Plakate nicht für Moslems auch anstössig?», fragt deshalb P.M.

«Gleiches Recht für alle»

Wie Berit Schrickel finden deshalb viele User: «Gleiches Recht für alle!» Also entweder alle Plakate erlauben oder alle Plakate verbieten. Da den Atheisten vor allem der ihnen aufgesetzte Maulkorb sauer aufstösst, könnten sie sich mit dieser Regelung abfinden. Doch die Seite der Religiösen scheint damit nicht zufrieden zu sein. «Diese Atheisten-Plakate sind völlig unnötig! Sie greifen die christliche Religion an. Die Bibelzitate greifen niemanden an, wer sie nicht lesen soll, soll doch wegschauen,» meint User DerWeise. Was man ja eigentlich umgekehrt bei den Plakaten der Freidenker genau so tun könnte. Und User Luzerner geht gleich noch weiter: «Wir leben in einem christlichen Land. Die Ungläubigen sollen ruhig sein oder auswandern!»

«Gott hat uns einen freien Willen gegeben»

Doch es gibt im christlichen Lager durchaus auch tolerantere Stimmen, die ebenfalls Meinungsfreiheit fordern und zudem in den Plakaten keine Bedrohung sehen. «Den Zweiflern gehört die gleiche Freiheit wie den Glaubenden,» findet Heinz Fritschi. Und auch Sepp kann über die Empörung nur den Kopf schütteln: « Ich bin Christ, mein Gott hat uns einen freien Willen gegeben. Also finde ich es nur fair, wenn auch die Freidenker ihre Meinung äussern dürfen, dadurch gerät mein Glaube schliesslich nicht ins Wanken.»

Der Lauf der Geschichte

Während sich die Gemüter der einen erhitzen: «Schon das tägliche Kirchengeschepper provoziert mich. Das Verbot ist daneben und zeigt das wahre Gesicht der CVP» (Rono Rotor) beschwören andere schon den Weltuntergang: «Der Tor sagt in seinem Herzen, es gibt keinen Gott, Psalm 14.1» - Dieter Beständig sieht das kommende Auftreten des Antichristen nahen. Und schlussendlich finden auch Abgeklärte eine Stimme im Talkback: «Dass Religion und Meinungsfreiheit nicht koexistieren können, hat die Geschichte hinlänglich bewiesen» kommentiert User Bruno nüchtern. Die Reaktion der CVP wundert ihn deshalb kaum. Das ist wohl der Lauf der Geschichte.

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