Bis zu 10’000 Franken: Wer Äpfel aus den Ferien heimbringt, kann dafür jetzt gebüsst werden

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Bis zu 10’000 FrankenWer Äpfel aus den Ferien heimbringt, kann dafür jetzt gebüsst werden

Wer Pflanzen, Früchte, Gemüse oder Samen aus einem Nicht-EU-Land einführt, braucht dafür neu ein «Pflanzengesundheitszeugnis». Andernfalls drohen hohe Bussen.

von
Daniel Graf
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Ob vom Markt oder aus dem Supermarkt: Wer frisches Obst aus einem Nicht-EU-Land in die Schweiz bringen will, braucht dafür einen Nachweis, dass die Früchte gesund sind und keine Schädlinge enthalten.

Ob vom Markt oder aus dem Supermarkt: Wer frisches Obst aus einem Nicht-EU-Land in die Schweiz bringen will, braucht dafür einen Nachweis, dass die Früchte gesund sind und keine Schädlinge enthalten.

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Das gilt seit Anfang Jahr für alle frischen Pflanzenteile, seien es Orangen…

Das gilt seit Anfang Jahr für alle frischen Pflanzenteile, seien es Orangen…

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…Feigen…

…Feigen…

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Darum gehts

  • Seit Anfang Jahr muss für Früchte, Gemüse oder Samen, die aus einem Nicht-EU-Land in die Schweiz gebracht werden, ein Zeugnis vorgewiesen werden.
  • Dieses Zeugnis muss sich der Reisende im Herkunftsland der Ware selber organisieren.
  • Ohne solches Zeugnis drohen Bussen bis zu 10’000 Franken. Verstösst jemand aus Versehen gegen die Verordnung, drücken die Zöllner aber meist ein Auge zu.
  • Das verschärfte Gesetz dient der Bekämpfung des Imports von Schädlingen.

Orangen aus Ägypten, Feigen aus Marokko oder Oliven aus der Türkei: Landestypische Lebensmittel sind ein beliebtes Mitbringsel aus den Ferien. Seit diesem Sommer ist dabei allerdings Vorsicht geboten: «Zurück aus den Ferien und Pflanzen, Früchte oder Blumen im Gepäck? Melden Sie sich bei der Einreise beim Zoll, damit keine gefährlichen Schädlinge und Krankheiten eingeschleppt werden», schrieb das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Freitag auf Facebook. Laut der Eidgenössischen Zollverwaltung komme es vor allem in Zürich und Genf immer wieder vor, dass Ferien-Rückkehrer illegal Pflanzen, Früchte oder Gemüse in die Schweiz bringen (siehe Box).

Denn: Wer Pflanzen, Früchte, Gemüse, Schnittblumen oder Samen aus einem Nicht-EU-Land in die Schweiz nehmen will, braucht dafür seit Anfang Jahr ein Pflanzengesundheitszeugnis. «Dieses bescheinigt, dass die pflanzliche Ware nicht von Schadorganismen befallen ist, die in der Schweiz als besonders gefährlich gelten», erklärt Jonathan Fisch, Mediensprecher beim Bundesamt für Landwirtschaft.

Zeugnis muss vor Ort organisiert werden

Das Zeugnis muss man sich beim nationalen Pflanzenschutzdienst des Landes holen, aus dem die Ware stammt. Eine Liste mit den Adressen findet sich hier. Das Problem: In den meisten Ländern gibt es nur ein Büro, und dieses liegt oft nicht in einem Ferienort. Sich ein Zeugnis zu besorgen, kann also viel Zeit in Anspruch nehmen.

Vor allem in Zürich und Genf ein Problem

Laut Simon Erny, Mediensprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), kommt es immer wieder vor, dass Reisende Ware mit sich führen, die sie gemäss den Bestimmungen des am 1. Januar 2020 in Kraft getretenen Pflanzengesundheitsrechts nicht in die Schweiz einführen dürfen. «Dies ist insbesondere an den Flughäfen Zürich und Genf der Fall, wo Reisende mit Interkontinentalflügen aus Drittstaaten eintreffen.» Werden im Reiseverkehr Früchte, Gemüse und Schnittblumen in Kleinmengen eingeführt, die gemäss den aktuellen Bestimmungen nicht eingeführt werden dürfen, wird die Ware laut Erny konfisziert. Die Kontrollen zur Einhaltung der neuen Regelungen seien seit Anfang Jahr verstärkt worden. Über die Anzahl allfällig eingeleiteter Verfahren oder erteilter Bussen könne die EZV derzeit keine Auskunft geben.

Auch die Prüfung der Ware und das Ausstellen des Zeugnisses erfordern Zeit: «Der Aufwand für die Ausstellung ist je nach Ware und Anforderungen im Empfängerland unterschiedlich», erklärt Fisch. Es könne sein, dass eine visuelle Kontrolle genügt, in anderen Fällen seien ergänzende Laboranalysen nötig. «Möglich ist auch, dass das Produkt bereits bei der Produktion auf dem Feld kontrolliert und analysiert werden muss.»

Zeugnis kann mehrere Hundert Franken kosten

Wie der Aufwand, variieren auch die Kosten: «Die Erstellung eines Pflanzengesundheitszeugnisses kostet zwischen fünfzig und mehreren Hundert Franken», sagt Fisch. Bei der Rückreise in die Schweiz muss man beim Zoll den roten Ausgang für Reisende mit anzumeldenden Waren nehmen und das Zeugnis sowie die Ware vorzeigen. «Der vor Ort zuständige Zollbeamte leitet dann die notwendigen Schritte in die Wege.»

Wer erst am Flughafen merkt, dass er Waren dabei hat, für die er ein Zeugnis bräuchte, soll sich laut Fisch ebenfalls zum roten Zoll-Ausgang begeben: «Dort gibt es die Möglichkeit, die Waren kostenlos zu entsorgen.»

Regelung gilt auch für Supermarkt-Produkte

Die Regelung betrifft nicht nur frisches Obst oder Gemüse, das etwa auf einem Markt gekauft wurde: «Grundsätzlich gilt das auch für abgepackte Produkte aus dem Supermarkt», erklärt Fisch. Ausgenommen sind lediglich Ananasse, Kokosnüsse, Durians, Bananen und Datteln sowie Produkte, die einen Produktionsschritt durchlaufen haben, der mögliche Pflanzenschädlinge wie Viren, Bakterien, Pilze oder Insekten abtötet. Das können etwa getrocknete, klein gehackte, aufgekochte oder tiefgefrorene Produkte sein. «Nur weil etwas verpackt im Laden gekauft wurde, heisst das noch nicht, dass es für diese Produkte kein Zeugnis braucht», sagt Fisch.

Wer also einen Sack Äpfel aus einem ägyptischen Supermarkt ohne Pflanzengesundheitszeugnis und pflanzengesundheitliche Kontrolle in die Schweiz bringt, verstösst gegen das Gesetz. «Bei Widerhandlungen gegen Ausführungsbestimmungen können Bussen bis zu einer Höhe von maximal 10’000 Franken erhoben werden», sagt Fisch. Immerhin: «Sofern es sich um ein Vergehen aus Unwissenheit handelt, wird grundsätzlich auf eine Belastung verzichtet.»

Schutz vor Schädlingen aus dem Ausland

Grund für die Verschärfung der Einfuhrbestimmungen waren schädliche Organismen, die in die Schweiz eingeschleppt wurden: «Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass mit den alten rechtlichen Grundlagen keine genügenden Möglichkeiten mehr zur Verfügung standen, um adäquat gegen das erhöhte Risiko der Einschleppung und Verbreitung von besonders gefährlichen Schadorganismen vorgehen zu können», sagt Jonathan Fisch vom Bundesamt für Landwirtschaft. Als Beispiele nennt er das Bakterium Xylella fastiosa, das für das Olivenbaumsterben in Süditalien verantwortlich ist, oder den Japankäfer, der bereits das Südtessin erreicht habe. «Durch die Zunahme des globalen Welthandels und die klimatischen Veränderungen ist das Risiko in der Schweiz und in Europa gestiegen, dass neue Schadorganismen eingeschleppt werden oder dass diese sich besser und schneller verbreiten können», sagt Fisch.

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