Sechseläuten: «Wer am Dienstag nicht freimacht, muss leiden»
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Sechseläuten«Wer am Dienstag nicht freimacht, muss leiden»

Wenn sich am Montag der Sechseläuten-Umzug durch Zürich schlängelt, haben die Jungzünfter bereits einen mehrtägigen Marathon hinter sich – auch in Sachen Trinken.

von
wed
Am Sonntag wurde der Böögg durch die Innenstadt gezogen. Jungzünftler nutzten den Tag, um sich zu erholen.

Am Sonntag wurde der Böögg durch die Innenstadt gezogen. Jungzünftler nutzten den Tag, um sich zu erholen.

Wer denkt, dass sich das Zürcher Sechseläuten nur auf die Umzüge beschränkt, irrt sich. Speziell die Jungzünfter unter 30 Jahren haben am Montag bereits einen mehrtägigen Marathon hinter sich. «Traditionell startet das Sechseläuten für uns am Donnerstag bei der inoffiziellen ‹Itrinketä› im Riesbach-Quartier», sagt ein Jungzünfter, der seinen Namen lieber nicht in den Medien lesen will. Bereits Wochen zuvor würden erste Abendessen und Treffen stattfinden.

«Am Freitag geht es dann weiter mit der grossen Veranstaltung auf dem Lindenhof, wo sich der Gastkanton mit diversen Attraktionen vorstellt, gefolgt von inoffiziellen Afterpartys in diversen Bars und Clubs», so der Jungzünfter weiter. Am Samstag folgen dann die Zunftbälle. Die meisten würden dann gleich den ganzen Sonntag nutzen, um sich für einen langen Montag zu regenerieren oder höchstens noch an den Kinderumzug zu gehen.

Am Montag folgt dann die Kür des Wochenendes: «Obwohl die Ersten bereits um 7.30 Uhr zum Frühstück einladen, versuche ich, so lange wie möglich zu schlafen», sagt ein anderer Jungzünfter, der mit Blick auf die Diskretion innerhalb einer Zunft ebenfalls nur anonym Auskunft geben möchte. Spätestens zwischen 9 und 10 Uhr starten dann alle Zünftler mit diversen Apéros – ein Wort, das den ganzen Tag im Programm eines Zünftler zu finden ist.

«Beim Sechseläuten geht es nicht primär um Alkohol»

«Ich versuche immer, bis zum Umzug nichts zu trinken, da es sonst ein sehr langer Tag werden kann», sagt er. Er wolle aber betonen, dass es beim Sechseläuten nicht primär um Alkohol gehe: «Während dem ganzen Wochenende wird eine stolze Zürcher Tradition geehrt und gefeiert, bei der Geselligkeit eine sehr wichtige Rolle spielt – da gehört halt auch das eine oder andere Glas Wein dazu.»

Genauso wie das Essen: Beim Mittagessen vor dem Umzug und dem Abendessen danach herrsche eine tolle Stimmung mit viel Witz. Besonders die jeweiligen Ehrengäste müssten sich einiges anhören und eine dicke Haut und viel Humor beweisen. Nach dem Abendessen besuchen sich dann Zunftmitglieder gegenseitig in ihren Zunftstuben, wo besonders die spontanen Redefähigkeiten der Zunftmeister auf die Probe gestellt werden.

Der lange Tag endet im Kaufleuten

Nach dem Mitternachtsmahl, bei dem es eine letzte Stärkung gibt, folgt dann das letzte Highlight: Die legendäre Sechseläuten-Party im Kaufleuten. «Es fühlt sich an, als würde in dieser Nacht ganz Zürich im Kaufleuten feiern», so der zweite Jungzünfter. Der Club sei bis 6 Uhr morgens brechend voll und die Stimmung einzigartig. Wer noch die Kraft hat, geht anschliessend an das Frühstück der Zunft zur Zimmerleuten.

Nach so viel Party ist es nicht verwunderlich, dass es auf dem Heimweg mitunter zu kuriosen Begegnungen kommt: «Ich habe mal einen Zünfter in Vollmontur gesehen, der direkt neben dem abgebrannten Böögg auf dem Sechseläuten geschlafen hat», so der Jungzünfter. So oder so gilt: «Wer am Dienstag keinen Ferientag im Büro beziehen konnte, muss richtig leiden.» Und anschliessend startet die Vorfreude wieder auf das nächste Sechseläuten-Wochenende.

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