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Investitionen«Wer an der Börse so richtig reich werden will, muss brutal spekulieren»

Welche Aktien lohnen sich im Moment? Und von welchen lässt man lieber die Finger? Diese Fragen beantwortet der Raiffeisen-Investmentchef im Interview.

von
Raphael Knecht
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Wer sich überlegt, ins Aktiengeschäft einzusteigen, für den hat Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Schweiz, einige Tipps auf Lager.

Wer sich überlegt, ins Aktiengeschäft einzusteigen, für den hat Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Schweiz, einige Tipps auf Lager.

Foto: Raiffeisen
Eine neue Analyse zeigt: Langfristig investieren lohnt sich.

Eine neue Analyse zeigt: Langfristig investieren lohnt sich.

Foto: Keystone-sda.ch
Mit Schweizer Aktien konnte man in den vergangenen Jahrzehnten richtig Geld machen.

Mit Schweizer Aktien konnte man in den vergangenen Jahrzehnten richtig Geld machen.

Foto: Keystone

Darum gehts

  • Eine Auswertung von Börsendaten zeigt, wie viel Geld man in den vergangenen Jahren mit Schweizer Aktien machen konnte.
  • Je nach Anlagedauer konnten Investoren ihr Geld um ein Vielfaches vermehren.
  • Aber es gab teilweise auch lange Durststrecken an der Börse.
  • Das Sparkonto lohnte sich im Vergleich fast gar nicht.

Investieren an der Schweizer Börse lohnt sich: Wer vor einem Jahrzehnt 1000 Franken in Schweizer Aktien investiert hatte, konnte das Geld bis Ende 2019 fast verdreifachen. Wer schon vorher angefangen hat zu investieren, kann sich teils über noch grössere Erträge freuen (s. Bildstrecke oben).

Wer sich nun überlegt, ebenfalls ins Aktiengeschäft einzusteigen, für den hat Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Schweiz, einige Tipps auf Lager:

  • Herr Geissbühler, ich habe 1000 Franken, wie werde ich damit an der Börse reich?

Wer an der Börse so richtig reich werden will, muss brutal spekulieren. Das ist wie wenn man im Casino auf eine einzelne Zahl setzt. Das kann schon mal aufgehen – aber ich würde sagen, an der Börse verlieren neun von zehn Personen, die extrem grosse Risiken eingehen.

  • Also lohnt es sich nicht, Aktien zu kaufen?

Doch. Man wird vielleicht nicht grad reich, aber man kann sicher sein Vermögen langfristig signifikant aufbauen. Wer Geld hat, auf das er lange verzichten kann, kommt im Moment nicht um Aktien rum. Denn es lohnt sich definitiv nicht, das Geld auf ein Sparkonto zu legen.

  • Welche Aktien lohnen sich?

Im Swiss Market Index (SMI) konnte der Baustoffhersteller Sika in den vergangenen Jahren besonders stark wachsen. Ich gehe davon aus, dass dieses Wachstum weitergehen wird. Wie in diesem Fall sind es oft Firmen, über die man auch im Alltag stolpert. Den Namen von Marktführern wie Geberit oder Schindler trifft man in fast jeder Toilette oder jedem Lift an. Bei solchen Firmen lohnt es sich in der Regel, einzusteigen.

  • Also ist das Wachstum der letzten paar Jahre ausschlaggebend?

So einfach ist es nicht. Die Aktie der Swiss Life konnte in den letzten zehn Jahren auch extrem stark zulegen. Aber der Aktienkurs war am Ende der Finanzkrise 2008 im Keller. Die Performance ist also eher eine Erholung und deutet nicht zwingend auf nachhaltiges Wachstum hin.

  • Empfehlen Sie die ganz Grossen?

Ja, Nestlé, Novartis und Roche haben in den vergangenen Jahren gute Performances abgeliefert. Sie haben zudem kontinuierlich die Dividenden erhöht. Das darf man nicht unterschätzen, denn Dividenden machen schnell mal 30 Prozent des Gesamtertrags aus.

  • Sollte man Firmen meiden, die jetzt gerade wegen Covid-19 Dividenden streichen?

Die Nachhaltigkeit der Dividendenausschüttungen ist ein wichtiges Kriterium bei der Aktienselektion. Solid aufgestellte und gut kapitalisierte Gesellschaften können auch in einer Rezession die Dividendenzahlungen aufrechterhalten. Wenn Firmen Dividenden streichen, ist das oft kein gutes Zeichen und belastet in der Regel auch den Aktienkurs.

  • Welche Aktien lohnen sich nicht?

Es gibt bestimmte Branchen, die langfristig keinen grossen Wert generieren. Das betrifft etwa Airlines und europäische Banken. Wer vor zwanzig Jahren UBS- oder CS-Aktien gekauft hat, hat bis heute keinen Rappen daran verdient.

Handel an der Börse

Früh einsteigen lohnt sich

Worauf kommt es an, wenn man an der Börse möglichst viel Ertrag erzielen will? Auf den Anlagehorizont und die Risikobereitschaft, sagt Migrosbank-Chefökonom Christoph Sax: «Wie lange kann ich auf das Geld verzichten, und kann ich zwischenzeitliche Kursverluste tragen?» Bei langem Anlagehorizont und hoher Risikobereitschaft würde Sax auf Strategiefonds oder breit gestreute Aktienfonds setzen. Setze man hingegen auf Einzeltitel, seien die Kursschwankungen des investierten Vermögens in der Regel höher. Sax’ Tipp: «Wer früh zu investieren beginnt, kann langfristig Vermögen aufbauen.» Er empfiehlt darum einen Fondssparplan. Damit kann man jeden Monat einen fixen Betrag in Strategiefonds einzahlen.

Aus Sicht der Migrosbank lohnen sich derzeit zum Beispiel folgende Aktien:

  • Roche: Hier sieht Sax Wachstumspotenzial, weil die Firma eine hohe Innovationskraft hat. Zudem sei die Pharmabranche sehr krisenresistent.
  • Lafarge: Die Firma leidet derzeit zwar unter der Coronavirus-Krise. Aber sie mache Fortschritte beim Ausbau der Wertschöpfungskette im Baustoffbereich und werde wohl zu den Gewinnern des Aufschwungs nach Corona gehören.
  • Logitech: Der Elektronikhersteller profitiere vom hohen Wachstum im E-Sports-Geschäft und von der erhöhten Nachfrage nach Homeoffice-Anwendungen.

  • Sollte man sich auf Schweizer Aktien konzentrieren?

Langfristig betrachtet sind die Schweizer Aktien in der Vergangenheit besser gelaufen. Das liegt nicht zuletzt am Schweizer Franken. Wer im Ausland investiert, muss zusätzliche Währungsrisiken auf sich nehmen – und die sind teils erheblich. Wenn zum Beispiel der Dollar an Wert verliert, trifft das indirekt auch alle US-Aktien. Darum lohnt es sich gar nicht gross, im Ausland anzulegen – ausser man will in Branchen investieren, die in der Schweiz untervertreten sind.

  • Zum Beispiel?

Da kommt mir der Technologiesektor in den Sinn. Wir haben zwar auch einige bekannte Namen, etwa Logitech. Aber richtige Riesen wie Apple, Amazon oder Google findet man in der Schweiz nicht. In vielen anderen Branchen sind die Schweizer Firmen aber eh schon international tätig, da reicht der Fokus auf heimische Aktien.

  • Wie viele verschiedene Aktien sollte ich kaufen?

Für ein diversifiziertes Portfolio braucht man so zwischen 15 und 20 Titel. Mit 1000 Franken Kapital wird es aber schwierig werden, so viele verschiedene Aktien zu kaufen. Alternativ kann man mit sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) auf den SMI oder den Swiss Performance Index investieren.

  • Was heisst das?

Ein ETF ändert seinen Wert mit dem Kurs eines Index. Man kann also in den gesamten SMI investieren, ohne von jeder einzelnen Firma eine Aktie zu kaufen. Will man nicht auf einen Index setzen, bietet fast jede Schweizer Bank auch ihre eigenen Strategiefonds an. Darin enthalten sind dann oft nicht nur Aktien sondern auch noch Obligationen, Gold oder Immobilien.

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25 Kommentare
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Lifestyle Manager

03.07.2020, 18:00

Es gibt nix geileres als die Börsen. Mache das seit 25 Jahren und hatte dadurch die Möglichkeit, in jungen Jahren der Asbest-Etage und den Erdwürmern den Rücken zuzukehren. Jetzt nach Corona umso besser. Die intellektuelle Regionalliga der Gutmenschen und Weltverbesserer guckt wieder mal in die Röhre. Gut so, einfach nicht meinen Alltag tangieren...

Severine ZH

03.07.2020, 06:18

Langfristig systematisch sparen mit einem Aktienfonds ist das Beste was der grossteil der Leute machen kann. Da kann jeder sagen was er will, ist einfach so!

CEO

02.07.2020, 14:30

Wer reich werden will, muss eine Firma aufbauen.