Erstes TV-Triell - Wer beerbt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel?
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Erstes TV-TriellWer beerbt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Olaf Scholz, Armin Laschet, Annalena Baerbock: Wer hat die besten Argumente im Kampf um die deutsche Kanzlerschaft? Ein Überblick.

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In diesem Studio werden sich am Sonntagabend die Kanzlerkandidaten von SPD und Union und die Kanzlerkandidatin der Grünen zu einem politischen Schlagabtausch treffen.

In diesem Studio werden sich am Sonntagabend die Kanzlerkandidaten von SPD und Union und die Kanzlerkandidatin der Grünen zu einem politischen Schlagabtausch treffen.

Jörg Carstensen/RTL/dpa
Um die Nachfolge von Noch-Kanzlerin Angela Merkel bewerben sich …

Um die Nachfolge von Noch-Kanzlerin Angela Merkel bewerben sich …

Malte Krudewig/dpa
… der Kandidat der Unionsparteien Armin Laschet, …

… der Kandidat der Unionsparteien Armin Laschet, …

Oliver Berg/dpa

Darum gehts

  • Union, SPD, Grüne: Sie alle wollen im Herbst die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel übernehmen.

  • Die SPD liegt mit ihrem Kandidaten Olaf Scholz vor Armin Laschet, dem Kandidaten der Union. Das hat es seit 15 Jahren nicht mehr gegeben.

  • Auch Annalena Baerbock von den Grünen möchte Kanzlerin werden. Alle drei treffen sich am Sonntag zum ersten TV-Triell.

Am 26. September finden in Deutschland die Bundestagswahlen statt – das Pendant zu den National- und Ständeratswahlen in der Schweiz. Zwar wird dabei nicht direkt der Kanzler oder die Kanzlerin gewählt, sondern bloss die Abgeordneten. Diese wählen dann anschliessend die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler.

Die Noch-Kanzlerin Angela Merkel hat angekündigt, sich nach 16 Jahren an der Spitze Deutschlands aus der Politik zurückzuziehen. Drei Personen – zwei Männer, eine Frau – haben sich für ihre Nachfolge ins Spiel gebracht. Für die Union – das Bündnis aus der gesamtdeutschen CDU und der bayrischen CSU – tritt Armin Laschet an. Er möchte der direkte Nachfolger von Angela Merkel werden, die ebenfalls für die Union Politik machte.

Die Grünen möchten erstmals Kanzlerin werden

Für die SPD tritt Olaf Scholz an, der zurzeit Finanzminister Deutschlands ist. Auch die Grünen wollen Kanzlerin werden: Sie stellen mit Annalena Baerbock zum ersten Mal überhaupt eine Kanzlerkandidatin. Am Sonntag treffen sich Laschet, Scholz und Baerbock zur ersten TV-Debatte.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa sieht die SPD zum ersten Mal seit 15 Jahren vor der Union – wenn auch hauchdünn, mit 23 zu 22 Prozent. Die Grünen scheinen mit 18 Prozent abgeschlagen. Doch im Grunde können sich alle drei Kandidatinnen und Kandidaten, die am Sonntag beim deutschlandweit ersten Triell vor einer Bundestagswahl aufeinander treffen, noch Hoffnungen aufs Kanzleramt machen. Vor allem bei der SPD sorgt das für Genugtuung – hatten Kritikerinnen und Kritiker doch lange gespottet, ein SPD-Kanzlerkandidat habe in einer solchen Runde nichts zu suchen, weil er ohnehin keine Chance habe.

Die SPD zum ersten Mal seit 15 Jahren vorne

Dass der plötzliche Aufschwung nicht allein Scholz und der Performance der SPD zuzuschreiben ist, weiss man in der Parteizentrale genau. Auch Scholz ist keineswegs fehlerfrei, doch liegen die grossen Schnitzer länger zurück als die der Konkurrentin und des Konkurrenten. Da wären etwa die G20-Krawalle in Hamburg 2017, als er alle Warnungen konsequent weglächelte. Heute bezeichnet er diese Tage als seine grösste Niederlage. Da ist auch der Skandal rund um den Milliardenbetrug bei Wirecard, den sein Ministerium nicht verhinderte. Doch im Wahlkampf selbst habe sich die SPD keine Fehler erlaubt.

In der Union hingegen rumort es. Kein Wunder, denn die von Forsa kürzlich ermittelten 22 Prozent sind der schlechteste Wert, den das Institut jemals für CDU und CSU berechnet hat. Doch dem Eindruck einer Panikreaktion widerspricht CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak schnell. «Keine Panik, aber das ist ein Weckruf», sagte er dem Fernsehsender Welt zu der Umfrage. Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die nach fast 16 Amtsjahren selbst nicht mehr antritt, betonte: «Wir kämpfen!». Und sie ergänzte: «Zum Schluss zählen die Stimmen der Bürgerinnen und Bürger in der Wahlbox.»

Laschet steht unter enormem Erfolgsdruck, das Ruder herumzureissen und den Abwärtstrend zu drehen. Gelinge es Laschet nicht, das Kanzleramt nach den 16 Merkel-Jahren zu verteidigen, drohten gleich mehrere Legislaturperioden Opposition. Laschet wäre dann politisch erledigt, auch innerhalb der weiteren Parteispitze würde kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.

Grünen müssen Vertrauen zurückgewinnen

Für die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock geht es jetzt darum, nicht weiter abzusteigen. Nach Wochen voller Schlagzeilen zu abgeschriebenen Buch-Passagen und nachgemeldeten Nebeneinkünften muss sie verspieltes Vertrauen zurückgewinnen. Vom Umfragen-Hoch kurz nach der Nominierung zur Kanzlerkandidatin sind die Grünen und ihre Co-Chefin weit entfernt. Ende April lag die Partei noch mit 25 Prozent vor der Union. Nun heisst es: wieder aufholen – und Profil zeigen neben einer erstarkenden SPD. «Aus dem bisherigen Zweikampf ist jetzt ein Dreikampf geworden, das macht es noch spannender», sagte Baerbock in dieser Woche bei einem Wahlkampfauftritt in Kiel. «Drei demokratische Parteien stehen ganz dicht beieinander.»

Jetzt sei die Frage entscheidend, ob nach der Wahl ein Zweierbündnis möglich oder ein Dreierbündnis nötig sei. «Wir treten an für eine Erneuerung, andere stehen eher für einen Status quo und weiter so.» Die Grünen wollten «an führender Stelle» Verantwortung übernehmen, versicherte Baerbock. Im Dreikampf wird sie diesen Führungsanspruch noch einmal deutlich machen müssen – etwa beim grünen Herzensthema Klimaschutz. Aber auch in der Aussenpolitik könnte die Debatte deftig werden. Stichwort Afghanistan. Hier hatte Baerbock bereits am Mittwoch mit klaren Worten gegen Union und SPD ausgeteilt. Kuschelig dürfte es am Sonntag also nicht werden.

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(dpa/her)

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