Weltenbummler-Blog: Wer bekommt bei diesem Anblick kein Fernweh?
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Weltenbummler-BlogWer bekommt bei diesem Anblick kein Fernweh?

Kauai ist die Perle Hawaiis: Hier findet man farbige Canyons, bezaubernde Wasserfalle, malerische Sandstrande – und zähe Hühner.

von
Claudio Sieber

Das Wasserglas im Auto vibriert, wahrend sich der T-Rex mit Vorfreude an seine Beute heranpirscht. Steven Spielberg sagte einmal, der kniffligste Effekt in «Jurassic Park» waren nicht die Dinos, sondern das Wasserglas. Die Crew auf Kauai versuchte alles. Nie vibrierte das Wasser so, wie der Herr Regisseur es wollte. Heutzutage beschaftigt man sich auf dem Eiland mit anderen Problemen tierischer Art: Gockel, die fruhmorgens verhauene Tonleitern krächzen.

Noch schutzen wirre Gesetze die gefiederten Bestien vor der Selbstjustiz schlafloser Kauaianer. Dabei ware die Losung so naheliegend: Einmal pro Woche ein Coq au Vin und dazu ein paar Chickenwings. Aber leider sind die strammen Viecher sogar zu zah fur Premium-Hundefutter. Steine seien einfacher weichzukochen, meinen Einheimische. Nichtsdestotrotz ist Kauai paradiesisch. Hawaiis alteste Insel kombiniert auf wenigen Quadratkilometern so ziemlich alle Fernwehfaktoren: Farbige Canyons, bezaubernden Wasserfalle und kitschige Sonnenuntergange an malerischen Sandstranden.

Hippies auf der Flucht

Der Dalai Lama nannte es einst «the eye of the earth» – das Auge der Welt. Fur die Hawaiianer war es schon immer eine heilige Statte: Kalalau, das fruchtbare Tal an der Napali-Kuste. Knapp sieben Stunden quält mich der Weg zu dem ruhmreichen Ort. Der Kalalau Trail lässt mich reissende Flusse durchqueren, beschenkt mich mit penetrantem Nieselregen und diversen Stellen, die einen Machetenhieb nötig hätten.

Auf dem schlammigen Weg treffe ich auf Maira. Seit einem guten Jahr haust die Dreissigjahrige in Kalalau. Sie erzahlt und ich rieche weg. Maira ist eine von vielen, die sich klammheimlich hinten im Valley verstecken, fernab von der Zivilisation, weit weg von Regeln und Ordnung. Immer auf der Hut, denn regelmassig besucht ein Helikopter mit bewaffneten Agenten des Department of Land and Natural Resources (DLR) das vertraumte Tal.

Erfolglos hetzen sie die dreckigen Gesetzlosen, Ausreisser, bartigen Hippies, Nudisten, Geissenjager und Spirituellen, die hier meditieren. Mit tierischen Lauten warnen sich die Selbstversorger vor der drohenden Gefahr und verstecken sich im Gebusch. Zugegeben, so viel irdische Schonheit und all die brachliegende Naturkost verleitet zum Bleiben. Einige halten es bereits uber vier Jahre aus, ohne dabei durch die Isolation wahnsinnig geworden zu sein. Mahalo, Hawaii!

Weltenbummler

Claudio Sieber spurtete 15 Jahre lang für die grafische Branche. Heute setzt der 33-Jährige seine Energie für sich selbst ein. Als Fotograf und Reiseblogger. Seit Januar 2014 ist der Langzeit-Nomade bereits unterwegs, um die Schönheit dieser Erde zu erkunden. Dabei lernt der Ostschweizer die vielseitigsten Menschen kennen und steigert täglich sein Bewusstsein für die Welt.

Auf seinem Blog Travelbuddy.ch und auf 20 Minuten teilt er seine Erlebnisse.

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