Gefährlicher Genuss: Wer Bier trinkt, schluckt Plastik
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Gefährlicher GenussWer Bier trinkt, schluckt Plastik

Jetzt wird es bierernst. Pünktlich zur WM schlagen Forscher Alarm: Namhafte Biersorten sind massiv verunreinigt und deswegen gesundheitsschädigend.

von
gux

Forscher haben herausgefunden, dass das Bier namhafter Brauereien mit Plastik verunreinigt ist – und zwar in so starkem Masse, dass es gesundheitsschädigend ist. Doch wie gelangen diese mikroskopisch kleinen Plastikfasern in den geliebten Gerstensaft? Recherchen des Konsumentenmagazins «Markt» des Norddeutschen Rundfunks NDR legen nahe: Die Fasern dürften von Textilien aus Fleece-Material stammen.

Die Plastikfasern werden beim Waschen über das Abwasser in die Umwelt gespült, wo sie sich verteilen und so in den Produktionskreislauf von Getränken wie Bier und Mineralwasser gelangen. Unter den von den Forschern analysierten Getränken mit dem Mikroplastik sind fast alle bekannten deutschen Biermarken: Veltins, Krombacher, Warsteiner, Paulaner und Jever.

Plastikfasern reichern sich im Gewebe an

Das mit 79 Mikropartikel pro Liter am meisten verseuchte Bier ist gemäss NDR-Bericht das Bier von Jever, gefolgt vom Paulaner-Weissbier (70 Partikel pro Mass), Warsteiner (47 Partikel pro Liter) sowie Krombacher und Veltins (42 Partikel pro Liter). Auch Mineralwasser von Aldi oder Lidl ist mit den Plastikpartikeln verunreinigt, aber weit weniger stark als das Bier.

«Verunreinigungen mit Mikroplastik sind ein generelles Umweltproblem», sagt Gerd Liebezeit von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. So seien nicht nur Getränke, sondern auch unsere Nahrung betroffen. Für die Menschen werde dies früher oder später zu einer ernsten Gefahr, bestätigt Stephan Pflugmacher von der Technischen Universität Berlin. Pflugmacher, der schon lange mit Mikroplastik-Fasern experimentiert, wies etwa nach, dass sich diese Fasern im Gewebe von Muscheln anreichern und bei hoher Konzentration sogar tödlich sein können.

Andere Untersuchungen, anderes Ergebnis

Das NDR-Magazin konfrontierte den Deutschen Brauer-Bund mit diesen erschreckenden Forschungsergebnissen. Die Antwort: Man habe in eigenen Untersuchungen kein Mikroplastik im Bier oder in dem für das Bierbrauen verwendeten Wasser nachgewiesen.

Wie breitet sich Mikroplastik in der Umwelt aus?

Mikroplastik aus Pflegeprodukten und Funktionstextilien wie Fleecestoff gelangt über das Abwasser in Kläranlagen. Von dort fliesst es in Flüsse und Meere. So werden die Plastikpartikel wieder Teil der Nahrungskette, an deren Spitze der Mensch steht. Mikroplastik wurde bereits in der Luft nachgewiesen, aber auch im Essen, etwa im Honig. Vermutlich gelangten die Partikel über die Luft auf Blüten und wurde dort von Bienen eingesammelt.

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