15.09.2020 13:58

Verdoppeltes RisikoWer bis zum Umfallen trinkt, riskiert, Demenz zu bekommen

Alkoholkater sind schlimm, aber möglicherweise nicht die schlimmste Folge von Alkoholexzessen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Komasaufen ist überhaupt keine gute Idee: Laut Londoner Forschenden scheinen alkoholinduzierte Blackouts das Risiko für Demenz deutlich zu erhöhen. 

Komasaufen ist überhaupt keine gute Idee: Laut Londoner Forschenden scheinen alkoholinduzierte Blackouts das Risiko für Demenz deutlich zu erhöhen.

Foto: Getty Images
Grundsätzlich gilt: Bevor man bei Bier, Wein oder anderen Alkoholika kräftig zulangt ...

Grundsätzlich gilt: Bevor man bei Bier, Wein oder anderen Alkoholika kräftig zulangt ...

Flickr/Brad K./CC BY 2.0
... sollte man sich bewusst machen, dass Alkohol, genauer gesagt Ethanol, als Gift gilt: 2007 wurde der Stoff von der WHO als potenziell krebserregend eingestuft. Ausserdem soll er nach bisherigem Kenntnisstand für über 300 Krankheiten und Organschäden verantwortlich sein.

... sollte man sich bewusst machen, dass Alkohol, genauer gesagt Ethanol, als Gift gilt: 2007 wurde der Stoff von der WHO als potenziell krebserregend eingestuft. Ausserdem soll er nach bisherigem Kenntnisstand für über 300 Krankheiten und Organschäden verantwortlich sein.

Flickr/Michael Smith/CC BY 2.0

Darum gehts

  • Britische Forscher warnen davor, bis zur Bewusstlosigkeit zu trinken.
  • Sie haben Hinweise darauf gefunden, dass Blackouts infolge von Alkoholkonsum das Demenzrisiko verdoppeln.
  • Dabei spielt es keine Rolle, welche Mengen Alkohol man sonst pro Woche zu sich nimmt,

Zu viel Alkohol ist nie gut. Doch wer sich bis zur Bewusstlosigkeit trinkt, könnte ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an Demenz zu erkranken. Das berichten Forschende des University College London im Fachjournal «Jama Network Open». Sie haben mehrere Studien ausgewertet, in denen die Trinkgewohnheiten von über 131’000 Menschen untersucht worden waren.

Nicht übertreiben

Wie das Team um den Epidemiologen Mika Kivimaki herausfand, scheint weniger eine Rolle zu spielen, wie viele Drinks jemand pro Woche zu sich nimmt, als wie die Abende mit Alkohol enden. Denn egal, ob es sich bei den Probanden um mässige oder starke Trinker (ab 14 Alkoholeinheiten pro Woche, siehe Box) handelte: Hatten die Teilnehmer in den letzten 12 Monaten bis zum Umfallen getrunken, verdoppelte sich ihr Demenzrisiko gegenüber denjenigen, die keine Blackouts hatten, so Kivimaki und seine Kollegen.

Dabei machte es keinen Unterschied, ob es sich um Männer oder Frauen handelte. Auch das Alter der Studienteilnehmer war unerheblich.

So viel sind 14 Alkoholeinheiten

Im Jahr 2016 hat die britische Gesundheitsbehörde aktualisierte Richtlinien für den risikoarmen Konsum von Alkohol herausgegeben. Laut diesen sollten sowohl Männer als auch Frauen pro Woche nicht mehr als 14 Einheiten Alkohol zu sich nehmen. Das entspricht etwa sieben Gläsern à 175ml von 12-prozentigem Wein oder sieben britischen Pints – 0,5683 Litern – Lagerbier von durchschnittlicher Stärke (4 Prozent).

In der Schweiz hat die Eidgenössische Kommission für Alkoholfragen (Ekal) die Empfehlungen im Jahr 2018 angepasst. Demnach sollten gesunde Männer nicht mehr als zwei Standardgläser (entspricht zwei Stangen oder zwei Gläsern Wein) Alkohol pro Tag zu sich nehmen, gesunde Frauen höchstens eines. Ausserdem sollen jede Woche mehrere alkoholfreie Tage eingelegt werden.

Älteren oder Personen, die Medikamente einnehmen, wird dagegen geraten, Alkohol nur in Massen und mit Vorsicht zu geniessen. Ganz die Finger davon lassen sollten Jugendliche unter 16 Jahren sowie Schwangere.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass ihre Studie nichts darüber aussagt, ob der Bewusstseinsverlust die Demenz begünstigt oder Menschen mit Demenzveranlagung einfach eher zum Rauschtrinken tendieren. Allerdings spreche für Ersteres einiges: «Ethanol ist neurotoxisch, überquert die Blut-Hirn-Schranke und kann in hohen Konzentrationen pathologische Prozesse auslösen, die die Gehirnzellen schädigen oder abtöten.»

Zudem können Episoden von besonders starkem Alkoholkonsum zur Entwicklung anderer Gesundheitszustände im Zusammenhang mit Demenz beitragen. Zum Beispiel Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes und koronare Herzkrankheiten.

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43 Kommentare
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Rento H

16.09.2020, 14:32

Wenn man bedenkt, dass jeder dritte Spitalfall durch direkte bzw. indirekte Folgen von Alkoholmissbrauch verschuldet ist, zweifle ich an der menschlichen Intelligenz. Hier könnte massiv an Krankenkosten gespart werden. Ev. die Alkoholsteuer genügend anheben - ebenso die Tabaksteuer und das Geld in das Gesundheitswesen inwestieren. Das wäre das gerechtere Verursacherprinzip.

Falco

16.09.2020, 10:55

Wer nicht lebt sirbt auch.

Heidi Haschisch

16.09.2020, 10:44

Jetzt aber Jährlich weltweit um die 3 Millionen Alkoholtote. Cannabis 0! Alkohol: Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes und koronare Herzkrankheiten und Demenz, Gewaltbereitschaft, Unfälle, Vergewaltigungen, Psychosen, Verelendung, etc. Cannabis: Wenn geraucht kann es bei exzessivem Langzeitgebrauch zu Lungenproblemen führen. In seltenen Fällen Psychosen. Cannabis ist verboten, Alkohol legal. Ist das noch normal?