26.10.2020 19:17

Gelbe BriefkästenWer Briefe auf den nächsten Tag verschicken will, muss früh dran sein

Die Post leert ihre gelben Briefkästen immer früher. Wenn Briefe am nächsten Tag ankommen sollen, finden Berufstätige am Feierabend immer weniger Einwurfstellen. Das sorgt für Kritik.

von
Fabian Pöschl
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Die Post leert weniger als ein Drittel der gelben Briefkästen nach 17 Uhr.

Die Post leert weniger als ein Drittel der gelben Briefkästen nach 17 Uhr.

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Das ist vor allem für Angestellte ein Problem, die darauf angewiesen sind, dass sie die Briefe am Abend einwerfen können, sagt Babette Sigg, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums.

Das ist vor allem für Angestellte ein Problem, die darauf angewiesen sind, dass sie die Briefe am Abend einwerfen können, sagt Babette Sigg, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums.

Susann Basler/Andreas Sommer
Die Post begründet die frühen Leerungszeiten gegenüber 20 Minuten mit der abnehmenden Briefmenge. Stattdessen herrscht Päckli-Boom wegen des Onlinehandels.

Die Post begründet die frühen Leerungszeiten gegenüber 20 Minuten mit der abnehmenden Briefmenge. Stattdessen herrscht Päckli-Boom wegen des Onlinehandels.

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Darum gehts

  • Die Post leert ihre Briefkästen immer früher.

  • Das kommt bei Konsumentenschützern nicht gut an.

  • Angestellte sind auf späte Briefkastenleerungen angewiesen.

  • Die Post begründet die frühen Zeiten mit der abnehmenden Briefmenge.

Am Feierabend einen Brief per A-Post verschicken, damit er am nächsten Tag ankommt? Das wird immer schwieriger. Denn die Post leert über die Hälfte ihrer gelben Briefkästen werktags nach 10 Uhr nicht mehr, wie das Konsumentenmagazin «Saldo» berichtet.

Nach 17 Uhr leert die Post nicht mal mehr ein Drittel der Kästen, sonntags nur noch 12 Prozent, wie «Saldo»-Auswertungen ergeben haben (siehe Box) – und dies, obwohl die Post vor neun Jahren angekündigt hat, die Briefkästen später leeren zu wollen.

Angestellte sind auf späte Leerungen angewiesen

Die frühen Leerungszeiten kommen beim Schweizerischen Konsumentenforum schlecht an. «Wenn man arbeitet, ist man darauf angewiesen, die Briefe am Abend einwerfen zu können, weil vorher die Zeit fehlt», sagt Präsidentin Babette Sigg zu 20 Minuten. Sie wünsche sich, dass die Post ihre Briefkästen landesweit wieder wie früher am Abend leert.

Auch die Stiftung für Konsumentenschutz hat kein Verständnis für das Vorgehen der Post. Präsidentin Sara Stalder sagt auf Anfrage: «Die Post brüstet sich mit einer hohen Zahl an Zugangsstellen. Das macht sie, weil sie reihenweise Filialen schliesst.» Zu den Zugangspunkten rechne die Post auch Briefkästen. «Doch diese sind keinen Pfifferling wert, wenn die Leerungszeiten dermassen unnütz sind», so Stalder.

Sparkurs der Post

Tatsächlich baute die Post in den vergangenen Jahren rund 400 Filialen ab. Der neue Postchef Roberto Cirillo verordnete allerdings nach viel Kritik einen Kurswechsel. Von den gelben Briefkästen verschwand in den vergangenen 15 Jahren etwa ein Drittel, mittlerweile gibt es noch 14’500 von ihnen.

Die Post begründet die frühen Leerungszeiten gegenüber 20 Minuten mit der abnehmenden Briefmenge. Diese sei in den vergangenen zehn Jahren um rund 25 Prozent gesunken. Entsprechend würden auch die gelben Briefkästen der Post weniger genutzt.

Neue MyPost-24-Automaten

Insbesondere in Randgebieten abseits der Stadtzentren würden die gelben Briefkästen nur noch wenig genutzt. Deshalb leere der Pöstler den Briefeinwurf von Montag bis Samstag jeweils am Vormittag direkt auf seiner Tour.

Die Post habe nicht nur den Auftrag, sozial verantwortungsvoll und ökologisch zu handeln, sondern auch wirtschaftlich. Und das sei hier der Fall. Zudem baue die Post ihre Dienstleistungen etwa mit neuen MyPost-24-Automaten aus, damit Pakete und Briefe rund um die Uhr versendet oder abgeholt werden können.

Schlecht verteilte Briefkästen

Werktags leert die Post noch 4411 der rund 14’500 gelben Briefkästen nach 17 Uhr. Nach 19 Uhr leert sie 459 Einwurfstellen und sonntags nach 17 Uhr 194, wie das Konsumentenmagazin «Saldo» schreibt. Von den Kästen, die nach 19 Uhr geleert werden, befinden sich 40 im Basler Stadtgebiet, 11 am Bahnhof Bern (davon stehen drei unmittelbar nebeneinander), 9 am Bahnhof Zürich, 11 am Bahnhof Luzern und 6 am Bahnhof Lausanne. Auch die Briefkästen, die am Sonntag geleert werden, sind schlecht verteilt. In 15 Kantonen werden die Kästen am Sonntag nach 17 Uhr überhaupt nicht mehr geleert ( Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Freiburg, Glarus, Graubünden, Jura, Neuenburg, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Tessin, Thurgau, Uri, Wallis, Zug). Die Post begründet gegenüber «Saldo», dass Pendler aus diesen Kantonen ihre Briefe auch auf dem Arbeitsweg in den Städten aufgeben. Babette Sigg, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums, sieht darin einen Abbau der Leistungen in den ländlichen Gebieten. «Der Service public muss aber flächendeckend und allen zur Verfügung stehen», so Sigg zu 20 Minuten.

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373 Kommentare
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Dani

27.10.2020, 18:54

Auch mit Cirillo werden immer noch Poststellen geschlossen. Der Kurswechsel kommt erst danach. Keine einzige angekündigte Schliessung wurde zurückgenommen

Halllöchen

27.10.2020, 16:25

Alle 100% fehlerfreien,meldete euch bei der Post.

Langsam

27.10.2020, 16:19

Aber sicher jammert sich ein Teil bis überhaupt nichts mehr geht.