Unfall mit Wildtier - Wer das nicht meldet, macht sich strafbar
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Häufung von WildunfällenWer das nicht meldet, macht sich strafbar

Im Frühling häufen sich Unfälle mit Wildtieren. Im Kanton Baselland wurden alleine im April 34 gemeldet. Immer häufiger kommen Rehe unter die Räder, weil sie nach Streusalzresten suchen.

von
Lukas Hausendorf
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Auch Jungfüchse werden oft Opfer von Verkehrsunfällen. Wildunfälle sind meldepflichtig. Wer dies unterlässt, macht sich strafbar.

Auch Jungfüchse werden oft Opfer von Verkehrsunfällen. Wildunfälle sind meldepflichtig. Wer dies unterlässt, macht sich strafbar.

Kanton BL
Von 34 Wildunfällen, die im Kanton Baselland alleine im April registriert wurden, betrafen allein zwölf Rehe. «Ein Grund könnte auch die Suche nach Streusalzresten auf der Strasse sein», vermutet man bei der Baselbieter Jagdverwaltung.

Von 34 Wildunfällen, die im Kanton Baselland alleine im April registriert wurden, betrafen allein zwölf Rehe. «Ein Grund könnte auch die Suche nach Streusalzresten auf der Strasse sein», vermutet man bei der Baselbieter Jagdverwaltung.

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Wildunfälle könnten mit dem Einsatz von elektronischen Warnanlagen dramatisch reduziert werden, wie ein Versuch in Ziefen zeigt.

Wildunfälle könnten mit dem Einsatz von elektronischen Warnanlagen dramatisch reduziert werden, wie ein Versuch in Ziefen zeigt.

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Ausgerechnet während der Schonzeit im Frühling häufen sich jeweils Wildunfälle im Strassenverkehr. Im Kanton Baselland wurden allein im April 34 Unfälle mit Wildtieren gemeldet, allein zwölf davon mit Rehen, wie die Baselbieter Jagd- und Fischereiverwaltung am Montag mitteilte. Grund für die Zunahme solcher Unfälle ist nicht allein die erhöhte Aktivität des Wildes im Frühling. «Ein Grund könnte auch die Suche nach Streusalzresten auf der Strasse sein», vermutet man bei der Baselbieter Jagdverwaltung.

Die Gefahr ist vor allem zur Dämmerungszeit am grössten. «Im April und Mai überschneidet sich die Dämmerungszeit gerade am Morgen noch stark mit der Stosszeit im Berufsverkehr», erklärt Jagdverwalter Holger Stockhaus. Vorsicht sei besonders bei Übergangsbereichen zwischen Wald- und Feldzonen angebracht. Hier sei mit regelmässigen Wildwechseln zu rechnen, da die Tiere zur Futtersuche auf die Felder ziehen und danach wieder den Schutz des Waldes suchen.

Warnsystem im Test sehr effektiv

Dabei gibt es inzwischen Warnsysteme, die Wildunfälle dramatisch reduzieren können. Das zeigt ein Test des Kantons auf einer zwei Kilometer langen Teststrecke bei Ziefen im Oberbaselbiet. Wildtiere, die sich der Strasse nähern, werden dabei von Sensoren erfasst, die an den Randleitpfosten angebracht sind. Ebenfalls an den Pfosten montierte orange Blinklichter machen dann auf die Gefahr aufmerksam. Blinkt es am Strassenrand, gilt es, das Tempo zu reduzieren. Der zweijährige wissenschaftlich begleitete Feldversuch wird im Herbst abgeschlossen sein. Stockhaus zieht aber schon jetzt ein positives Fazit: «Wir haben dort seither praktisch keine Wildunfälle mehr gehabt.»

Wildunfall, was tun?

Verkehrsteilnehmer sind verpflichtet, Unfälle mit Tieren zu melden, eine Unterlassung ist strafbar. Wer dies nicht tut, macht sich nicht nur der Fahrerflucht, sondern auch der Tierquälerei schuldig. Kann ein Zusammenstoss mit einem Wildtier nicht verhindert werden, soll man auf panikartige Ausweichmanöver verzichten, die Fahrspur halten und maximal abbremsen. Nach dem Unfall die Unfallstelle mit Pannendreieck sichern und die Polizei benachrichtigen. Auf keinen Fall soll man sich dem Tier nähern. Die Unfallstelle darf nicht verlassen werden, bis Polizei und Jagdaufsicht vor Ort sind.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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