Mangelnde Konzentration: Wer den Arzt nervt, kriegt eher eine Fehldiagnose
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Mangelnde KonzentrationWer den Arzt nervt, kriegt eher eine Fehldiagnose

Ärzte behandeln alle Menschen gleich? Nein. Laut einer neuen Studie machen sie bei anstrengenden Patienten mehr Fehler.

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Wenn es um medizinische Diagnosen geht, haben schwierige Patienten schlechte Karten.

Wenn es um medizinische Diagnosen geht, haben schwierige Patienten schlechte Karten.

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Kein Patient ist wie der andere: Während die einen in ihrem Doktor einen Halbgott in Weiss sehen und allem, was er sagt, Folge leisten, gebärden sich andere schwierig. Sie stellen seine Kompetenz in Frage und missachten seinen Rat. Manche werden dazu noch aggressiv.

Das ist weder schön noch sinnvoll, wie Forscher um Henk Schmidt von der Erasmus-Universität in Rotterdam im Fachjournal «BMJ Quality & Safety» schreiben. Laut ihnen liegen genervte oder angesäuerte Ärzte mit ihrer Diagnose häufiger daneben als ihre entspannten Kollegen und ordnen entsprechend öfter falsche Therapien an.

Sechs Krankheitsfälle und eine Erkenntnis

In der experimentellen Studie liessen die Wissenschaftler 63 Ärzte, die sich im letzten Jahr vor ihrer Facharztprüfung zum Allgemeinmediziner befanden, sechs Fallszenarien lösen, von denen drei als komplex gelten. Jede Krankengeschichte gab es zudem in zwei Versionen: Einmal war der Patient pflegeleicht, das andere Mal schwierig (siehe Box). Dann beobachteten sie, was passierte.

Das Ergebnis: Die diagnostische Treffsicherheit der teilnehmenden Ärzte hing stark mit dem Verhalten der angeblichen Patienten zusammen: Bei der Aufklärung einer verhältnismässig leicht erkennbaren Erkrankung wie einer Lungenembolie stellten die Probanden bei 92 Prozent der schwierigen und 96 Prozent der angenehmen Patienten die richtige Diagnose. Deutlich grösser war der Unterschied, wenn die «Betroffenen» an komplexeren Krankheiten wie einer Schilddrüsenüberfunktion litten: War der Patient schwierig, betrug der Anteil an korrekten Diagnosen nur 29 Prozent, war er aber pflegeleicht, urteilten die Ärzte in 49 Prozent der Fälle richtig.

Den Grund für die Diskrepanz ermittelten Schmidt und seine Kollegen in einer zweiten Studie. Die zeigte, dass sich Ärzte bei unkomplizierten Patienten im Nachhinein besser an die Details des Leidens erinnerten, wie die Forscher in einem anderen Artikel des Journals schreiben. Hatte sich der Patient aber schwierig benommen, blieb vor allem seine Art im Gedächtnis.

Schwierig ist nicht gleich schwierig

So unterschiedlich wie Patienten sind, so unterschiedlich war auch das Auftreten der simulierten Kranken in der Studie: Während der eine aggressiv auftrat, entpuppte sich ein anderer als besonders anspruchsvoll. Der Dritte stellte die Kompetenz des Arztes in Frage, während der Vierte zumindest einen Rat ignorierte. Der Fünfte fühlte sich vom Arzt nicht ernst genug genommen. Der letzte Patient hingegen trat als völlig hilflos auf.

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