Schule: Wer den Lehrer nicht mag, beginnt zu trinken

Publiziert

SchuleWer den Lehrer nicht mag, beginnt zu trinken

Schweizer Jugendliche hadern mit ihren Lehrern. Das bleibt nicht folgenlos – und begünstigt das Trinken, Kiffen und Rauchen.

von
Stefan Ehrbar
1 / 3
Das Verhältnis zu den Lehrpersonen hat einen Einfluss darauf, wie häufig und in welchem Alter Jugendliche Alkohol konsumieren. Das zeigt eine neue Studie von Sucht Schweiz.

Das Verhältnis zu den Lehrpersonen hat einen Einfluss darauf, wie häufig und in welchem Alter Jugendliche Alkohol konsumieren. Das zeigt eine neue Studie von Sucht Schweiz.

AP/Joerg Sarbach
Dasselbe gilt fürs Rauchen und Kiffen. Wer sich von den Lehrern unterstützt fühlt, beginnt tendenziell später mit dem Konsum der Substanzen – und hält dann eher Mass.

Dasselbe gilt fürs Rauchen und Kiffen. Wer sich von den Lehrern unterstützt fühlt, beginnt tendenziell später mit dem Konsum der Substanzen – und hält dann eher Mass.

AP/Bernd Kammerer
Eine gute Beziehung zwischen Lehrer und Schüler müsse an erster Stelle stehen, findet Psychologe Andrea Lanfranchi. «Das sollte jetzt auch den Hardlinern unter den Lehrern klar geworden sein.»

Eine gute Beziehung zwischen Lehrer und Schüler müsse an erster Stelle stehen, findet Psychologe Andrea Lanfranchi. «Das sollte jetzt auch den Hardlinern unter den Lehrern klar geworden sein.»

A3602/_frank Rumpenhorst

Fast die Hälfte der Mädchen im Alter von 14 Jahren hat nicht viel Vertrauen in ihre Lehrer. Vier von zehn glauben nicht, dass sich ihre Lehrer für sie als Person interessieren. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie von Sucht Schweiz. Das kann fatale Folgen haben, denn je schlechter die Beziehung zu den Lehrern ist, desto früher und häufiger konsumieren die Schüler Alkohol oder Cannabis.

Bei den Buben sind die Werte besser. Statistisch relevant sind die Unterschiede allerdings nicht, wie Studienautorin Yvonne Eichenberger von Sucht Schweiz sagt. Ein schlechtes Verhältnis zu den Lehrern ist problematisch.

Wer den Lehrer mag, kifft weniger

So schreiben die Forscher, dass Schüler mit einer guten Beziehung zu den Lehrern weniger rauchen, Alkohol trinken oder kiffen. Zudem hängt die wahrgenommene Unterstützung durch die Lehrer damit zusammen, wie häufig und wie früh die Jugendlichen mit dem Konsum beginnen.

Diese Zusammenhänge seien nicht einseitig, sagt Eichenberger. Auch könnten weitere, in der Studie nicht untersuchte Faktoren den Zusammenhang beeinflussen. Der Gedanke liege aber nahe, dass eine Verbesserung des Verhältnisses zu den Lehrern auch einen Einfluss auf den Konsum von Alkohol, Tabak oder Cannabis hat.

«Beziehung steht an erster Stelle»

Die Studie belege, was aus früherer Forschung bekannt sei, sagt Andrea Lanfranchi, Leiter Forschung der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik. «Die Beziehung zwischen Lehrperson und Schüler steht nicht nur beim Lernen, sondern auch beim Wohlbefinden an erster Stelle.» Das sei sehr wichtig.

In der politischen Diskussion werde dieser Aspekt zwar oft herablassend diskutiert. «Spätestens jetzt sollte es aber auch Hardlinern unter den Lehrern klar geworden sein, wie ungeheuer wichtig ein von Wertschätzung geprägtes Klima ist.»

Verdrossenheit bei den Schülern

Lehrer müssten mit Klarheit, aber auch fürsorglich und engagiert unterrichten. Zwar sei die Fachkompetenz wichtig. Für den Lernerfolg und das Befinden sei aber die Beziehung zu den Schülern bedeutsamer, sagt Psychologe Lanfranchi.

Ähnlich sieht das der Schweizer Lehrerverband. Mögliche Erklärungen für die tiefen Werte könnten das unterschiedliche kollegiale und familiäre Umfeld sein, sagt Geschäftsleitungsmitglied und Schulleiter Bruno Rupp. «Bei einigen Schülern zeigt sich gegen Ende der Schulzeit eine gewisse Schulmüdigkeit und vielleicht sogar Verdrossenheit.»

«Vertrauen ergibt sich nicht von selbst»

Wichtig sei eine gemeinsame Haltung der Lehrer, der Familie und der Schüler. «Vertrauen ergibt sich nicht von selbst, es muss aufgebaut und gepflegt werden», sagt Rupp.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass eine gute Beziehung zu den Lehrern die persönlichen Einstellungen und Überzeugungen von Jugendlichen beeinflusst. So können sie dem Druck anderer, Alkohol oder Cannabis zu konsumieren, besser widerstehen.

Die Studie basiert auf Daten der internationalen Jugendbefragung HBSC, für die in der Schweiz knapp 10'000 Schüler zwischen 10 und 15 Jahren befragt wurden.

«Wie viel ist zu viel?»: Vom 11. bis 21. Mai macht die Schweiz den Alkohol zum Thema

In der Schweiz trinkt jede fünfte Person zu viel Alkohol. Jeder sollte sich mit dem eigenen Konsum befassen und sich die Frage stellen: «Wie viel ist zu viel?». Genau diese Frage steht im Zentrum der Dialogwoche Alkohol vom 11. bis 21. Mai. Sie findet bereits zum vierten Mal statt, organisiert vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und seinen Partnern. In der ganzen Schweiz laden Veranstaltungen, Shows, Filmvorführungen, Theaterstücke, Runde Tische oder Ausstellungen zum Diskutieren und Nachdenken ein.

Deine Meinung