Armee: Wer die Armee versteht, versteht vielleicht auch das Land
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ArmeeWer die Armee versteht, versteht vielleicht auch das Land

Das Milizsystem als Schlüssel zum Verständnis der Schweiz und als verbindendes Element zwischen Militär, Politik und Gesellschaft: Mit diesem Bild hat sich die Schweizer Armee Offizieren aus 14 Ländern an einer Tagung in Luzern vorgestellt.

Eigentlich hätte Bundesrat Samuel Schmid den Teilnehmern des Seminars das Milizsystem erläutern sollen. Doch gab er kurzfristig einer Veranstaltung der (von der Zentralschule der Armee und der Luzerner Offiziersgesellschaft getragenen) «Chance Miliz», ebenfalls in Luzern, den Vorzug, wie ein VBS-Sprecher auf Anfrage sagte.

Anstelle von Schmid gab Botschafter Raimund Kunz den rund 30 Teilnehmern des Seminars der Partnership-for-Peace (PfP) einen Einblick ins Milizsystem. Dieses sei ein wichtiges soziales Bindeglied. Und wer es verstehe, verstehe vielleicht auch das Land.

Zu wenig Polizisten

Ein klares Bekenntnis zur Miliz gab Nationalrat Pius Segmüller (CVP/LU) ab. Bei einer Berufsarmee bestehe die Gefahr, dass sich die Truppe von der Gesellschaft abspalte. Sicherheitspolitik brauche den direkten Kontakt zur Basis. Segmüller zweifelt indes, ob sich heute alle Schweizer bewusst sind, dass es bei der Sicherheitspolitik um die Verteidigung von Schweizer Werten geht.

Ein Defizit macht der Sicherheitspolitiker und ehemalige Kommandant der Schweizer Garde bei der Polizei aus. Die Schweiz habe im Vergleich mit Europa die tiefste Zahl von Polizisten, nämlich 1,9 auf 1000 Einwohner (Italien habe 4,7, Frankreich 3,8 und Deutschland 3,6). «Das ist nicht genug und muss so schnell wie möglich geändert werden.»

Auch Wirtschaft profitiert

Das Milizsystem aus der Sicht der Wirtschaft beleuchtete Urs Breitmeier, CEO der Ruag Land Systems AG. Positiv sei etwa die Führungserfahrung. Beide Seiten profitierten, wenn es der Armee gelinge, die besten Leute für die Kader zu rekrutieren. Solange die Resultate gut seien, nehme die Wirtschaft auch die Absenzen der Kader durch den Militärdienst in Kauf.

Das viertägige PfP-Seminar der Confédération Interalliée des Officiers de Réserve (CIOR) wurde von der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) aus Anlass ihres 175-jährigen Bestehens durchgeführt. Neben Offizieren aus verschiedenen Ländern Europas und den USA sowie der Schweiz nahmen sechs Militärattachés an der Veranstaltung teil.

(sda)

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