Aktualisiert 14.07.2009 12:32

Interview mit Bruno Stanek«Wer die Mondlandung leugnet, hat kein Hirn»

Er erklärte den Schweizern den Weltraum und wurde ein TV-Star: Heute ärgert sich Bruno Stanek über das technologie-feindliche Fernsehen und über Zweifler an der Mondlandung. Die Zukunft liegt für ihn auf dem Mars.

von
Peter Blunschi

20 Minuten Online: Sie waren sehr jung, erst 25 Jahre alt, als Sie die erste Mondlandung kommentierten. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Bruno Stanek: Ich kam nicht aus dem Nichts, sondern hatte zuvor schon Testflüge der NASA kommentiert. Ich stellte mich zur Verfügung, weil beim Fernsehen einiges an Verbesserung möglich war in Sachen Fachwissen, und wurde augenblicklich in den Vordergrund gestellt. Allerdings habe ich auch die Erfahrung mit einem Naturgesetz gemacht: Wer beim Publikum Erfolg hat, hat im Haus Probleme, und umgekehrt.

Sie machten schlechte Erfahrungen beim Fernsehen?

In den ersten Jahren nicht, aber später stand ich zunehmend im Gegenwind und musste Widerstände überwinden, vor allem eine zunehmende Technologie-Feindlichkeit.

Dabei waren Sie ein Star, Ihre Sendungen waren Strassenfeger. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Es war eine grossartige Erfahrung. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zum damaligen Fernsehdirektor, der mir die Mittel zur Verfügung stellte. Zeitweise hatte ich eine eigene Sendereihe. Man liess mich machen und das Publikum hat es honoriert. Später hat sich das geändert, mit der Zeit haben Leute ohne fachliche Grundlagen entschieden. Es ist bezeichnend, dass ich zum Jubiläum der Mondlandung von der Sendung «Kulturplatz» eingeladen wurde, nicht aber von der Wissenschaftsredaktion.

Was bleibt Ihnen besonders gut in Erinnerung?

Der Kontakt zu den Zuschauern, sei es im Zug oder bei Vorträgen. Ich erfuhr, was die Leute genauer wissen wollten, oder was sie falsch verstanden haben, und konnte es in die Sendungen einbauen. Es war ein gewaltiger Lernprozess, auch für mich.

Wären Sie selber gerne zum Mond geflogen?

Ich konnte es so wenig wie jene, die es noch mehr verdient hätten, etwa der Konstrukteur Wernher von Braun. Man musste Jetpilot sein, und ich war dienstuntauglich wegen eines Unfalls. Umso mehr bewundere ich den Schweizer Astronauten Claude Nicollier, der fast gleich alt ist wie ich. Er hat das versucht, das Unmögliche möglich zu machen.

Bald soll es private Raumflüge geben.

Das reizt mich nicht besonders, man erlebt nur drei bis fünf Minuten Schwerelosigkeit. Die Flüge mit Richards Bransons Virgin Galactic kosten 200 000 Dollar, das ist 100 Mal weniger als die 20 Millionen, die man für einen Flug mit der russischen Sojus zahlen muss. Trotzdem würde mich ein solcher mehr reizen. Aus Gesprächen mit Astronauten weiss ich, dass es in der Regel ein paar Tage dauert, bis das Hirn auf Schwerelosigkeit umprogrammiert ist und man den Flug richtig geniessen kann.

Die Amerikaner planen die Rückkehr zum Mond. Ist das realistisch?

Absolut. Amerika hat die Erfahrung und die bewährte Technik. Es ist typisch für unsere Zeit, dass man eine solche Frage überhaupt stellt.

Aber sind der Wille und das Geld vorhanden?

Der Wille ist da, und kein Präsident will als derjenige in die Geschichte eingehen, der ein neues Mondprogramm kaputt gemacht hat, schon gar nicht wenn er sich mit John F. Kennedy vergleichen lassen muss, der die Mondmission lanciert hatte. Hinzu kommt, dass die Enkel der damaligen Astronauten auch etwas machen wollen, worauf sie stolz sein können. Und Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung will, dass die USA wieder etwas Grosses machen.

Trotzdem glauben immer noch viele Leute, die Amerikaner seien gar nie auf dem Mond gewesen.

Die haben kein Hirn, sonst würden sie die Widersprüche sehen. Die Russen hätten doch sofort alles publik gemacht. Ich habe mit Kosmonauten geredet, die haben über solche Geschichten nur gelacht. Aus purem Antiamerikanismus und Neid wird behauptet, die USA seien nicht dort gewesen, sogar TV-Anstalten machen dabei mit. Für Holocaust-Leugnung kommt man ins Gefängnis, wer die Mondlandung leugnet, kommt ins Fernsehen.

Nach dem Mond soll das nächste Reiseziel der Mars sein.

Der Mars ist in meinen Vorträgen die Gegenwart, nicht die Zukunft. Seit fünfeinhalb Jahren fahren zwei Autos dort herum, nur wissen die Leute nichts davon. Der Mars ist eine zweite Welt mit allem, was man braucht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man sie als neuen Lebensraum erschliesst. Aber zuerst kommt der Mond, die Reise dorthin dauert nur drei Tage statt ein halbes Jahr, und man kann dort alles testen.

Werden Sie eine bemannte Marslandung noch erleben?

Nur wenn ich älter werde, als ich annehme, und nur wenn es so schnell geht wie vor der ersten Mondlandung. Wenn es länger dauert, dann erlebe ich es nicht mehr. Wobei es theoretisch möglich ist, verschiedene meiner Vorfahren sind 90 Jahre alt geworden.

Bruno Stanek

Bruno Stanek wurde in Rorschach geboren und studierte Mathematik an der ETH Zürich. In den 70er Jahren war er Stammgast auf dem Bildschirmen, 1975 und 1976 hatte er eine eigene Sendereihe unter dem Titel «Neues aus dem Weltraum». Bruno Stanek lebt als Autor und Softwareentwickler in Arth, er hat diverse Büchern verfasst und die DVDs «Planetenlexikon» und «Flugjahre zum Mond» produziert. Ausserdem hält der 65-Jährige regelmässig Vorträge zum Thema Raumfahrt (siehe Link).

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