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Traditionsfirmen am EndeWer die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat

Kodak hat die Zeichen der Zeit verschlafen – und ist damit nicht allein auf der Welt. Schon mancher Traditionskonzern ist als Dinosaurier untergegangen.

von
Elisabeth Rizzi

Der amerikanische Fotokonzern Kodak ist am Ende und muss Insolvenz anmelden. Sein Schicksal ist typisch für die traditionellen Filmproduzenten. Sie wurden von der Digitalisierung von Film und Fotografie überrannt und haben zu lange gezögert, Ersatzprodukte für ihre herkömmlichen Filmstreifen zu entwickeln.

So hat auch der 1937 gegründete Sofortbild-Produzent Polaroid 2008 nach einem Betrugsverfall ein Insolvenzverfahren beantragt. Inzwischen versucht das angeschlagene Unternehmen mit Digitaltechnik wieder Fuss zu fassen – allerdings auf viel kleinerer Flamme als es der frühere Weltkonzern tat. Genauso in der Bedeutungslosigkeit versunken ist auch die 1867 entstandene Agfa.

Produkte, die die Welt heute nicht mehr braucht

Auch die Schweizer Firma Paillard-Bolex wurde auf dem falschen Fuss erwischt. Ironischerweise war es Kodak, die den Filmkamera-Hersteller in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts mit ihren neuen Super-8-Filmkassetten aus dem Markt warfen. Übrigens wurden auch die Hermes-Schreibmaschinen durch Paillard-Bolex hergestellt. Wie man weiss, wurden die Schreibmaschinen durch den Computer ersetzt. 1989 verliess die letzte der legendären «Hermes Baby»-Schreibmaschinen das inzwischen zu Olivetti gehörende Werk.

In die gleiche Klasse fällt Univac: Der Name des 1951 entwickelten Grossrechners wurde lange als Synonym für den Begriff «Computer» verwendet. Doch die Firma Sperry Rand mit ihrem ersten kommerziell hergestellten Computer in den USA verpasste den Trend zu Personal Computers. 1986 fusionierte das Unternehmen mit Burroughs Corporation und wurde zu Unisys.

Die Fusion wurde damals als Dinosaurierhochzeit in der Informatikbranche bekannt. Burroughs kaufte Sperry 1986 zu einem Preis von 4,8 Milliarden US-Dollar. Heute gelten ganz andere Preisgrössen. Ein Beispiel: Microsoft wollte mehr als 20 Jahre später erfolglos den Internetanbieter Yahoo für 44 Milliarden US-Dollar übernehmen. Unisys versucht sich entsprechend heute zum Software- und Dienstleistungsanbieter zu wandeln. Die Bedeutung des Konzerns ist vergleichsweise winzig wenn man den Umsatz von rund 4,5 Milliarden Dollar mit den 70 Milliarden Dollar des Softwaregiganten Microsoft vergleicht.

Veränderte Lebensgewohnheiten

Auch im Konsumgüterbereich haben diverse Kult-Unternehmen neue gesellschaftliche Trends verschlafen. Ein Beispiel ist der Modelleisenbahn-Hersteller Märklin. Er warf munter Spielzeug-Züge auf den Markt und heizte eine weltweite Überproduktion bei den Modelleisenbahnen an. Dabei übersah Märklin, dass die Kundschaft zunehmend überalterte. 2010 meldete das Traditionsunternehmen Insolvenz an. Jetzt versucht es wieder Boden zu finden.

Insolvenz musste vor zwei Jahren auch der 1879 gegründete Porzellanhersteller Rosenthal anmelden. Das Unternehmen hatte verschlafen, dass auch Geschirr zunehmend zum Modegegenstand wird, der alle paar Jahre ausgewechselt wird. Die teuren und für einen lebenslangen Gebrauch gedachten Sets von Rosenthal passten da einfach nicht mehr dazu.

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