Strafbefehl erhalten: Wer dieses Gerät bestellt, macht sich strafbar

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Strafbefehl erhaltenWer dieses Gerät bestellt, macht sich strafbar

Für ihre Vorträge bestellte die 25-jährige Studentin A.D. einen günstigen Laserpointer auf Amazon. Das Gerät kam sie am Ende jedoch teuer zu stehen.

von
Zoé Stoller
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Online kostete der Laserpointer nur 11.42 Euro und war somit günstiger als in einem Geschäft.

Online kostete der Laserpointer nur 11.42 Euro und war somit günstiger als in einem Geschäft.

Screenshot Amazon
Weil der bestellte Laser für die Schweiz jedoch zu stark ist, wurde die Studentin auf dem Polizeiposten verhört.

Weil der bestellte Laser für die Schweiz jedoch zu stark ist, wurde die Studentin auf dem Polizeiposten verhört.

20min/Matthias Spicher
Sie wurde verurteilt und musste 100 Franken Busse und 255 Franken für die Verfahrenskosten bezahlen.

Sie wurde verurteilt und musste 100 Franken Busse und 255 Franken für die Verfahrenskosten bezahlen.

A. D.

Darum gehts

Weil die Freiburger Studentin A.D.* in ihren Seminaren viele Vorträge halten muss, wollte sie sich einen Präsentationspointer anschaffen. Damit sollte sie ihre Präsentationen besser animieren können. Weil Präsentationsfernbedienungen in den Geschäften für D. zu teuer waren, wollte sie sich ihren Laser auf der Verkaufsplattform Amazon bestellen. Sie bezahlte den Preis von 11.42 Euro direkt online – doch das Gerät sollte sie noch viel teurer zu stehen kommen. 

«Ich habe einen Brief gekriegt, in dem stand, der Laser werde beim Gesundheitsamt überprüft. Dort fand man anscheinend heraus, dass der Laserpointer mit dem Schweizer Gesetz nicht konform ist. Er war wohl zu stark für die Schweiz», sagt die 25-Jährige. Sie sei darauf hingewiesen worden, dass der Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden sei. «Dann meldete sich ein Freiburger Polizist bei mir und bat mich für ein Verhör auf die Wache. Dort musste ich erklären, wie es dazu kam, dass ich mir diesen Laser bestellt hatte, und was meine Absichten damit waren.» Schliesslich erhielt D. ein Schreiben, in dem sie mittels Strafbefehl für schuldig erklärt wurde. «Dann musste ich anstatt der anfänglich nur 11.42 Euro dazu noch 100 Franken Busse und 255 Franken Verfahrenskosten bezahlen. Unglaublich teuer», so die Studentin. Ausserdem hat sie nun einen Eintrag im Strafregister – und das wegen einer unüberlegten Bestellung.

«So einfach strafbar»

«Die Informationen haben auf der Webseite einfach gefehlt. Das ist ziemlich ärgerlich.» Sie hätte sich gewünscht, dass man sie beim Verkauf darauf hingewiesen hätte, dass der Laser in anderen Ländern möglicherweise verboten sei. «Das hätte man kommunizieren müssen. Viele wissen das wahrscheinlich nicht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich mich so einfach strafbar machen kann.» Das Urteil will D. nicht anfechten, weil sie für den Fall nicht noch mehr Geld ausgeben und deshalb keine Anwältin oder keinen Anwalt nehmen will. «In Zukunft passe ich viel besser auf, was ich bestelle. Am besten kaufe ich heikle Produkte direkt im Laden. Weil es bei der Beschreibung keine Angaben zur Intensität gab, habe ich mir da keine Gedanken gemacht. Deshalb war ich so erschrocken, dass ich mich plötzlich in so einer Lage befand.»

Schlussendlich hat D. demnach zwar viel Geld bezahlt, steht aber dennoch ohne Präsentationspointer da.

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Darüber informieren, welche Waren verboten sind

«Käuferinnen und Käufer können sich vorgängig auf der Homepage des BAZG darüber informieren, welche Waren verboten sind oder nur beschränkt, z. B. mit einer Bewilligung, ein-, aus- oder durchgeführt werden dürfen», sagt Simon Erny, Mediensprecher des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit auf Anfrage. «Es ist nicht die Aufgabe des BAZG, Firmen und Unternehmen aktiv darauf hinzuweisen, welche Waren bei der Ein-, Aus- oder Durchfuhr einer Beschränkung unterliegen oder illegal sind.»

Nicht alle Online-Produkte sind legal

Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes, erklärt: «Konsumentinnen und Konsumenten müssen sich bewusst sein, dass nicht alles, was online angeboten wird, legal ist. Es ist aber klar, dass die Leute die komplizierten Regeln nicht präsent haben können.» Wichtig sei, dass Käuferinnen und Käufer wüssten, dass sie in eine Falle laufen könnten.

«Leider ist eine Vorinformation bei einigen Produkten unumgänglich; am besten kontaktiert man den Anbieter», so Stalder. Im Idealfall sei deklariert, ob das Gerät die Schweizer Regeln einhalte – doch bei grossen international tätigen Marktplätzen sei das nie der Fall. «Dafür ist der Schweizer Markt zu klein.»

*Name der Redaktion bekannt

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