Autoren-Boom: «Wer ein Buch geschrieben hat, gilt als klug»
Aktualisiert

Autoren-Boom«Wer ein Buch geschrieben hat, gilt als klug»

Viele Schweizer schreiben Bücher: Coach Evelyn Wenzel erklärt den Reiz daran.

von
B. Zanni
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Coach Evelyn Wenzel sagt: «Wer ein Buch geschrieben hat, drückt damit das Statussymbol Wissen aus und geht davon aus, dass andere Menschen einen als besonders intelligent wahrnehmen.» Der Schweizer Schriftsteller Pedro Lenz liest aus seinem Buch «Der Goalie bin ig» während einer Lesung bei den Solothurner Literaturtagen am Freitag, 14. Mai 2010 in Solothurn.

Coach Evelyn Wenzel sagt: «Wer ein Buch geschrieben hat, drückt damit das Statussymbol Wissen aus und geht davon aus, dass andere Menschen einen als besonders intelligent wahrnehmen.» Der Schweizer Schriftsteller Pedro Lenz liest aus seinem Buch «Der Goalie bin ig» während einer Lesung bei den Solothurner Literaturtagen am Freitag, 14. Mai 2010 in Solothurn.

Keystone/Peter Klaunzer
Die Engländerin Joanne K. Rowling landete mit ihren Büchern über den Zauberlehrling Harry Potter mehrere Bestseller. Die Bücher von Autoren wie ihr ...

Die Engländerin Joanne K. Rowling landete mit ihren Büchern über den Zauberlehrling Harry Potter mehrere Bestseller. Die Bücher von Autoren wie ihr ...

AP/Joel Ryan
... oder Stephenie Meyer (zweite von rechts), Verfasserin der Twilight-Saga, inspirieren manche Hobby-Schriftsteller, selber zur Feder zu greifen.

... oder Stephenie Meyer (zweite von rechts), Verfasserin der Twilight-Saga, inspirieren manche Hobby-Schriftsteller, selber zur Feder zu greifen.

Matt Sayles

Frau Wenzel, immer mehr Schweizer veröffentlichen ein eigenes Buch. Was ist der Reiz daran?

Zum einen ist es eine Form von Selbstvermarktung. Kann man sein Fachwissen in einem Buch vorweisen, steigert man seinen Expertenstatus auf dem Stellenmarkt. Man erhält mehr Glaubwürdigkeit in der eigenen Branche. Zum anderen gibt es aber auch Menschen, die ein Buch schreiben, um eine bestimmte Lebenssituation wie eine Krise oder einen Schicksalsschlag zu verarbeiten. Es gibt ja das Sprichwort «Wovon das Herz voll ist, quillt der Mund über». Dabei entsteht der Wunsch, anderen Menschen in einer ähnlichen Lage Hilfestellung zu leisten. Und dann gibt es ganz viele Leute, die einfach sehr gerne lesen und denken: «Jetzt habe auch ich etwas zu erzählen.»

Das Internet bietet doch bereits eine Unmenge an Kanälen, um sich auszudrücken.

Ein Buch hat viel mehr Gewicht als ein Blog oder ein Facebook-Post. Wer ein Buch veröffentlicht hat, steht «materiell» bei jemandem zu Hause in einem Bücherregal. Hingegen ist alles, was elektronisch herumschwirrt, sehr kurzlebig. Ein Buch stärkt das eigene Ego viel mehr. Man kann es herumzeigen, verschenken oder feierlich daraus vorlesen.

Welche Rolle spielt der Wunsch nach Berühmtheit?

Natürlich hofft jeder, der ein Buch veröffentlicht, damit ins Schwarze getroffen zu haben und gross herauszukommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auch nur einen einzigen Autor gibt, der sich bei einem Erfolg verstecken würde.

Sind diese Menschen also selbstverliebt?

Ich würde eher sagen, dass sie manchmal wenig selbstkritisch und etwas blind sind. Es gibt sehr viele Autoren mit wertvollen Büchern, die aus Selbstverlagen hervorgingen. Es gibt aber auch viele Bücher, die kein Leserinteresse wecken. Die Autoren brennen dabei so stark für ihr Thema, dass ihnen ein objektiver Beobachterblick fehlt. Sie sind voll und ganz davon überzeugt, dass ihr Buch auch den Rest der Welt überzeugt.

Was fängt man mit einem Buch an, wenn man merkt, dass kein Hahn danach schreit?

Egal, wie gut ein Buch ankommt – es erfüllt den Autor immer mit etwas Stolz. Geld, Macht und Wissen sind die drei Statussymbole in unserer Gesellschaft. Wer ein Buch geschrieben hat, drückt damit das Statussymbol Wissen aus und geht davon aus, dass andere Menschen einen als besonders intelligent wahrnehmen.

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