Gesundheitskosten: Wer ein günstiges Spital wählt, soll Geld erhalten
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GesundheitskostenWer ein günstiges Spital wählt, soll Geld erhalten

Ein Drittel der Gesundheitskosten fällt bei den Spitälern an. Die Denkfabrik Avenir Suisse will deshalb Patienten belohnen, die günstige Angebote nutzen.

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pam
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Avenir Suisse
Da im Spitalbereich ein Drittel der Gesundheitskosten anfällt, will die liberale Denkfabrik dort ansetzen. In einer neuen Studie hat sie Vorschläge erarbeitet.

Da im Spitalbereich ein Drittel der Gesundheitskosten anfällt, will die liberale Denkfabrik dort ansetzen. In einer neuen Studie hat sie Vorschläge erarbeitet.

Keystone/Gaetan Bally
Eine Idee, um die Kosten zu senken: Die Patienten sollen vor einer Spitalbehandlung über die Qualitäts- und Kostenunterschiede bei der Spitalwahl informiert werden.

Eine Idee, um die Kosten zu senken: Die Patienten sollen vor einer Spitalbehandlung über die Qualitäts- und Kostenunterschiede bei der Spitalwahl informiert werden.

Keystone/Martin Ruetschi

Die Kosten für das Schweizer Gesundheitssystem steigen rasant. Allein seit 2010 haben sie um 15 Prozent zugenommen. Stark ins Gewicht fallen dabei die Leistungen der Spitäler. Sie sind für 35 Prozent der gesamten Kosten verantwortlich. Deshalb fordert die liberale Denkfabrik Avenir Suisse in einer neuen Studie, dort anzusetzen.

Sie schlägt vor, den Wettbewerb unter den Spitälern spielen zu lassen. Zwar dürfen Versicherte schon seit 2012 frei wählen, in welchem Spital sie sich behandeln lassen wollen. Findet die Behandlung ausserkantonal statt, beteiligt sich der Wohnkanton an einem festgesetzten Referenztarif. Avenir Suisse ortet jedoch in den sogenannten Spitallisten weiterhin Möglichkeiten, dass die Kantone zu hohe Leistungen verrechnen und ihre Spitäler vor der Konkurrenz schützen.

Patienten sollen von günstiger Wahl profitieren

Um dies zu ändern und die Kosten zu senken, will Avenir Suisse die Patienten entscheiden lassen. Krankenkassen könnten ein Versicherungsmodell entwickeln, in dem sie Patienten vor einer Spitalbehandlung über die Qualitäts- und Kostenunterschiede bei der Spitalwahl informieren. Wählen sie ein günstigeres, aber qualitativ gleichwertiges Angebot, etwa beim Spital im Nachbarkanton, schreibt ihnen die Krankenkasse die Hälfte des gesparten Geldes auf der Rechnung gut. Oder senkt die monatliche Prämie. Die andere Hälfte behält die Krankenkasse.

In der Studie wird die Massnahme anhand eines konkreten Falls durchgerechnet: Eine Strahlentherapie kostet im Basistarif am Unispital Zürich 11 110 Franken. Am Salem Spital in Bern hingegen belaufen sich die Kosten auf 9576 Franken. Diese Basistarife werden laut einem festgelegten Faktor hochgerechnet. In diesem Fall beträgt er 4,77. Lässt sich also ein Patient in Bern behandeln, können 7314 Franken gespart werden.

«Teure Spitäler werden gezwungen, effizienter zu arbeiten und das Preis-Leistungs-Verhältnis demjenigen der Konkurrenz anzupassen», heisst es in der Studie. Damit die Patienten überhaupt wissen, welche qualitativ vergleichbaren Spitalleistungen es gibt, brauche es jedoch Transparenz.

«Die Mobilität der Patienten fördern»

Dies will Avenir Suisse mit einer Schweizer Agentur für Spitalqualität erreichen. Diese soll die heutigen Spitallisten ersetzen, in denen die Kantone festlegen, welche Spitäler den Kassen ihre Leistungen in Rechnung stellen dürfen. «Die Einführung von einheitlichen, schweizweit gültigen Qualitätskriterien soll dem weitverbreiteten Kantönligeist entgegentreten und die Mobilität der Patienten fördern», heisst es in der Studie.

SP-Nationalrätin Barbara Gysi glaubt hingegen nicht, dass mehr Wettbewerb die Spitalkosten senken würde. Denn es bestehe die Gefahr, dass durch die «Jagd auf die lukrativsten Eingriffe» wie Herz-, Knie- und Hüftoperationen die Ärzte Anreize erhielten, um Eingriffe durchzuführen, die gar nicht nötig seien.

Führt mehr Wettbewerb zu unnötigen Eingriffen?

«Konkurrenz reduziert die Kosten also nicht, sondern treibt sie gar noch in die Höhe», sagt Gysi. Profitieren würden letztlich die Ärzte mit höheren Boni sowie private Investoren mit gesteigerten Renditen. Zudem würde ein solches Modell zu Lasten von chronisch Kranken gehen. «In der Regel sollten die Behandlungen in der Nähe des sozialen Umfelds stattfinden, damit auch Besuche gemacht werden können.»

Dass die Patienten vor einem Eingriff über die Unterschiede bei Kosten und Qualität informiert werden, findet Gysi aber sinnvoll, sofern diese durch Patientenstellen erfolgt. «Die Information soll zum Nutzen der Patienten sein. Es ist gut, wenn diese besser Bescheid wissen.» Zudem müsse das Ziel sein, dass alle Patienten auch Zugang zu Zweitmeinungen erhielten, um zu entscheiden, ob ein Eingriff in ihrem Fall überhaupt nötig sei.

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