Basel – Würdest du einer armutsbetroffenen Person eine Pizza spenden?
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BaselWürdest du einer armutsbetroffenen Person eine Pizza spenden?

Armutsbetroffene können in Basel gespendete Pizza essen. Möglich macht das die Aktion «Pizza Sospesa» des erfolgreichen Basler Gastro-Start-ups Vito. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben solle nicht am Portemonnaie scheitern, findet das Unternehmen.

von
Vanessa Travasci
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Bei einer «Pizza Sospesa» gibt Habiba Osman im Gespräch einen Einblick in die Situation von Menschen mit Migrationserfahrung in der Schweiz. 

Bei einer «Pizza Sospesa» gibt Habiba Osman im Gespräch einen Einblick in die Situation von Menschen mit Migrationserfahrung in der Schweiz.

Vito
Die Somalierin arbeitet in der Reinigungsbranche und bei Surprise. Die fünffache Mutter kennt die Lebensrealität von Armutsbetroffenen in der Schweiz.

Die Somalierin arbeitet in der Reinigungsbranche und bei Surprise. Die fünffache Mutter kennt die Lebensrealität von Armutsbetroffenen in der Schweiz.

Vito
Für einen Fünfliber kann ein Stück Pizza gespendet werden. Die Streichhölzer verraten, wie viele Pizzas gespendet und zum Essen bereit sind. 

Für einen Fünfliber kann ein Stück Pizza gespendet werden. Die Streichhölzer verraten, wie viele Pizzas gespendet und zum Essen bereit sind.

Vito

Darum gehts

  • In der Pizzeria Vito in Basel gibt es gespendete Pizza für armutsbetroffene Menschen.

  • Die Aktion läuft von Dezember bis Februar.

  • Menschen in finanzieller Notlage werden so unterstützt.

Kauft man bei Vito eine Pizza, kann von Dezember bis Februar ein weiteres Stück gespendet werden. Mit der Aktion setzen die Gastronomen ein Zeichen gegen Ausschluss aus der Gesellschaft. «Denn Teilnahme am sozialen Leben soll nicht von der Grösse des Portemonnaies abhängig sein», erklärt Anaï Becerra, Projektleiterin der Aktion.

Und so funktionierts: Isst man bei Vito ein Stück Pizza, kann man für weitere fünf Franken ein Stück spenden. Als Ergänzung zum letzten Jahr gibt es die Möglichkeit, für 50 Franken eine Familie oder Kleingruppen zu verköstigen. Wie viele gespendete Stücke zum Essen bereit sind, erkennt man an den verbrannten Streichhölzern, welche beim Tresen aufgestellt sind. «Die Zündhölzli dienen als Barometer», ergänzt Becerra. Letztes Jahr wurden so 2225 Gäste verköstigt. Der Erfolg des letzten Jahres hat Vito dazu animiert, die Aktion dieses Jahr zu wiederholen.

Gemeinsam essen zu gehen, liegt für viele nicht drin

735000 Menschen in der Schweiz waren nach Bundesamt für Statistik im Jahr 2019 von Armut betroffen. Gemeinsam essen zu gehen und sich abends in einem Lokal zu treffen, liegt oftmals nicht drin. Das weiss auch die Somalierin Habiba Osman, Mutter von fünf Kindern und Teilzeitangestellte in der Reinigungsbranche. Im Gespräch im Vito Aeschen erzählt sie bei einer Pizza Sospesa: «Nach der Ankunft in der Schweiz ist man mit bürokratischen Hürden und Ausgrenzung konfrontiert. Am sozialen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen ist schwer. Genauso, wie richtig in der Schweiz anzukommen.» So biete die Aktion auch die Möglichkeit für Begegnungen und Austausch.

Sich ausweisen oder beweisen, dass man ein Anrecht auf ein Stück «Pizza Sospesa» hat, muss man nicht. «Armut hat viele Gesichter. Jemand kann trotz guter Kleider kein Geld mehr haben am Ende des Monats», weiss Anaï Becerra.

Lebst du oder lebt jemand, den du kennst, in Armut?

Hier findest du Hilfe:

Tischlein deck dich, Lebensmittelhilfe

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