Aktualisiert 20.07.2018 14:22

Bauern profitieren wenig

Wer Fairtrade kauft, tut nicht automatisch Gutes

Auch Fairtrade ist nicht unbedingt gerecht. Eine Reise zu Mangobauern in Westafrika zeigt, warum. Und wie es besser geht.

von
Isabel Strassheim, Bobo-Dioulasso

Ein Tuch auf dem Boden am Strassenrand und der Mangoverkauf im westafrikanischen Burkina Faso kann losgehen. (Video: Isabel Strassheim)

Beim Lebensmittelkauf achten Schweizer Konsumenten immer mehr auf das Fairtrade-Label von Max Havelaar. Es soll den Produzenten eine gute Bezahlung garantieren. Doch ist Fairtrade tatsächlich gerecht? Einer der Bauern, der Havelaar-Mangos produziert, ist Issouf Coulibaly aus Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt. Das Fairtrade-Label garantiert seiner Kooperative einen Mindestpreis und eine Prämie. «Aber der Abkauf der Früchte ist für uns ungewiss», sagt Coulibaly in seinem Dorf Taga.

Die Mangos in Taga sind Biofrüchte, wie viele Produkte von Kleinbauern in Afrika. Das 500-Einwohner-Dorf wurde erst 2013 an die Stromleitung angeschlossen, anstelle von fliessendem Wasser gibt es einen Brunnen. Auch die Landwirtschaft ist wenig modern: Sie wird noch ohne Pestizide betrieben und liegt damit genau im Trend der westlichen Staaten. 2014 liess sich die Mango-Koooperative von Taga mit dem Fairtrade-Label zertifizieren. Das war zwar ein Fortschritt: Es brachte Coulibaly und den anderen Bauern einen sicheren Preis, aber immer noch kein regelmässiges Einkommen. Der Haken ist: Max Havelaar überwacht die Prozesse und stellt das Siegel aus, kauft den Bauern aber selbst nichts ab.

Supermarktketten sind Fairtrade-Bauern nicht treu

Die grossen weltweiten Supermarktketten kaufen selbst ein – und auch bei Fairtrade meist mit Fokus auf ihre eigene Gewinnmaximierung. Sie wechseln zum Teil jedes Jahr die Produzenten, kaufen heute hier, morgen dort. Die Kunden in der Schweiz wissen nicht, wo die Mangos herkommen, denn an allen, die entsprechend zertifiziert sind, klebt das Max-Havelaar-Label. Für Bauern wie Coulibaly bedeutet das, dass sie nicht planen können, weil der Fairtrade-Handel ebenso wie der normale Handel so unberechenbar wie das Wetter ist.

Richtig aufwärts für die Bauern in Taga geht es erst, seitdem die Schweizer Firma Gebana ihnen die Fairtrade-Mangos für den Export abkauft. «Wir sehen uns als Partner und kaufen über Jahre hinweg bei denselben Bauernkooperativen», sagt Adrian Wiedmer, Chef von Gebana Schweiz.

Gebana stellt die Frage nach Gerechtigkeit

Gebana ist auch vor Ort. Die Firma schult die Bauern, betreibt Mangotrocknung-, Lager- und Abpackanlagen. Der grösste Teil dieser Mangos landet mit dem Label von Max Havelaar in europäischen Supermärkten. Einen kleineren Teil verkauft Gebana per Versandhandel direkt an Konsumenten.

Was Gebana auszeichnet, ist die Weiterentwicklung des Fairtrade-Konzepts: «Es darf nicht dabei bleiben, dass Supermärkte oder Firmen wie Starbucks an Havelaar-Produkten mehr verdienen und obendrein einen Imagegewinn haben, die Bauern aber kaum profitieren und weiterhin Spielball bleiben», kritisiert Wiedmer. Es gehe ihm dabei nicht um ein anderes Fairtrade-Label, sondern um das Vorgehen der Händler selbst: Die Supermarktketten und Konzerne mit ihrem unveränderten Fokus auf die eigene Gewinnmaximierung.

Auch die Gewinnaufteilung soll fair sein

Auch Gebana will wachsen und hat sich ähnlich wie Aktien-Konzerne eine deutliche Umsatz- und Effizienzsteigerung vorgeschrieben. In Burkina Faso soll die Zahl der Arbeitsplätze in den nächsten Jahren auf 600 steigen und 4500 Bauern soll eine regelmässige Abnahme garantiert werden. Denn Gebana hat auch noch weitere Ziele: «Wir wollen den Gewinn zwischen Investoren, Mitarbeitern und Kunden aufteilen und damit den Fairtrade-Handel weiter voranbringen», sagt Geschäftsführer Wiedmer.

Dieser Artikel entstand nach einer Medienreise, die von Gebana ermöglicht wurde.

Unterschied zwischen Bio und Fairtrade

Bio: Hier profitiert der Konsument von einem Qualitätsunterschied. Die Produkte müssen ohne Pestizide und Gentechnik hergestellt sein. Je nach Label wird auch auf Energieeffizienz in Gewächshäusern und auf die Wasserversorgung geachtet.

Fairtrade: Hier geht es um die Produzenten. Sie erhalten einen Mindestpreis und eine Prämie für Gemeinschaftsprojekte wie Kindertagesstätten oder Brunnen.

Weiterentwicklung von Fairtrade: Bei Gebana erhalten Produzenten eine Abnahmegarantie. Bei Schoggi von Fairafric ist nicht nur der Kakao made in Africa, sondern die ganze Schokoladentafel. Die gesamte Wertschöpfung findet also in Entwicklungsländern statt. Beim Coproducing beteiligen sich die Konsumenten direkt bei den Farmern. (ish)

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