Sorgenecke für Lehrlinge: Wer haftet bei einem Fehler im Betrieb?

Aktualisiert

Sorgenecke für LehrlingeWer haftet bei einem Fehler im Betrieb?

Flurin hat bei einer Bestellung im Betrieb einen Fehler gemacht. Jetzt fordert die Chefin, dass er die Haftung dafür übernimmt. Kostenpunkt 5000 Franken. Darf sie das?

von
mkr

Frage von Lehrling Flurin an KV-Jugendexperte Michael Kraft:

Ich mache meine Lehre in einem Baugeschäft. Nun habe ich zweimal hintereinander ein falsches Produkt bestellt, wobei das erste Mal nicht nur ich schuld war. Aufgrund der Verzögerung sind Kosten von rund 5000 Franken entstanden, die mir meine Chefin wegen Grobfahrlässigkeit verrechnen will. Darf sie das? Flurin

Antwort von Michael Kraft:

So einfach, wie sich deine Vorgesetzte das vorstellt, ist es nicht. Es ist zwar korrekt, dass du als Arbeitnehmer prinzipiell für den Schaden verantwortlich bist, den du dem Arbeitgeber absichtlich oder fahrlässig zugefügt hast. Bei Fahrlässigkeit muss der Schweregrad, von leicht bis grob, beurteilt werden. Das ist aus der Ferne recht schwierig, denn in Haftungsfragen kommt es immer sehr auf die Eigenheiten des Einzelfalls an. Grobe Fahrlässigkeit wäre es jedoch erst, wenn jeder vernünftig denkende Mensch in dieser Lage richtig gehandelt hätte. Gerade bei Lernenden muss berücksichtigt werden, ob sie die notwendigen Kenntnisse besassen und vom Betrieb genügend betreut wurden.

In deinem Fall kann dich der Arbeitgeber nicht für den vollen Betrag haftbar machen. Bei der ersten Bestellung lag der ursprüngliche Fehler nicht bei dir und im zweiten Fall wäre eine Kontrolle durch den Berufsbildner wohl sinnvoll gewesen. Eine grobe Fahrlässigkeit besteht hier sicherlich nicht. Eventuell wäre eine Beteiligung am Schaden angemessen, die oft nicht über einen Monatslohn hinausgeht. Dies würde auch deine finanziellen Verhältnisse als Lernender berücksichtigen.

Es lohnt sich, mit deiner Vorgesetzten die Sache in Ruhe zu besprechen. Möglicherweise sieht sie es, nachdem der erste Ärger verflogen ist, auch nicht mehr so eng. Sollte es trotzdem hart auf hart kommen, suche dir juristische Unterstützung bei einer Arbeitnehmerorganisation wie dem KV Schweiz.

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