Aktualisiert 21.01.2016 16:22

Staaten-Blog

Wer hat Angst vor den grünen Männlein?

In New Mexico erinnert vieles an die wilde Pionierzeit. Dank eines Ausserirdischen und der Route 66 kommen auch Touristen.

von
Pascal Meister

Der Geist des Wilden Westens ist hier immer noch lebendig. Verlassene Planwagen gehören neben etlichen Rostlauben am Wegesrand zu den treusten Wegbegleitern von New Mexico. Wer die alte Route 66 auf der Suche nach Wild-West-Romantik abfährt, kommt in New Mexico voll auf seine Kosten. Im kleinen Örtchen Fort Sumner stösst man auf die Geschichte eines Cowboys, der diesen Staat nach wie vor prägt wie kein anderer. Auf einem kleinen sandigen Friedhof ruht der Pistolero William Bonney, der nach seinem frühen Tod mit nur 21 Jahren als Billy the Kid zur Legende wurde.

Zum eigenen Mythos beigetragen hat er vor allem als Hilfssheriff und Outlaw im Lincoln-County-Rinderkrieg (1878-81). Heute erinnert in Fort Sumner vieles an die Hauptdarsteller von damals. Etliche Gebäude mit Bezug zu Kid und seiner Bande stehen noch immer, so zum Beispiel das Gerichtsgebäude, aus dem er einst ausbrach, sowie das McSween Haus, vor welchem er seine berühmteste Schiesserei hatte. Heute bietet es als Hotel den Reisenden einen historischen Schlafplatz.

Überall grüne Männchen

Südlich von Fort Sumner liegt die Stadt Roswell. Hier verschwinden die Tagträume von rauchenden Colts und Saloons, denn in Roswell trifft man auf E.T. und seine Freunde. Die Stadt wird vom totalen UFO-Fieber beherrscht, seit der Farmer William Brazel im Sommer 1947 angeblich die Überreste einer fliegenden Untertasse samt einem Ausserirdischen fand. Dies löste in den USA einen regelrechten Alien-Boom aus. Das lokale UFO-Museum widmet sich voll und ganz der Materie des Übersinnlichen – nicht nur für «Akte X»-Fans ein einmaliges Erlebnis. Die Absturzstelle ist für Touristen ebenfalls zugänglich und, obwohl etwas abgelegen, durchaus empfehlenswert, da Zeitzeugen von damals keine Mühe scheuen, den Touristen ein originalgetreues Bild der Ereignisse von damals zu vermitteln.

In den Sonnenuntergang fahren

Wer von Roswell aus nach Norden reist, gelangt nach Santa Fe. Die 1607 gegründete Siedlung ist die älteste Hauptstadt eines US-Bundesstaates. Die vielen, im Pueblo-Stil erbauten und künstlich verzierten Lehm- und Sandsteinhäuser machen Santa Fe zu einem kulturellen Highlight. Die San Miguel Chapel ist gemäss der Stadt das älteste Haus der USA. Erbaut im Jahr 1610, ist der Lehmbau damit älter als die Nation selbst.

Verlässt man Santa Fe, so findet man bald wieder zurück auf die Route 66. Vorbei an verlassenen Tankstellen und Motels findet sich südlich von Albuquerque und dem Rio Grande ein weiteres Kulturerbe des Staates: die St. Augustine Mission, eine prächtige Lehmkirche aus dem 17. Jahrhundert. Schliesslich lässt man in Gallup den Wilden Westen hinter sich. Nichts ist schöner, als auf der 66 bei Sonnenuntergang hier einzufahren, wenn der rote Abendhimmel gemeinsam mit der Neonszene am Strip das Ende eines langen Reisetages beleuchtet.

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