Totes Luchs-Mami : Wer hat gewildert? Jäger müssen zum Verhör
Aktualisiert

Totes Luchs-Mami Wer hat gewildert? Jäger müssen zum Verhör

Im vergangenen Winter trieb im Thunersee eine Luchs-Mutter mit einer Schusswunde im Bauch. Nun beginnt die Suche nach dem Übeltäter.

von
Mira Weingartner
Die Luchsmutter B320 mit ihren zwei Jungen B494 und B495. Eine Fotofalle fotografierte anfangs 2016. Wenige Monate später war die Luchsmutter tot, erschossen von einem Wilderer.

Die Luchsmutter B320 mit ihren zwei Jungen B494 und B495. Eine Fotofalle fotografierte anfangs 2016. Wenige Monate später war die Luchsmutter tot, erschossen von einem Wilderer.

Kora.ch

Während im Eriz ein Braunbär für Aufsehen sorgt, beschäftigt die Jäger aus den angrenzenden Gemeinden Sigriswil und Beatenberg derweil ein anderes Thema: Weil im letzten Winter ein Wilderer eine Luchsmutter frevelte, sind mehrere Jäger nun von der Staatsanwaltschaft Oberland zur Einvernahme beordert worden.

Die Oberländer Justizbehörde will nun anhand von Zeugenaussagen die Täterschaft ermitteln, die der Luchsmutter in der Altjahreswoche eine Kugel in den Bauch gejagt und das tote Tier anschliessend wohl in den Thunersee geworfen hat. Wildern sei ein Delikt, das geahndet werden müsse, sagt der leitende Staatsanwalt Hans-Peter Schürch. «Solange der Täter nicht überführt ist, gibt man nicht auf.»

Noch kein Durchbruch

Im Auftrag der Justiz befragte der regionale Wildhüter Auskunftspersonen, die kurz vor dem Fund der toten Lüchsin in der Tatort-Region am Jagen waren.

Auch Jäger M.* aus der Gemeinde Sigriswil musste im April beim zuständigen Wildhüter antraben. «Solche Ermittlungen habe ich selber noch nie erlebt», sagt M. Einen entschiedenen Hinweis konnte der Einheimische aber nicht geben – «ich habe keine Ahnung, wer dahinter steckt».

Unter Generalverdacht

Lorenz Hess, Präsident des Berner Jägerverbands, glaubt nicht, dass ein Jäger den tödlichen Schuss auf die geschützte Luchsin abgefeuert hat: «Ein Jäger ist sich bewusst, dass er deswegen seine Jagdlizenz verlieren könnte.» Dass die Jäger trotzdem befragt werden, kann Hess zwar verstehen, da sie täglich im Wald unterwegs sind und vielleicht etwas gesehen haben könnten. «Doch wirft dies erneut unberechtigt einen verdächtigen Schatten über unsere Jäger.»

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft tappt nach wie vor im Dunkeln. «Trotz Einvernahmen haben wir zurzeit noch keinen Tatverdächtigen», sagt Staatsanwalt Schürch. Sollte der Luchswilderer geschnappt werden, droht ihm eine saftige Geldstrafe oder gar eine Freiheitsstrafe von zu bis zu einem Jahr.

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