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Wähler unter der LupeWer hat Hollande auf den Thron gehievt?

Um gewählt zu werden, musste François Hollande mehr Stimmen als die der traditionellen Linken auf sich vereinen. Vor allem benötigte er Wähler, die nur Sarkozy verhindern wollten.

von
Harald Schultz
dapd

Der künftige französische Präsident François Hollande hat die Wahl etwas knapper gewonnen als die meisten Umfragen vorhergesagt haben. Mit 51,62 Prozent lag er nur 3,24 Prozentpunkte vor dem amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy, der 48,38 Prozent erzielte. Aber das waren die entscheidenden Punkte. Wer hat sie ihm verschafft?

Es war ein Teil der Wähler des Liberalen François Bayrou und der Rechtsextremen Marine Le Pen, so die Analyse des Politikwissenschaftlers Pascal Perrineau vom Institut Cevipof in Paris am Dienstag in der Tageszeitung «Le Figaro». Rund eine Million Stimmen sei nach dem ersten Wahlgang von Bayrou zu Hollande gewandert, eine weitere Million von Le Pen. Die traditionelle Linke habe im ersten Wahlgang zusammen nur 44 Prozent erzielt.

Das war aber nicht alles. Sarkozy fehlten auch Stimmen. Viele Sympathisanten Bayrous und Le Pens gingen gar nicht mehr wählen, erläutert Perrineau. Und mehr als sonst stimmten zwar ab, aber ungültig, wie es Le Pen angekündigt hatte. Das waren sechs Prozent, etwa zwei Millionen Wähler. Im Endergebnis übertraf Hollande das Resultat seiner früheren Lebensgefährtin Ségolène Royal (46,98) von 2007 um 4,64 Prozentpunkte.

«Zerbrechliches» Ergebnis

Perrineau spricht von einem «zerbrechlichen» Ergebnis für Hollande. Denn 55 Prozent seiner Wähler hätten vor allem eine zweite Amtszeit von Sarkozy verhindern wollen, nur 45 Prozent hätten für Hollande gestimmt, weil er Präsident werden sollte.

Besonders stark war Hollande in der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre mit 60 Prozent. Fast ebenso stark war sein Ergebnis bei den 18 bis 24-Jährigen, wo er 59 Prozent holte und in der Alterskohorte von 25 bis 34 Jahren mit 55 Prozent. Dagegen war es unterdurchschnittlich mit 49 Prozent in der die Gruppe 35 bis 49 Jahren. Bei den über 60-Jährigen erzielte er sogar nur 46 Prozent.

Bei Katholiken hat Hollande keinen Stein im Brett

Bei den regelmässig praktizierenden Katholiken lag Hollande mit 27 Prozent besonders schlecht. Die gelegentlich zur Messe gehenden Katholiken stimmten mit 42 Prozent für ihn, die nicht-praktizierenden Katholiken zu 49 Prozent. Auch bei den Protestanten erzielte Hollande mit 39 Prozent keine Mehrheit. Vielmehr zog er Stimmen bei den Konfessionslosen mit 66 Prozent und bei den Muslimen mit 93 Prozent.

Das Ergebnis variierte auch nach der Schulbildung: Wer keinen Abschluss oder die Mittelschule absolviert hat, wählte zu 53 Prozent Hollande, wer Abitur und zwei Jahre Universität vorweisen kann, nur zu 50 Prozent. Und wer einen regulären Uni-Abschluss hat, zu 54 Prozent Hollande.

Das Ergebnis variiert auch nach dem monatlichen Haushaltseinkommen: Die Franzosen mit einem Einkommen unter 999 Euro wählten zu 59 Prozent Hollande, von 1000 bis 1999 Euro zu 55 Prozent, von 2000 bis 3499 Euro zu 52 Prozent. Nur in der obersten Einkommensklasse über 3500 Euro erzielte Hollande sein schwächstes Ergebnis mit 45 Prozent.

Und was macht Sarkozy jetzt dann?

Spekulationen um die Zukunft des abgewählten französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy haben in Paris Hochkonjunktur: Ein Vertrauter sagte dem Fernsehsender BFMTV, Sarkozy werde wieder als Rechtsanwalt arbeiten. «Schliesslich ist das sein Beruf», wurde der Mann, der nicht namentlich genannt werden wollte, zitiert. Als sicher gilt bislang nur, dass Sarkozy zunächst aus der Politik aussteigen will.

Noch im Januar hatte der 57-Jährige vor Journalisten gesagt, er werde bei dem Verlust seiner Macht aus der Politik aussteigen und in die Wirtschaft gehen - dorthin, «wo richtig Geld verdient werden kann». (dapd)

Sarkozy und Hollande feiern deutsche Kapitulation von 1945

Der amtierende französische Präsident Nicolas Sarkozy und sein Nachfolger François Hollande haben in Paris am Triumphbogen den Sieg über Nazi-Deutschland 1945 gefeiert. Gemeinsam legten sie einen Kranz am Grab des Unbekannten Soldaten nieder.

Sie standen dort nebeneinander, als ein Militärchor die Marseillaise und das Lied der Partisanen sang. Danach schüttelten beide Kriegsveteranen die Hände. Sarkozy hatte am Vortag Hollande zu der Zeremonie eingeladen. Am Ende schüttelten beide gemeinsam die Hände von Zuschauern, die Sarkozy «Merci! Wir lieben Sie!» zuriefen.

Der 8. Mai ist ein Feiertag in Frankreich. Vorgänger Jacques Chirac hatte Sarkozy vor fünf Jahren ebenfalls schon dazu gebeten. Die Wehrmacht hatte am 7. Mai 1945 um 02.41 Uhr in Reims in einer Schule die bedingungslose Kapitulation im US-Hauptquartier in Frankreich unterzeichnet. (sda)

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