Aktualisiert 17.01.2019 09:49

«Mit Schwarzpulver behandelt»Wer hier Holz klaut, soll brutal bestraft werden

In Merligen am Thunersee warnt ein Landbesitzer Diebe vor explosiven Konsequenzen. Es ist eine leere Drohung – aber die Behörden sind aufgebracht.

von
miw
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«Das Holz ist mit Schwarzpulver behandelt», steht auf einem Schild in der nähe eines Picknickplatzes in Merligen BE. So will der Besitzer Langfinger in die Flucht schlagen.

«Das Holz ist mit Schwarzpulver behandelt», steht auf einem Schild in der nähe eines Picknickplatzes in Merligen BE. So will der Besitzer Langfinger in die Flucht schlagen.

«Höchst grobfahrlässig», findet Walter Kunz, Pyrotechniker der Berner Firma Kilchenmann, die Aktion. Die Massnahme sei «brandgefährlich». Schwarzpulver ist nämlich schon in kleinen Mengen hochexplosiv.Symbolbild: Explosion von Schwarzpulver

«Höchst grobfahrlässig», findet Walter Kunz, Pyrotechniker der Berner Firma Kilchenmann, die Aktion. Die Massnahme sei «brandgefährlich». Schwarzpulver ist nämlich schon in kleinen Mengen hochexplosiv.Symbolbild: Explosion von Schwarzpulver

20 Minuten wendete sich an die Betreiber des Brätliplatzes. Dort ist man anfangs empört...

20 Minuten wendete sich an die Betreiber des Brätliplatzes. Dort ist man anfangs empört...

Der Picknickplatz Opeten in Merligen BE ist mit seinen langen Steintischen, dem Holzbrunnen und einem plätschernden Bach ein kleines Idyll. Für Schulklassen und Wanderer ist er auch zum Grilliren ein beliebter Rastplatz.

Obwohl die lokale Tourismusbehörde den Ausflüglern fürs Feuern extra Brennholz zur Verfügung stellt, bedienen sich einzelne Besucher offenbar bei den privaten Holzvorräten des Nachbarn.

Gefährliche Massnahme gegen Holzdiebe

Der Besitzer der kleinen Hütte, die sich direkt neben dem Brätliplatz befindet, hat seinen Holzstapel nämlich mit einem Warnschild – indirekt einer Drohung – versehen: «Das Holz ist mit Schwarzpulver behandelt.» Einem Langfinger würde das Diebesgut beim Feuern fürchterlich um die Ohren fliegen.

Schwarzpulver ist nämlich schon in kleinen Mengen hochexplosiv. Sollte jemand ein mit Sprengpulver behandeltes Stück anzünden, gibt es einerseits eine starke Stichflamme, unter Umständen aber auch eine heftige Explosion. «Das könnte ganz schön ins Auge gehen», sagt Walter Kunz, Pyrotechniker der Berner Firma Kilchenmann, zur Aktion.

Ein schlechter Scherz

Bei der Tourismusbehörde Merligen empört man sich erst über die Warnung des Nachbars: «So etwas gibts doch nicht, Merligen hat das nicht nötig», sagt Mitarbeiterin Benita Walker. Doch nach internen Recherchen gibt es Entwarnung: «Wir kennen den Besitzer und können versichern, dass dort kein Schwarzpulver ist», sagt Walker. Dem Besitzer sei jahrelang viel Holz gestohlen worden, darum habe er sich entschlossen, diese Warnung anzubringen. Die leere Drohung soll nun aber entfernt werden: «Wir werden den Besitzer darauf aufmerksam machen, den Zettel zu entfernen.»

Allfällige Nachahmer seien gewarnt, denn eine tatsächliche Schwarzpulver-Aktion wäre sowieso illegal. Im Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe steht: «Wer ohne Bewilligung oder entgegen Verboten dieses Gesetzes mit Sprengmitteln oder pyrotechnischen Gegenständen verkehrt, insbesondere solche herstellt, lagert, besitzt, einführt, abgibt, bezieht, verwendet oder vernichtet,[...], wird, wenn er vorsätzlich handelt, mit Gefängnis oder mit Busse bestraft.»

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