Schlussspurt: Wer holt den WM-Pokal?
Aktualisiert

SchlussspurtWer holt den WM-Pokal?

Deutschland, Spanien, Holland oder Uruguay: Eines dieser Nationalteams wird am 11. Juli Weltmeister werden. Dabei gibt es einen klaren Favoriten und einen klaren Aussenseiter.

von
Herbie Egli

Im Moment dürfen noch vier Nationen auf den WM-Titel hoffen. Nach den Halbfinals ist dieser Traum für zwei Equipen jedoch ausgeträumt. Mit Deutschland und Spanien stehen sich aber genau jene zwei Teams im Halbfinal gegenüber, die die grössten Chancen auf den Titel haben. Während sich Holland auch berechtigte Chancen ausrechnen darf, ist Uruguay der grosse Aussenseiter.

Deutschland: 35 Prozent

Die Deutschen sind vor den Halbfinals Titelanwärter Nummer 1. Nach ihren Gala-Vorstellungen gegen Argentinien (4:0) und England (4:1) ist ihnen der Durchmarsch zuzutrauen. Das Kollektiv gilt als grosse Stärke und das sogenannte Momentum ist ganz auf die Seite unserer nördlichen Nachbarn gekippt. Im Mittelfeld vertritt Bastian Schweinsteiger den verletzen Michael Ballack mehr als gut und kann sich ohne ihn richtig gut entfalten.

Mit den bisherigen Leistungen lastet auf den Deutschen jedoch ein Riesendruck von aussen. Die Erwartungen in der Heimat sind immens: Joachim Löws Truppe muss den Pokal gewinnen. Das könnte ein Störfaktor sein. Zudem fällt ins Gewicht, dass mit Thomas Müller ein Youngster gesperrt ist, der bereits vier WM-Tore auf seinem Konto hat. Daher wird es im Angriff Umstellungen geben. Eine Variante ist, das Piotr Trochowski von Anfang an zum Zug kommt.

Spanien: 30 Prozent

Die Spanier haben sich seit der 0:1-Auftaktniederlage gegen die Schweiz gefangen. Mit ihrem Kurzpassspiel im Mittelfeld brachten sie die Gegner wie erwartet zum Verzweifeln und Villa ist mit seinen fünf Treffern auf dem besten Weg, Torschützenkönig zu werden. Allerdings fielen die Siege jeweils knapp aus. Ein weiteres Plus der Südeuropäer ist der anhaltende Erfolg der seit Jahren besten Nationalmannschaft der Welt: Seit der letzten Weltmeisterschaft 2006 haben die Spanier nur drei Spiele verloren.

Einen Denkzettel haben die Spanier mit der «Schweizer-Niederlage» aber verpasst bekommen. Die anderen Teams sahen, dass sie doch verwundbar sind. Was den Spaniern ebenfalls zum Verhängnis werden könnte, ist ihre Verspieltheit. Die Deutschen haben gezeigt, wie man im Mittelfeld einen Messi abmeldet. Das werden sie auch gegen Xavi und Iniesta versuchen.

Holland: 25 Prozent

Die Holländer sind von allen vier Halbfinalisten das einzige Team, das alle Spiele gewonnen hat. Sie haben einen richtigen Lauf. Der 2:1-Erfolg im Viertelfinal gegen Rekordweltmeister Brasilien dürfte ihnen weiteren Auftrieb geben. Mit Wesley Sneijder verfügt die Oranje über einen Mittelfeldspieler und Goalgetter, der unberechenbar ist. Neben ihm kommt Arjen Robben immer besser in Fahrt.

Holland hat jedoch ein Manko. Die Elftal weiss nicht, wie man WM-Titel gewinnt. 1974 und 1978 waren die Holländer im Final, verloren aber beide Endspiele. Nach vorne läuft praktisch alles über Robben oder Sneijder. Wenn diese zwei Top-Spieler einmal einen schwarzen Tag einziehen, wird es ganz schwer.

Uruguay: 10 Prozent

Ganz klarer Aussenseiter ist Uruguay. Genau das kann aber das grosse Plus der Südamerikaner sein. Sie haben nichts zu verlieren und können unbekümmert spielen. Mit Diego Forlan haben sie im Angriff einen treffsicheren Captain. Im Gegensatz zu Holland kann Uruguay auf erfolgreiche WM-Zeiten zurückschauen. Bei der ersten WM 1930 und 1950 feierten die Südamerikaner den Titel.

Von allen Halbfinalisten haben die Südamerikaner schlicht am wenigsten Potenzial in ihren Reihen. Dazu kommt, dass im Halbfinal ein wichtiger Offensiv-Mann fehlt: Uruguay muss auf Luis Suarez verzichten. Dieser ist nach seiner Handabwehr im Viertelfinal gegen Ghana und der damit verbundenen roten Karte gesperrt.

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