08.02.2018 06:52

Stadt ZürichWer holt sich den freien Stadtrats-Sitz?

Claudia Nielsen (SP) zieht 3.5 Wochen vor den Wahlen ihre Kandidatur zurück. Das meinen andere Stadtratskandidaten zu ihrem Rücktritt.

von
wed/tam
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Stadträtin Claudia Nielsen verkündete am Mittwoch, dass sie doch nicht für die kommenden Stadtratswahlen vom 4. März kandidieren werde.

Stadträtin Claudia Nielsen verkündete am Mittwoch, dass sie doch nicht für die kommenden Stadtratswahlen vom 4. März kandidieren werde.

Keystone/Walter Bieri
FDP-Kandidat Michael Baumer glaubt, dass es nun schwierig werde für die SP eine mehrheitsfähige Kandidatin zu finden: «Wenn die Couverts bei den Stimmbürgern angekommen sind, ist es zu spät für eine Nomination.»

FDP-Kandidat Michael Baumer glaubt, dass es nun schwierig werde für die SP eine mehrheitsfähige Kandidatin zu finden: «Wenn die Couverts bei den Stimmbürgern angekommen sind, ist es zu spät für eine Nomination.»

Für SVP-Kandidatin Susanne Brunner ist klar, dass es jetzt erst recht einen politischen Richtungswechsel braucht: «Die Missstände werden immer offenkundiger.» Dass Nielsen nun aber Verantwortung dafür übernimmt, verdiene aber Respekt.

Für SVP-Kandidatin Susanne Brunner ist klar, dass es jetzt erst recht einen politischen Richtungswechsel braucht: «Die Missstände werden immer offenkundiger.» Dass Nielsen nun aber Verantwortung dafür übernimmt, verdiene aber Respekt.

Knall in der Stadtzürcher Politik: Claudia Nielsen (SP) zog am Mittwoch ihre Stadtratskandidatur zurück – Ende Legislatur ist Schluss. Für den Verzicht gibt die 56-Jährige an, dass sie die politische Verantwortung für «fragwürdige Verbuchungen und Verwendungen von ärztlichen Honoraren» im Stadtspital Triemli übernehme.

Der SP droht nun, einen ihrer vier Sitze zu verlieren. Hat die Partei einen Ersatz für Nielsen? «Wir werden am Donnerstag jede Möglichkeit diskutieren sowie Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten abwägen», sagt Gabriela Rothenfluh, Co-Präsidentin der Stadtzürcher SP.

«Solch eine Berichterstattung habe ich noch nie erlebt»

Profitieren könnte Karin Rykart, Stadtratskandidatin der Grünen, die in den Umfragen zuvor schon gut abgeschnitten hatte. Sie bedauert den Rücktritt von Nielsen: «Ich kann es aber verstehen, dass sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat.» Die Berichterstattung sei schon in den Wochen zuvor sehr heftig gewesen. «So etwas habe ich noch nie erlebt», so Rykart. Jetzt wäre mit den neuen Erkenntnissen noch etwas dazu gekommen.

Ihre Wahlchance hätten sich aufgrund des Rücktritts nicht geschmälert. «Stadtratswahlen sind einerseits Personenwahlen, aber natürlich ist auch die Partei der KandidatInnen und wofür sie steht, zentral für die Wählerinnen und Wähler», sagt Rykart. «Was die SP jetzt macht, weiss ich nicht. Der Rücktritt kam sehr kurzfristig und überraschend», so die Stadtratskandidatin.

Sorge vor dem grossen Portmonnaie der SVP

«Persönlich tut es mir leid für Frau Nielsen, das ist kein schöner Abgang», sagt GLP-Kandidat Andreas Hauri, der auch für das Stadtpräsidium kandidiert. Er könne sich aber vorstellen, dass seine Wahlchancen dadurch weiter steigen. «Fakt ist, dass ich schon zuvor viel Unterstützung aus SP-Kreisen erhalten habe – etwa von Ständerat Daniel Jositsch», so Hauri.

Er habe grosse Lust auf diese Arbeit und wolle die Stadt Zürich weiter vorantreiben. «Es braucht definitiv frische Leute mit innovativen Ideen», so Hauri. Sorgen mache ihm jedoch die SVP. «Ich könnte mir vorstellen, dass dort nun das ganz grosse Portemonnaie geöffnet wird und man versucht mit Wahlkampagnen den Sitz zu kaufen.»

«Eine neue Kandidatin würde man nur verheizen»

Laut FDP-Kandidat Michael Baumer erhielt Nielsen offenbar nicht genügend Unterstützung in den eigenen Reihen – er habe aber grossen Respekt vor dem Entscheid. «Ob meine Wahlchancen jetzt höher sind, kann ich nicht einschätzen, der Wahlkampf bleibt spannend», so Baumer. Er bedaure es, dass de Spital-Strategie im Wahlkampf nun eine weniger wichtige Rolle spielen werde.

«Für die SP wird es nun schwierig, eine neue mehrheitsfähige Kandidatin zu finden. Wenn die Couverts bei den Stimmbürgern angekommen sind, ist es zu spät für eine Nomination», so Baumer. Man würde die Kandidatin nur verheizen.

«Der Schritt hätte wohl früher kommen müssen»

Für SVP-Kandidatin Susanne Brunner ist klar, dass es jetzt erst recht einen politischen Richtungswechsel braucht: «Die Missstände werden immer offenkundiger.» Dass Nielsen nun aber Verantwortung dafür übernimmt, verdiene Respekt. «Auch wenn der Schritt wohl schon früher hätte kommen müssen.»

Ob der Nielsen-Rücktritt ihre Wahlchance erhöhe, kann Brunner nicht sagen: «Die Chancen für das Top5-Team sind intakt. Wir kämpfen bis zum 4. März weiter und dann werden wir sehen, wie das Stimmvolk entscheidet.»

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