Reportage: «Wer in diese Nagelstudios geht, unterstützt die Ausbeutung»

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Reportage«Wer in diese Nagelstudios geht, unterstützt die Ausbeutung»

Eine 20-Minuten-Reportage zeigt, wie Arbeitende in Nagelstudios ausgebeutet werden. Ein Thema, das die Community sehr bewegt.

von
Deborah Gonzalez

Nagelstudios bieten Kosmetik zu Spottpreisen an und beuten dafür Arbeiter und Arbeiterinnen aus. Auch in der Schweiz dürften Hunderte betroffen sein.

Helena Müller / Simona Ritter / Noah Knüsel

Darum gehts

  • Die günstigen Preise in Schweizer Nagelstudios kommen auch durch Ausbeutung der Angestellten zustande. 

  • Etliche Mitarbeitende aus Vietnam werden in Schweizer Nagelstudios ausgebeutet.

  • Das Thema beschäftigt euch sehr. In nur wenigen Stunden sind viele Kommentare geschrieben worden.

  • In einem ist sich die Mehrheit einig: Wer in diese Nagelstudios geht, unterstützt die Ausbeutung der Arbeitenden.

«Ich gehe mir mal schnell die Nägel machen»: Wie oft hat man den Satz schon gesagt oder gehört, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Wer macht einem dort eigentlich die Nägel? Ist das alles legal? Was sind das für Nagelstudios? Diesen Fragen sind 20-Minuten-Reporterinnen und -Reporter nachgegangen. Sie haben in zehn Zürcher Nagelstudios nachgefragt und haben erschreckende Antworten bekommen. Denn: Die günstigen Preise in Schweizer Nagelstudios kommen auch durch Ausbeutung der Angestellten zustande. Die Mitarbeitenden, die meist aus Vietnam kommen, erzählen von prekären Arbeitsbedingungen.

Auch der 20-Minuten-Community ist dieses Thema nicht fremd, wie die vielen Kommentare unter dem Beitrag zeigen. Während die einen schon damit gerechnet hatten, sind die anderen schockiert. Trotzdem kristallisiert sich eine gemeinsame Meinung heraus: Diese Nagelstudios sollten geschlossen und die Betreiber und Betreiberinnen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Ausserdem: Wer in diese Nagelstudios geht, unterstützt das System, das dahintersteckt.

«Der Preis geht auf Kosten der Angestellten»

Die Meinung der «Mitschuld» vertritt Altnabreac, die schreibt: «Jeder, der dort hingeht, macht sich schuldig.» So sieht es auch malteserschmarn: «Der Konsument ist schuld daran.» Und auch Molinarius geht mit dieser Meinung einher: «Leider sind am Ende auch wir Konsumenten schuld. Bei Dienstleistungen wie Coiffeur und Maniküre zählt oft nur der Preis.» Weiter schreibt er: «Bei grossen Preisunterschieden ist klar, dass sich viele Konsumenten für den tieferen entscheiden und je tiefer der Preis, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass es auf Kosten der Angestellten geht.»

Alison_Cameron geht etwas weiter und schreibt: «Wer etwas auf sich hält, manikürt seine Nägel selbst und geht nicht ausbeuten.» Auch Canonworld vertritt diese Ansicht: «Alle, die in solche Nagelstudios gehen, um sich die Fingernägel zu machen, unterstützen die Ausbeutung der Angestellten durch den Arbeitgeber.»

«Diese Methode ist bekannt, aber es ändert sich nichts»

Leserin gloria_victoria möchte, dass man auch einen Blick aufs Land wagt: «Dieser Beitrag betrifft urbane Nagelstudios. In Nagelstudios auf dem Land werden diese Leute noch mehr ausgebeutet. Macht euch kundig.» Sonnenstern überrascht das Ganze nicht: «Die meisten sind illegal hier, was erwarten sie denn?» Sumsummchen hingegen fragt: «Was macht eigentlich die Gewerbepolizei den ganzen Tag? Würden sie Kontrollen durchführen, wäre es mit dem illegalen Dasein in der Schweiz schnell vorbei.» Auch greentouch sucht einen Verantwortlichen: «Man weiss es und tut trotzdem nichts dagegen … Wäre das nicht Aufgabe des Staates?»

Was hältst du von Nagelstudios?

Truthlove fordert: «Solche Nagelstudios schliessen und den Besitzern endlich eine gerechte Strafe geben, plus Wiedergutmachung an die Ausgebeuteten zahlen, ohne dass diese abgeschoben werden.» Dass angeblich nicht viel dagegen unternommen wird, findet auch luckymike: «Leider ist diese Methode schon lange bekannt und es ändert sich nichts.»

«Noch ein Grund mehr, künstliche Fingernägel zu verabscheuen»

Leser TeFly hat eine klare Meinung: «Niemand in der Schweiz sollte für einen 100-Prozent-Job weniger als 4000 Franken verdienen, egal bei welchem Job!» Dass die Arbeitenden dermassen ausgebeutet werden, findet Thomas-Kunz nicht gut. Für ihn ist die Sache klar: «Noch ein Grund mehr, künstliche Fingernägel zu verabscheuen.» Ngumike fragt sich: «Die meisten dieser Nagelstudios wollen nur Barbezahlung. Warum? Schwarzgeld?»

Leserin Que räumt derweil ein, dass sie schon ein solches Nagelstudio besucht hat: «Nagel-Design ist mir wichtig, weil ich im Garten und im Haushalt arbeite und meine echten Nägel abbrechen.» Sie erzählt von ihrem Besuch: «Die Damen und Herren dort verstehen mich überhaupt nicht. Ausserdem steht dort immer eine Person herum, die die Arbeitenden pausenlos überwacht.»

Mit dem Ergebnis war die Leserin nicht zufrieden, wie sie schreibt: «Meine Nägel waren ruiniert. Daraufhin bin ich zu einer Schweizerin, die das Handwerk professionell gelernt hat. Dort bin ich nun seit vier Jahren.» Sie bezahle sehr viel mehr, aber ihre Nägel seien dadurch gesünder. «Ich persönlich bin der Meinung, dass man solche China-Nagelstudios rigoros kontrollieren sollte, vor allem die Ausbildung der Arbeitenden und die verwendeten Praktiken und Produkte – ausserdem sollte man saubere Studios zertifizieren», schreibt sie weiter.

«Sie arbeiten dort freiwillig»

Einige schreiben auch, dass die Nagelstudio-Arbeitenden einen anderen Job ausüben könnten. So schreibt thomgmür beispielsweise: «Es ist ja freiwillig, dort zu arbeiten. Wenn jemand ‹ausgebeutet wird, ist er oder sie selber schuld.»

Ähnlich sieht es toloma: «Warum arbeitet man denn immer noch in einem solchen Studio? Es gibt Hunderte von freien Arbeitsplätzen, wo man vom ersten Tag an mindestens das Doppelte verdient.» Dass es nicht ganz so einfach ist, bekommen die Kommentierenden gleich beantwortet. So schreibt Kuckei: «Vermutlich hast du den Text nicht verstanden, ein Illegaler bekommt keinen normalen Job.» 

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