Soraya Saénz de Santamaría: Wer ist die Katalanen-Bändigerin?

Aktualisiert

Soraya Saénz de SantamaríaWer ist die Katalanen-Bändigerin?

Spaniens Vize-Premierministerin ist neue Statthalterin in Katalonien – kein leichter Job bei so viel Gegenwind. Viel spricht dafür, dass sie ihn meistern wird.

von
mlr
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Sie gilt als entschlossen und extrem ehrgeizig: Spaniens Vize-Premierministerin Soraya Sáenz de Santamaría soll die abtrünnigen Katalanen zur Raison bringen.

Sie gilt als entschlossen und extrem ehrgeizig: Spaniens Vize-Premierministerin Soraya Sáenz de Santamaría soll die abtrünnigen Katalanen zur Raison bringen.

epa/Juanjo Martin
Die nur 1,50 Meter grosse Politikerin wurde am Anfang ihrer Karriere unterschätzt und von vielen spöttisch «Rajoys Mädchen» genannt.

Die nur 1,50 Meter grosse Politikerin wurde am Anfang ihrer Karriere unterschätzt und von vielen spöttisch «Rajoys Mädchen» genannt.

epa/Victor Lerena
Tatsächlich gilt sie als rechte Hand des spanischen Staatschefs Mariano Rajoy (l.) und als dessen Geheimwaffe für schwierige Probleme. Doch heutzutage unterschätzt sie niemand mehr.

Tatsächlich gilt sie als rechte Hand des spanischen Staatschefs Mariano Rajoy (l.) und als dessen Geheimwaffe für schwierige Probleme. Doch heutzutage unterschätzt sie niemand mehr.

epa/J.J. Guillen

Sie ist zierlich und misst 1,50 Meter – und ist laut «El Economista» die «mächtigste Frau Spaniens». Jetzt soll die Vize-Premierministerin Soraya Saénz de Santamaría auf Anweisung ihres Chefs Mariano Rajoy die aufmüpfige Region Katalonien zur Normalität zurückführen. Die Zeiten, in denen Spötter die starke, ehrgeizige Frau «La chica de Rajoy» («Rajoys Mädchen») nannten, sind lange vorbei.

Die 46-jährige studierte Juristin startete ihre politische Karriere mit 29 Jahren. Im Bus fuhr die junge Landesanwältin von ihrer Geburtsstadt Valladolid in die Hauptstadt Madrid, um als Beraterin des damaligen Bildungsministers Rajoy anzuheuern. «Man hat mich genommen, weil ich dem Druck standhalte», sagte sie einmal. Gleichzeitig war sie sich ihrer Wirkung stets bewusst: «Wenn du jung bist, eine Frau und 1,50 Meter misst, dann sehen sie dich als verwundbar an.»

Erst 2004 trat sie in Rajoys konservative Volkspartei Partido Popular (PP) ein und sitzt seitdem im Madrider Parlament. Die Nummer zwei im Palacio de la Moncloa ist sie seit 2011.

Tränen, wenn sie nicht die Beste war

Bis heute bilden sie und Rajoy ein eingespieltes eisernes Duo, das sich stets sachlich-kühl und resolut präsentiert. Als es darum ging, die Separatisten in Katalonien zu warnen und zur Rückkehr zur Rechtmässigkeit aufzurufen, trat oft Rajoys Vize im Namen Madrids vor die Mikrofone. «Die Demokratie wird in Katalonien mit Füssen getreten», sagte sie zum Beispiel jüngst. Der medienscheue Rajoy schicke seine Vize oft vor, wenn es darum gehe, Menschen zu überzeugen und Probleme zu lösen, schreibt der «Spiegel».

María Soraya Sáenz de Santamaría Antón heisst sie mit vollem Namen. In Spanien wird sie aber fast nur «Soraya» genannt. Sie war schon als Kind sehr ehrgeizig. In einer Biografie erzählen ehemalige Lehrer, die Tochter einer Coiffeuse und eines Mannes ohne gelernten Beruf sei in Tränen ausgebrochen, wenn sie nicht die beste Note bekommen habe. Mit 23 Jahren schloss sie ihr Jus-Studium mit Auszeichnung ab, vier Jahre später absolvierte sie die Staatsanwaltsprüfung als Jahrgangsbeste.

«Er macht alles, nur die Brust geben nicht»

Für Aufsehen und Kritik sorgte in Spanien, dass die Frau eines Anwalts nach der Geburt ihres heute sechsjährigen Sohns Iván keinen Mutterschaftsurlaub nahm, sondern nach zwei Wochen wieder am Schreibtisch sass. Darüber hätten sich Linke und Rechte gleichermassen das Maul zerrissen, schreibt «Die Zeit». Sie selbst konterte und lobte ihren Ehemann: «Er macht alles, Windel wechseln, baden, nur die Brust geben nicht.»

«Ihr Mann ist sehr stolz auf sie und unterstützt sie überall, wo er kann», verriet Santamarías Kollege Alfonso Alonso von der PP. Und sonst hilft ihre Mutter Petra Antón aus. Laut «El Economista» fährt sie fast jeden Tag von Valladolid nach Madrid, um auf ihren Enkel aufzupassen.

Von der «Ameise» zur «Killerin»

Im Laufe ihrer Karriere habe sich «kleine Ameise» zur «Killerin» entwickelt, heisst es im Buch «La Vicepresidenta» von 2011. In der Tat holt sie für Rajoy oft die Kastanien aus dem Feuer. Nun eilt sie für ein Jahressalär von rund 86'000 Franken zur «Rettung» nach Katalonien. 55 Tage lang soll sie die Region de facto regieren.

Dort muss sie laut «El País» nun «die grösste Herausforderung der spanischen Demokratie» bewältigen. Wenn sie das schafft, dann dürfte die Prognose von PP-Kollege Alonso Wirklichkeit werden: «Soraya wird einmal Regierungschefin sein.» Dieser Werdegang würde dann an eine andere mächtige Frau in Europa erinnern: Schliesslich hat auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mal als «Kohls Mädchen» angefangen. (mlr/sda)

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