Aktualisiert 11.01.2016 19:01

MexikoWer ist die Kontaktfrau zu «El Chapo»?

Kate del Castillo hat die Verbindung von Sean Penn zum Drogenboss Joaquin Guzmán hergestellt. Die 43-jährige Frau gibt in Mexiko Rätsel auf.

von
fal
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Sechs Männer gekidnappt, unter ihnen wohl ein Sohn von «El Chapo»: Bewaffnete Beamte vor dem Restaurant La Leche in Puerto Vallarta, wo es zu der Entführung kam. (16. August 2016)

Sechs Männer gekidnappt, unter ihnen wohl ein Sohn von «El Chapo»: Bewaffnete Beamte vor dem Restaurant La Leche in Puerto Vallarta, wo es zu der Entführung kam. (16. August 2016)

Keystone/Ulises Ruiz Basurto/EPA
Hinter Gittern: Juan Manuel Álvarez hat für Joaquin «El Chapo» Guzman und dessen Sinaloa-Kartell Geld gewaschen. (27. März 2016)

Hinter Gittern: Juan Manuel Álvarez hat für Joaquin «El Chapo» Guzman und dessen Sinaloa-Kartell Geld gewaschen. (27. März 2016)

Keystone/Mexico's Federal Police, or SEGOB, via AP
Bereits länger sitzt Joaquin «El Chapo» Guzmán im Gefängnis. Er lässt in Haft sein Essen vorkosten – von seinem Hund.

Bereits länger sitzt Joaquin «El Chapo» Guzmán im Gefängnis. Er lässt in Haft sein Essen vorkosten – von seinem Hund.

Keystone

In einer Telenovela spielt sie eine Drogenbaronin, im wahren Leben organisierte sie das geheime Treffen des Hollywoodstars mit dem mächtigsten Drogenboss der Welt: Sean Penns spektakuläres Interview mit Joaquín «El Chapo» Guzmán wurde von der mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo vermittelt.

Berühmt wurde del Castillo mit der Fernsehserie «La Reina del Sur» (Die Königin des Südens) 2011. Ihre Karriere verlief ohne grössere Skandale, bis sie im Februar 2012 im Kurzbotschaftendienst Twitter Nachrichten über Guzmán absetzte. In einer Botschaft bekannte sie, sie glaube «mehr an Chapo Guzmán als an die Regierungen, die die Wahrheit vor mir verbergen, auch wenn sie schmerzhaft ist». Del Castillo bittet den Kriminellen darin inständig, aus dem Drogengeschäft auszusteigen. Der Kartellchef war damals seit elf Jahren auf der Flucht – nach seinem ersten Ausbruch aus dem Gefängnis 2001.

Ein Missverständnis?

Del Castillo betonte jedoch in einem Interview, sie sei missverstanden worden und die Tweets «totale Ironie und Sarkasmus». Zudem versicherte die dunkelhaarige, geschiedene 43-Jährige, Guzmán habe nie geantwortet und sie kenne ihn auch nicht.

Hollywoodstar Penn berichtet in seinem am Samstag im US-Magazin «Rolling Stone» veröffentlichten Artikel jedoch, ein Anwalt Guzmáns habe del Castillo nach ihrer Twitter-Nachricht kontaktiert. «Er sagte, El Señor wollte ihr aus Dankbarkeit Blumen schicken. Sie war nervös, gab ihm aber ihre Adresse, doch wegen des nomadenhaften Lebens einer Schauspielerin kamen die Blumen nicht bei ihr an», berichtet Penn.

Briefe und SMS-Nachrichten

Nach Guzmáns Festnahme im Februar 2014 habe der Anwalt del Castillo erneut ausfindig gemacht. Fortan tauschte Mexikos Serienstar mit dem Drogenboss handgeschriebene Briefe und SMS-Nachrichten aus, wie Penn berichtet. Im Gefängnis plante Guzmán demnach einen Film über sein Leben, doch er wollte «nur Kate die Geschichte anvertrauen».

Als Penn über den Drogenboss schreiben wollte, suchte er nach eigener Darstellung über einen Freund Kontakt zu del Castillo, die wiederum eine Verbindung zu Guzmán herstellte. Am 2. Oktober – im Juli war Guzmán durch einen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis geflohen – fand das berühmt gewordene Treffen zwischen Penn, del Castillo und Guzmán tatsächlich statt. Als sie zum verabredeten Termin auf einer Dschungellichtung eintrafen, habe Guzmán den mexikanischen Fernsehstar «begrüsst wie eine Tochter, die von der Uni zurückkehrt», erzählt Penn.

«Etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet»

In einem nach dem Treffen aufgenommenen Video betonte der Kartellboss, der Inhalt des Filmes sei «exklusiv für Señorita Kate del Castillo und Señor Sean Penn» bestimmt. Auch der spanische Autor des Buches, das als Vorlage für die Fernsehserie diente, meldete sich auf Twitter zu Wort: «Die Königin des Südens vermittelte das Interview mit El Chapo», schreibt Arturo Pérez-Reverte. «Etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet.»

Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez sagte am Freitag ebenfalls, Guzmán habe «Schauspielerinnen und Produzenten» kontaktiert, um einen Film über sein Leben drehen zu lassen. Nun will die Staatsanwaltschaft die Filmstars zu dem Treffen befragen. Die Behörden waren den Schauspielern auf die Spur gekommen, obwohl diese die klandestine Zusammenkunft geheim halten wollten. Nur wenige Tage nach dem Interview wäre Guzmán den Sicherheitskräften fast ins Netz gegangen. Am Freitag wurde der Drogenboss dann bei einem blutigen Militäreinsatz in der Küstenstadt Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa gefasst. (fal/afp)

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