Aktualisiert 11.06.2008 14:59

DANISH DYNAMITEWer ist die schönste...«Miss Kopftuch»?

Die Dänen und die Provokation – eine scheinbar untrennbare Kombination. Nach den Mohammed-Karikaturen folgt nun ein neuer Coup: Dänemark sucht die «Miss Kopftuch 2008.»

Sarah zeigt sich in ein blaues Tuch gehüllt, passend zu ihren grossen, freundlichen Augen. Hoda hingegen wählte das schwarze, «klassische» Kopftuch. Jenes von Shirihaan ist knallrot, und sie hat es hinter dem Nacken gebunden: Auf höchst verschiedene Arten präsentieren sich mittlerweile 50 Frauen auf der Webseite der «Miss Tørklæde 2008.»

«Alle können teilnehmen, ob Muslimin oder nicht», lautete der Aufruf, den der dänische öffentliche Radio- und Fernsehsender Danmark Radio lancierte. Gesucht werden junge Damen ab 15 Jahren mit Kopftuch. «Kopftücher sind trendy, die Politiker reden über sie, und auf den Strassen gibt es viele coole Musliminnen mit Guccitüchern.»

Der Wettbewerb startet just einen Monat, nachdem die dänische Regierung den Richterinnen verboten hat, Kopftücher – und andere religiöse Symbole - zu tragen. Damit desavouierte das liberal-konservative Kabinett sowohl den Richterverband wie auch die eigene Integrationsministerin Birthe Rønn Hornbech, die in scharfen Worten vor einer solchen Entwicklung gewarnt hatte. «Richter müssen in ihrer Amtsausübung 'neutral' erscheinen», begründete Justizministerin Lene Espersen die neuen Regeln.

«Der Wettbewerb ist eigentlich ein Witz»

Bjarke Ahlstrand, verantwortlich für das Jugendprogramm des Senders, meint, der Wettbewerb wolle junge Musliminnen ansprechen, die sonst wenig mit der Kopftuch-Diskussion konfrontiert würden. «Trotzdem wollen auch sie modisch und schön sein», erklärt sie die Idee.

«Wir fühlen uns viel freier in diesem Land», sagt die 24-jährige Hibo Adbull gegenüber dem Nachrichtendienst Bloomberg. «Dieser Wettbewerb ist eigentlich ein Witz, aber ich hoffe, es hilft den Dänen zu akzeptieren, dass einige Frauen entschieden haben, ein Kopftuch zu tragen. Ich trage meins nicht immer. Aber ich finde, wenn ich nicht alles von mir zeige, macht mich das weiblicher.»

Der Preis ist heiss

Die Gewinnerin wird von einer Modeexpertin gewählt. Als Siegespreis winken ihr ein signiertes Kopftuch des dänischen Modedesigners Mads Noergaard und ein iPod. Die ersten fünf Finalistinnen bekommen ausserdem ein Abonnement der Zeitschrift «Muslim Girl Magazine.»

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