Champions-League: Wer ist eigentlich Cluj?
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Champions-LeagueWer ist eigentlich Cluj?

Innert sechs Saisons hievte sich Basels erster Gegner von der dritten rumänischen Liga in Europas Königsklasse. Trotz der Erfolge ist die Stimmung im Moment alles andere als gut.

von
Patrick Toggweiler
Cluj

Cluj – oder auf deutsch Klausenburg – ist eine klassische Studentenstadt: Von den 400 000 Einwohnern sind 100 000 Studenten. Das Stadtbild wird der speziellen Demographie gerecht. Nicht nur mit vielen Bibliotheken, sondern mit zahlreichen und vor allem günstigen Ausgehmöglichkeiten – das freut auch den ausländischen Fussballfan.

So jung wie die Bevölkerung, so jung ist auch der Erfolg von CFR Cluj. Erst seit der Saison 2004/05 spielt der als Sportclub der Eisenbahnarbeiter gegründete Verein wieder in der obersten rumänischen Liga 1 – nach 29 Jahren Unterbruch. Zwei Spielzeiten später feierte Cluj mit Meistertitel und Pokalsieg bereits das Double (2007/08). Damit beendete der morgige Gegner von Basel eine 16 Jahre dauernde Herrschaft Bukarester Spitzenclubs.

Mit dem Titel zog Cluj in die Champions League ein. In der ersten Partie überraschten die Rumänen die AS Roma auswärts mit einem 2:1-Sieg. Von der dritten rumänischen Liga bis zum Sieg gegen Roma in der Champions League benötigte Cluj nur gerade sechs Saisons. Clubbesitzer Arpad Paszkany sei Dank. Er ist die Gigi Oeri von Cluj. Reich geworden durch Auto- und Immobiliendeals.

Absturz nach kurzem Hoch

Der Höhenflug hielt auch am zweiten Spieltag mit einem 0:0 gegen Chelsea an. Danach ging es bergab. Die Spieler hatten bewiesen, wofür sie taugten – unnötige Verletzungen sollten verhindert werden. Schliesslich lockten dicke Verträge bei Teams der grosse Ligen. Es folgten vier Niederlagen in Serie. Als Gruppenletzte schieden die Rumänen hinter Bordeaux aus den europäischen Wettbewerben. Die Rechnung der Spieler aber ging auf. Von der Truppe, die gegen Chelsea auf dem Rasen stand, blieben nur gerade drei Feldspieler dem rumänischen Meister bis heute treu.

Auch in der Meisterschaft – davon können Schweizer Clubs ein Lied singen – konnte der Meistertitel nicht verteidigt werden. Immerhin reichte es für die Europa-League-Qualifikation, wo man die Gruppenphase trotz eines Startsieges als Letzter hinter Sparta Prag, FC Kopenhagen und dem PSV Eindhoven beendete.

Im letzten Jahr holte sich die Mannschaft aus Siebenbürgen nun den zweiten Titel – gleich wieder mit einem Double. Wer glaubt, für Basel werde die Reise nach Rumänien ein Spaziergang, wird die Erwartungen zurückschrauben müssen. Transfermarkt.de schätzt den Wert der Cluj-Spieler auf 43 Millionen, nur sieben Millionen weniger als der Schweizer Ligakrösus.

Bei Cluj ist Feuer unterm Dach

In die neue Saison ist Cluj denkbar schlecht gestartet. Nach sieben Spielen belegt der Meister den elften von 18 Plätzen. Zwei Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen – so die magere Ausbeute bisher. Die Teppichetage des Draculaclubs zeigte keine Beisshemmung: Trainer Mandorlini wurde just vor der Partie gegen Basel gefeuert und durch den Ex-Internationalen Sorin Cartu (54) ersetzt.

Um eine Leistungsverweigerung wie beim letzten Champions-League-Auftritt zu verhindern, wurden schon mal die Gehälter der Spieler eingefroren, wie die «Basler Zeitung» weiss. Ohne Erfolg kein Geld. Ob das die Motivation der vielen Söldner im Team (67,7 Prozent) unbedingt stärkt?

Immerhin. Cluj startet mit einem psychologischen Vorteil: Bisher gewannen sie alle ihre Startspiele der Europa und Champions League.

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