Ökonomie-Professor: «Wer jetzt keine Aktien hat, war früher doof»

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Ökonomie-Professor«Wer jetzt keine Aktien hat, war früher doof»

Ein deutscher Ökonomieprofessor äussert sich zum Thema Aktienbesitz. 90 Prozent der Menschen seien ökonomische Analphabeten.

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cls
Professor Bernd Raffelhüschen, hier bei einem Auftritt in der Schweiz, rät Anlegern zu einem Mix aus Aktien, Staatsanleihen und Immobilienbesitz.

Professor Bernd Raffelhüschen, hier bei einem Auftritt in der Schweiz, rät Anlegern zu einem Mix aus Aktien, Staatsanleihen und Immobilienbesitz.

Bernd Raffelhüschen ist ein bekannter und anerkannter Ökonom mit Professuren an den Universitäten in Freiburg und Bergen. In der «Welt» tut er seine Meinung zum Thema Aktienbesitz kund und kommt zu einem wenig schmeichelhaften Resultat: 90 Prozent der Menschen seien ökonomische Analphabeten, sagt Raffelhüschen im Interview. Sie schauten jetzt in die Röhre, weil sich auf klassischen Sparkonten angelegtes Geld nicht vernünftig verzinse. «Wer jetzt keine Aktien hat, war in der Vergangenheit doof», schimpft der Professor.

Im Zusammenhang mit der boomenden deutschen Börse rät Raffelhüschen dringend zu Anlagen. Für den privaten Sparer sei «der richtige Mix aus Aktien, Staatsanleihen und Immobilienbesitz der beste Weg, wenn man es über eine Dauer von 15 oder 20 Jahren» betrachte. Dann liessen sich solche Phasen, wie wir sie jetzt gerade erleben, «mit einem Lächeln betrachten». Durch Diversifikation könne man alles durchstehen, so Raffelhüschen.

Mangelnde Finanzkenntnisse

In der Tat hat eine Untersuchung ergeben, dass es um das Finanzwissen der Deutschen nicht allzu gut bestellt ist. Und damit sind sie nicht allein: Beim «Finanz-Pisa-Test» unter 18 Teilnehmerländern war einer von sieben Schülern selbst mit einfachsten Aufgaben überfordert, etwa mit «Wie liest man eine Rechnung»? Oder: «Was bezahlt man für einen Kredit inklusive Zinsen? »

In der vor zwei Jahren erhobenen Untersuchung gab nur knapp die Hälfte der befragten Deutschen zwischen 14 und 24 Jahren an, sich mit Geld- und Finanzdingen auszukennen. Und von dem, was an den Börsen geschieht, hatten nach eigener Einschätzung fast zwei Drittel der jungen Leute wenig oder gar keine Ahnung. Bei den Erwachsenen sieht es kaum besser aus. Eine aktuelle Erhebung des Bankenverbands vom Juni 2014 zeigt: Sechs von zehn Deutschen können nicht sagen, was ein Investmentfonds ist.

Löbliche Schweizer

Die Schweizer dagegen schnitten gut ab. Eine aktuelle Studie der Universität St. Gallen am Institut für Banken und Finanzen zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung im internationalen Vergleich über relativ gutes Finanzwissen verfügt. Das Finanzwissen unterscheidet sich aber stark je nach Geschlecht, Ausbildung und Einkommen.

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