Die Besten der Fifa: Wer jubelt diesmal am schönsten?
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Die Besten der FifaWer jubelt diesmal am schönsten?

Wieder geht ein Fussballjahr zu Ende – und wieder sucht der Weltverband seine Besten. Macht es Harder? Und: Was hat der Druck der Bayern-Bosse bewirkt?

von
Fabian Sangines
Grund zu jubeln hat Pernille Harder (rechts): Die Dänin gewann mit Wolfsburg ziemlich alles, was es in der Bundesliga zu gewinnen gibt.

Grund zu jubeln hat Pernille Harder (rechts): Die Dänin gewann mit Wolfsburg ziemlich alles, was es in der Bundesliga zu gewinnen gibt.

Foto: Sven Simon (Imago Images)

Es ist dieser eine Titel, der ihnen noch fehlt. Und diesen Titel, den wollen sie unbedingt. So dringend, dass die Bayern mal wieder ihre «Abteilung Attacke» ins Feld schickten – und sogar den Fifa-Präsidenten höchstpersönlich dafür anriefen. Vor ein paar Monaten nämlich, als der Weltfussballverband entschieden hatte, in diesem Jahr keine Weltfussballer und -trainer zu küren, aufgrund der Corona-Pandemie keine «The Best»-Titel zu vergeben. «Damit sind wir natürlich nicht zufrieden, und das ist nicht ganz fair», fand Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und liess das Gianni Infantino am Telefon wissen.

Und das Pressing funktionierte: Die Fifa überdachte ihren Entscheid, sodass am Donnerstagabend (19 Uhr) «The Best Fifa Football Awards» verteilt werden. Natürlich ging es Rummenigge darum, die seit 1991 bestehende Tradition weiterzuführen. Es ist die grosse Chance, dass mit Überstürmer Robert Lewandowski erstmals überhaupt ein Spieler des FC Bayern München die Trophäe gewinnt. Dazu ist auch Hansi Flick bei den Trainern der grosse Favorit, obwohl die beiden anderen Nominierten auf ihre eigene Weise dafür stehen, was im Fussball verloren zu gehen droht: Romantik.

Offener ist das Rennen bei den Frauen, da sind in England sowieso nicht alle happy mit der Auswahl. Bei Arsenal, dem Team mit den drei Schweizerinnen Malin Gut, Lia Wälti und Noëlle Maritz, bezeichnen sie ihre Stürmerin Viviane Miedema gern als «The Goat». Nun wird die Torschützenkönigin der Champions League und der britischen Super League nicht einmal «The Best». Wer stattdessen nominiert ist und was für wen spricht – eine Übersicht.

Die Besten – Frauen

Lucy Bronze

Foto: Jon Super (AP Photo)

Den Champions-League-Titel, den hat die Engländerin offenbar langsam gesehen. Drei Jahre spielte sie bei Olympique Lyon, in jedem davon gewann sie die kontinentale Trophäe. Für Lyon irgendwie Formsache – seit 2011 standen die Französinnen nur 2015 nicht im Final, in dieser Zeit holten sie den Pokal sieben Mal. Also entschied sich die Rechtsverteidigerin für eine neue Herausforderung und kehrte zu Manchester City zurück. Dorthin, wo sie 2016 bereits den Ligatitel gewinnen konnte (zuvor schaffte sie das schon in ihren beiden Saisons bei Liverpool).

Und dort konnte Bronze nach dem Triple mit Lyon im November auch noch den englischen FA Cup gewinnen. Somit hat sie einen Titel mehr gewonnen als ihre ehemaligen Teamkolleginnen. Bereits vor einem Jahr war die 29-Jährige nominiert – dazu wurde sie als erste Verteidigerin zur Uefa-Spielerin des Jahres ausgezeichnet.

Pernille Harder

Foto: Lars Baron (Epa)

Apropos Uefa-Spielerin des Jahres: Den Titel gewann dieses Jahr die Kapitänin des VfL Wolfsburg. Sie verdiente sich die Auszeichnung, weil sie in Deutschland ziemlich alles abräumte, was es abzuräumen gibt: Liga, DFB-Pokal, Torschützenkönigin und, als erste Ausländerin, Spielerin des Jahres. Ausserdem war die Dänin mit neun Toren massgeblich daran beteiligt, dass Wolfsburg den Champions-League-Final erreichte.

Landsfrau Nicoline Sörensen findet, Harder sei «seit Jahren schon» die beste Spielerin der Welt. 2020 könnte sie erstmals offiziell dazu gekürt werden.

Wendie Renard

Foto: Imago Images/Gribaudi

Penaltys, die sind Chefsache. Und die unbestrittene Chefin bei den unbestrittenen Dominatorinnen Europas, Olympique Lyon, heisst Wendie Renard. Schon mit ihrer Körpergrösse von 1,87 Metern überragt sie viele ihrer Mitspielerinnen, dazu kommt ihr einzigartiges Palmarès: vierzehnmal französische Meisterin, neunfache Cupsiegerin, siebenmal die Champions League gewonnen. Ja, die 30-Jährige hat alle Ingredienzen einer Fussballlegende. Nur: Weltfussballerin, das wurde die 122-fache französische Nationalspielerin noch nie.

Als Chefin von Europas bestem Team könnte sich das in diesem Jahr ändern.

Die Besten – Männer

Cristiano Ronaldo

Foto: Imago Images/Buzzi

Fünfmal wurde Cristiano Ronaldo bereits als Weltfussballer ausgezeichnet, gemeinsam mit Lionel Messi gehört er zu den ganz Grossen der Geschichte, die noch aktiv sind. Allein schon aufgrund des Namens dürfte der Portugiese in der Shortlist des Weltverbandes auftauchen. Denn auch im zweiten Jahr in Italien schaffte es CR7 nicht, Torschützenkönig zu werden – trotz 31 Treffern. Dafür lieferte er mal wieder in der Champions League, obschon Juve bereits im Achtelfinal an Aussenseiter Lyon scheiterte. Mit seinen beiden Treffern im Rückspiel bleibt es jedoch dabei: Seit er beim italienischen Serienmeister spielt, hat Cristiano Ronaldo alle Juve-Treffer in K.-o.-Spielen erzielt.

Lionel Messi

Foto: Imago Images/Gribaudi

In Sachen Weltfussballer-Trophäen stellt nur Lionel Messi seinen ewigen Widersacher in den Schatten: Sechsmal wurde der Argentinier zum Weltbesten ausgezeichnet – zu wenig, wie sein ehemaliger Mitspieler Dani Alves einst sagte: «Solange Messi spielt, müsste er jedes Mal die Weltfussballer-Wahl gewinnen.»

Nun, so unwahrscheinlich wie in diesem Jahr dürfte dieses Szenario kaum sein. Natürlich ist Messi nach wie vor die grosse Figur bei Barça, ob er Tore schiesst oder nicht: Jeder Angriff läuft über seinen linken Zauberfuss. Doch auch er war machtlos, als die Katalanen im Champions-League-Viertelfinal gegen die Bayern die historische 2:8-Klatsche erlitten. Dazu blieb er mit seinem Team auch in Liga und Cup titellos – erstmals seit zwölf Jahren. Immerhin bewies der 33-Jährige eine ganz neue Qualität, nämlich diejenige des Hellsehers: Denn bereits im Februar prophezeite er: «So haben wir keine Chance auf den Champions-League-Titel.» Wie recht er doch hatte.

Robert Lewandowski

Foto: Sven Simon (Imago Images)

Champions-League-Sieger. Deutscher Meister. DFB-Pokalsieger. Europäischer und deutscher Supercupgewinner. Torschützenkönig der Bundesliga und der Champions League. Deutschlands Fussballer des Jahres. Europas Fussballer des Jahres. 55 Tore in 47 Spielen, dazu 10 Assists. Ein bisschen verständlich ist es ja schon, dass die Bayern-Bosse finden, der Pole müsse zum Weltfussballer der Saison 2019/2020 gewählt werden.

Die Besten – Trainer(innen) im Frauenfussball

Emma Hayes

Foto: Imago Images

Die Konkurrenz in England ist riesig. Arsenal und Manchester City investieren gross, allgemein boomt der Frauenfussball so richtig im Mutterland des Fussballs. Das Double zu gewinnen, das ist wahrlich nicht einfach. Chelsea gelang es, mit dem Ligatitel und dem Gewinn des Ligacups. Als Baumeisterin des Westlondoner Erfolges gilt die 44-jährige Engländerin, die Chelsea nach ihrem Amtsantritt 2012 zu einem Spitzenteam formte. Dazu ist sich Hayes für deutliche Worte nicht zu schade, so kritisierte sie den britischen Fussballverband in der Vergangenheit dafür, den heimischen Spielplan nicht der Champions League anzupassen. In England gilt sie als Sinnbild für die Förderung des Frauenfussballs.

Was aus Schweizer Sicht gegen sie spricht: Sie liess unsere Ausnahmekönnerin Ramona Bachmann nicht so oft spielen, sodass Bachmann im Sommer zu PSG wechselte.

Sarina Wiegman

Foto: Imago Images

Eine Niederlage in anderthalb Jahren – und diese war im WM-Final. Hollands Nationalteam gehört zu Recht zur Top 5 im Weltfussball. Einen grossen Anteil daran hat die 51-Jährige, die 2016 eigentlich als Übergangslösung übernahm. 2017 führte sie Holland an der Heim-EM zum Titel, 2019 bis in den Final der Weltmeisterschaft. Ihre Arbeit ist so gut, dass sie in England auf Nummer sicher gehen wollten: Bereits jetzt ist klar, dass Wiegman ab September 2021, also nach der kommenden EM, die Lionesses coachen wird. Gut möglich, dass sie auch die Engländerinnen zu einer Weltmacht formen wird.

2017 wurde sie übrigens schon einmal zur besten Trainerin des Jahres ausgezeichnet – vor dem heutigen Schweizer Nationalcoach Nils Nielsen.

Jean-Luc Vasseur

Foto:  Villar Lopez (Epa)

Natürlich darf auch der Lyon-Coach nicht in der Shortlist fehlen. Schliesslich gewann sein Team in der vergangenen Saison alles, was es zu gewinnen gibt. Das Triple, das ist natürlich schon sehr eindrücklich, deshalb wurde er von der Uefa bereits zum Trainer des Jahres gekürt, ebenso wie vom britischen Magazin «World Soccer». Neben all den Trophäen ist sicher erwähnenswert, dass die vergangene Saison bei Lyon für den 51-Jährigen die erste im Frauenfussball war – und er nach vier Champions-League-Titeln in Serie doch ziemlich unter Druck stand.

Die Besten – Trainer im Männerfussball

Hans-Dieter Flick

Foto:  Sven Hoppe (AP)

Nur so zur Erinnerung: Als Hansi Flick Anfang November 2019 Interimstrainer bei Bayern München wurde, stand der deutsche Rekordmeister auf dem vierten Tabellenrang, einen Monat später rutschte das Team nach der zweiten Niederlage in Serie gar auf den siebten Platz ab. Nun, die beiden 1:2 (gegen Leverkusen und Gladbach) sollten bis heute 66 Prozent seiner Niederlagen als Bayern-Coach bleiben – seither verlor er nur noch gegen Hoffenheim. Stattdessen führte er in seinem ersten Jahr als 1.-Liga-Headcoach die Bayern aus der Krise direkt zu allen fünf Titeln, die in dieser Saison möglich waren. Dass jeder Bayern-Sieg mittlerweile fast schon wie ein Selbstläufer aussieht, hat viel mit der Arbeit des langjährigen Co-Trainers der deutschen Nationalmannschaft zu tun.

Marcelo Bielsa

Foto: Molly Darlington (AP)

Irgendwie passt es schon. Denn dass bei allen Topteams und Toptrainern ausgerechnet ein Premier-League-Aufsteiger unter die Top 3 des Weltfussballs auserwählt wurde, wirkt schon etwas verrückt. Das ist aber kein Problem, denn schliesslich trägt der Argentinier den Spitznamen «El Loco», der Verrückte.

Seit 2018 coacht er den Traditionsclub Leeds United, und das macht er so gut, dass es in England kaum jemanden stört, dass er auch nach über zwei Jahren noch kein Wort Englisch spricht – und deshalb jedes Interview mit einem Dolmetscher führen muss. Aber sein Leeds, das erstmals seit sechzehn Jahren wieder in der Premier League spielt, tritt derart unterhaltsam auf, dass ihn Fans und Experten dennoch lieben. Der 55-Jährige beweist Woche für Woche, dass auch ein Team aus mehrheitlich Unbekannten offensiven, mutigen Fussball spielen kann. Obwohl, ganz unbekannt sind seine Spieler doch nicht – seine Nummer 10, Ezgjan Alioski, stammt aus der YB-Jugend und spielte vor fünf Jahren noch in der Challenge League bei Schaffhausen.

Jürgen Klopp

Foto: Peter Powell (AP)

Ja, der Champions-League-Titel 2019 war schön. Hat Spass gemacht, in Liverpool. Doch was wirklich zählte, das kam ein Jahr später. Endlich, erstmals seit dreissig Jahren, konnte der frühere Rekordmeister wieder einmal die Premier League gewinnen. Fünf Jahre lang, Stück für Stück, baute der Deutsche das damalige Kummerkind Englands zu einer Macht im Weltfussball auf – bis der Traditionsclub vergangene Saison mit 99 Punkten einen neuen Vereinsrekord aufstellen konnte.

Doch zuletzt hatte Klopp wenig zu lachen: Immer wieder legte er sich mit Liga und TV-Stationen an, beschwerte sich wie kaum ein Zweiter über den dicht gedrängten Spielplan und seine fragwürdigen Anspielzeiten (beispielsweise Samstagmittag). Er sorge sich um die Gesundheit seiner Spieler, sagte er immer wieder – unter anderem verlor er schon Abwehrchef Virgil Van Dijk aufgrund eines Kreuzbandrisses. Doch allen Sorgen zum Trotz: Nach 13 Spielen steht Liverpool an der Tabellenspitze der Premier League.

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