12.03.2020 13:03

Nicht-Risikopatienten

Wer jung und krank ist, soll in Selbst-Quarantäne

Wer jünger als 65 und kein Risikopatient ist, aber Corona-Symptome aufweist, soll sich zu Hause isolieren. Das sorgt für Verunsicherung.

von
dgr
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Wer unter 65 Jahre alt ist und Symptome aufweist, die auf das Coronavirus hindeuten, soll sich zu Hause isolieren und auskurieren. Erst, wenn Atemwegssymptome sich verschlimmern und etwa Atemnot auftritt, soll telefonisch ein Arzt konsultiert werden.

Wer unter 65 Jahre alt ist und Symptome aufweist, die auf das Coronavirus hindeuten, soll sich zu Hause isolieren und auskurieren. Erst, wenn Atemwegssymptome sich verschlimmern und etwa Atemnot auftritt, soll telefonisch ein Arzt konsultiert werden.

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Bis ein Impfstoff oder Medikamente gegen das Sars-CoV-2 auf den Markt kommen, wird es noch dauern. Um die Lücke zu schliessen, testen Forscher bereits zugelassene Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt wurden. Sie könnten rasch eingesetzt werden.

Bis ein Impfstoff oder Medikamente gegen das Sars-CoV-2 auf den Markt kommen, wird es noch dauern. Um die Lücke zu schliessen, testen Forscher bereits zugelassene Medikamente, die ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt wurden. Sie könnten rasch eingesetzt werden.

iStock/Remains
Unter anderem steht der der Wirkstoff Remdesivir auf dem Prüfstand, der eigentlich gegen Ebola entwickelt wurde. Die WHO bezeichnet das Präparat als vielversprechend. Es laufen bereits Studien, die ersten sollen im April 2020 abgeschlossen sein.

Unter anderem steht der der Wirkstoff Remdesivir auf dem Prüfstand, der eigentlich gegen Ebola entwickelt wurde. Die WHO bezeichnet das Präparat als vielversprechend. Es laufen bereits Studien, die ersten sollen im April 2020 abgeschlossen sein.

epa/Ahmed Jallanzo

Husten, Fieber, Schmerzen in der Brust – wer solche oder weitere grippeähnliche Symptome hat, soll künftig nur noch dann telefonisch einen Arzt konsultieren, wenn er über 65 Jahre alt ist oder an einer Vorerkrankung wie Asthma oder Diabetes leidet. Wer jünger und kein Risikopatient ist, soll sich zu Hause isolieren und die Krankheit auskurieren. Das bekräftigte Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit an der Pressekonferenz vom Mittwoch.

Doch was, wenn die Krankheit sich verschlimmert? Ab wann soll trotzdem ein Arzt konsultiert werden – und werde ich dann auch behandelt? Diese Fragen beschäftigen die 20-Minuten-Leser: «Ich bin seit über einer Woche mit starkem Husten, Fieber und Atemproblemen zu Hause in Selbstisolation», schreibt etwa ein Leser. Er verstehe nicht, weshalb er trotz ärztlicher Visite bei ihm zu Hause nicht auf das Virus getestet werde. Weitere Leser fragen sich, ob sie sich mit ähnlichen Symptomen beim Arzt melden sollen. «Ich fürchte, dass ich mich angesteckt habe, aber niemand will einen Test machen. Ich finde es schlecht, dass Personen nicht getestet werden, obwohl sie Symptome aufweisen», schreibt einer.

Fieber muss noch nicht Corona sein

Auf die Frage, wann genau auch Nicht-Risikopatienten trotzdem einen Arzt konsultieren sollen, verweist das BAG auf ein entsprechendes Merkblatt: «Sobald sich die Atemwegssymptome verschlimmern, also beispielsweise Atemnot auftritt», heisst es da. Ralph Schröder, stellvertretender Mediensprecher des Kantonsspitals Aarau, ergänzt: «Fieber muss nicht zwingend zu den Symptomen zählen, die auf Corona hinweisen.» Bei Verunsicherungen rät er, die verschiedenen Hotlines anzurufen, die es mittlerweile gebe: «Da sitzen Fachleute, die im konkreten Fall sagen können, ob ein Arzt aufgesucht werden soll oder ob man abwarten soll.»

Der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny bezweifelt, dass es ausreicht, an die Selbstverantwortung der Menschen zu appellieren, um das Virus einzudämmen. «Ob tatsächlich alle so obrigkeitsgläubig sind und das Haus nicht mehr verlassen, wenn sie Symptome aufweisen, ist fraglich.» Für ihn wäre es an der Zeit, rigorose Massnahmen zu ergreifen.

«Hohe Bussen müssten angedroht werden»

«Sämtliche öffentlichen Anlässe müssten abgesagt und Gebiete mit vielen Fällen abgeriegelt werden. Auch öffentliche Schulen müssten zugemacht und die Kontakte zwischen Menschen auf ein absolutes Minimum beschränkt werden.» Wer sich nicht daran halte, dem sollen hohe Bussen drohen. So werde es auch wenige Kilometer von der Schweiz entfernt in Italien gehandhabt.

Davon will das BAG bislang nichts wissen. An der Grenze zu Italien werden seit Mittwoch zwar schärfere Kontrollen durchgeführt und das Tessin hat den Notstand ausgerufen. Mathys betonte aber die Wichtigkeit der Eigenverantwortung: Es sei jetzt die Aufgabe der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass das Virus sich nicht ausbreitet und das Gesundheitssystem sich auf die schweren Fälle konzentrieren könne. Gerade deshalb sei es so wichtig, dass junge, grundsätzlich gesunde Menschen mit Symptomen sich selber isolierten.

Dass Patienten sich selber in Gefahr bringen, weil sie sich nicht mehr trauen, den Arzt anzurufen, glaubt denn auch Cerny nicht. «Es gibt zwar seltene Fälle, in denen eine Atemnot sehr schnell auftreten kann.» In der Regel entwickle sich eine solche aber langsam, und es bleibe den Patienten genügend Zeit, mit ihrem Arzt Kontakt aufzunehmen. «Dieser kann die Situation dann beurteilen und die richtigen Massnahmen einleiten.»

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