Arbeitsmarkt nach Corona - Wer Karriere machen will, meidet das Homeoffice
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Arbeitsmarkt nach CoronaWer Karriere machen will, meidet das Homeoffice

Die Corona-Krise hat Selbständige, Angestellte in tiefen Pensen und junge Erwachsene am härtesten getroffen. Dafür hat sich das Homeoffice etabliert. Doch Karrierebewusste werden auch in Zukunft wenig zuhause arbeiten.

von
Barbara Scherer
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Homeoffice ist in der Krise normal geworden.

Homeoffice ist in der Krise normal geworden.

20min/Michael Scherrer
Allerdings birgt das Arbeiten zuhause auch Gefahren.

Allerdings birgt das Arbeiten zuhause auch Gefahren.

20min/Sonja Mulitze
So könnte das Arbeiten aus den eigenen vier Wänden Beförderungen erschweren.

So könnte das Arbeiten aus den eigenen vier Wänden Beförderungen erschweren.

20min/Raphael Knecht

Darum gehts

  • Die Pandemie hat den Arbeitsmarkt verändert.

  • Homeoffice wird in Zukunft zum Arbeitsalltag dazugehören.

  • Allerdings birgt das Arbeiten von zuhause auch Gefahren – insbesondere für Karrierebewusste.

Der Schweizer Arbeitsmarkt hat die Corona-Krise relativ gut überstanden. So hat die Kurzarbeit rund 120’000 Jobs gerettet, wie die Denkfabrik Avenir Suisse in einer Medienmitteilung schreibt. Die Massnahmen haben dem Staat allerdings Milliarden gekostet.

Trotz Krise sind die Löhne 2020 nicht zurückgegangen. Im Gegenteil: Im Vergleich zum Vorjahr sind sie sogar um 1,5 Prozent gestiegen. Allerdings ist die Summe der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden um 3,7 Prozent gesunken.

Junge Erwachsene hart getroffen

Dabei hat die Krise vor allem junge Erwachsene, selbständig Erwerbende und Angestellte in tiefen Pensen hart getroffen. Denn durch Kurzarbeit gab es einen Einstellungsstopp und gerade Berufseinsteiger konnten darum keine Jobs finden. Selbstständige haben Aufträge und damit Einnahmen verloren.

Bei Teilzeitstellen unter 50 Prozent hat die geleistete Arbeitszeit prozentual dreimal so stark abgenommen wie bei hohen Pensen. Das könnte laut Marco Salvi, Mitautor der Studie, daran liegen, dass tiefe Pensen in den vom Lockdown stärker getroffenen Bereichen wie Gastro, Verkauf, aber auch im Kunstbetrieb etwas häufiger sind.

Zudem sind Stellen mit niedrigen Pensen meist von Frauen besetzt. Diese haben einen grösseren Teil der Kinderbetreuung übernommen. «Durch das Homeoffice hat das zu einer Doppelbelastung geführt, weshalb die Leute freiwillig ihren Job noch mehr reduziert haben», so Salvi.

Homeoffice könnte Beförderung erschweren

Die Krise hat den Trend zum Homeoffice beschleunigt. So wird sich nach der Pandemie wohl eine Mischform durchsetzen, wie Avenir Suisse schreibt. Allerdings dürfte das Arbeiten von zuhause eher eine Leistung sein, die gut etablierte Angestellte in Zukunft nutzen dürfen.

Für Berufseinsteiger kann das Homeoffice nämlich auch Nachteile haben. Denn wer viel zuhause arbeitet, wird bei Beförderungen eher übersehen. Darum werden wohl gerade jüngere Mitarbeitende und Angestellte, die Karriere machen wollen, das Homeoffice eher meiden.

Trotzdem wird Homeoffice laut Avenir Suisse ein fester Bestandteil der künftigen Arbeitswelt werden. Darum sei eine Anpassung des Arbeitsgesetzes unumgänglich. Dieses hält zurzeit noch am Konzept von fixen Arbeitsplätzen und -zeiten fest. Das müsse sich angesichts der Beliebtheit des Homeoffices ändern.

370 bis 730 Millionen Stunden zu Hause geleistet

2020 wurden rund 370 bis 730 Millionen Stunden zu Hause geleistet. Das entspricht rund fünf bis zehn Prozent aller Arbeitsstunden, wie Avenir Suisse schreibt. Dabei haben viele Erwerbstätige gute Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht: So wollen rund drei Viertel der Heimtätigen auch nach der Pandemie teilweise weiter zu Hause arbeiten. Nur 13 Prozent wollen komplett ins Büro zurückkehren und weitere 13 Prozent wollen nur im Homeoffice arbeiten.

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